Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft e.V. Forschungsstelle zur Geschichte der Sexualwissenschaft

Arthur Weil, Dr. med., Privatdozent

geb. 3.10.1887 (Braunschweig) gest. 9.5.1969 (München)

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Arthur Weil, o.J.
Nachdem er das Abitur in Hannover abgelegt hatte, studierte Arthur Weil zunächst Veterinärmedizin in München, Hannover und Berlin, wandte sich nach der entsprechenden Promotion aber der Humanmedizin zu. 1917 promovierte er nach Studien in Berlin und Halle ein weiteres Mal, diesmal zum Dr. med. In der Folge wurde er als Arzt tätig.

Bereits an der Tierärztlichen Hochschule in Berlin war Arthur Weil in Kontakt mit dem Schweizer Physiologen Emil Abderhalden (1877–1950) getreten, mit dem er etliche gemeinsame Veröffentlichungen vorlegte. Weil nahm 1913 an der ersten Sitzung der „Ärztlichen Gesellschaft für Sexualwissenschaft und Eugenik” teil, und im folgenden Jahr wurde er als „Dezernent für wissenschaftliche Arbeit” in einen Ausschuss des Wissenschaftlich-humanitären Komitees (WhK) berufen. Am Institut für Sexualwissenschaft wurde er 1921 zum Leiter der „Abteilung für Innere Sekretion” ernannt. In dieser Position nahm er eine Schlüsselposition innerhalb des Instituts wie des WhK ein, und wenig später wurde er auch in das Kuratorium der „Dr.-Magnus-Hirschfeld-Stiftung” gewählt.

Gleichwohl verließ Arthur Weil Deutschland 1923, um fortan in den USA zu arbeiten. Er wurde zunächst in New York und später in Chicago auf Gebieten wie der Neuroanatomie, Endokrinologie und Immunologie tätig. Auch war er an der Herausgabe des Journal of Neuropathology & Experimental Neurology beteiligt. Er stand in Verbindung mit der sich formierenden amerikanischen Homosexuellenbewegung, hielt sich diesbezüglich aber im Hintergrund, und führte in seinen Publikationen die ursprünglich von Magnus Hirschfeld formulierten sexualwissenschaftlichen Ideen weiter fort. Seine eigene Mitarbeit am Institut für Sexualwissenschaft verschwieg Weil nach dem Zweiten Weltkrieg selbst in Hinblick auf die meisten seiner einst in Deutschland veröffentlichten Arbeiten.

Arthur Weil fühlte sich auch in den USA eng mit Europa verbunden, er soll stets Heimweh gehabt haben. Im September 1953 nahm er neben seinem Berufskollegen Hendrik Cornelius Rogge, den er noch aus den Zeiten des ersten WhK kannte, am dritten internationalen Kongress des ICSE (International Committee for Sexual Equality) in Amsterdam teil. Auf dem Frankfurter ICSE-Kongress des Vorjahres war es Weil, der den Vortrag des US-amerikanischen Soziologen „Donald Webster Cory“ alias Edward Sagarin vorlas. Auch 1955 nahm Arthur Weil am Pariser Kongress des ICSE teil, wohl aber nicht als Redner. In der Schweizer „Homophilenzeitschrift“ Der Kreis heißt es lediglich, Weil habe sich neben Coenraad van Emde Boas, Joseph Frederik Halkema Kohl und anderen an einer sogenannten „Panel-Diskussion“ beteiligt. Als das ICSE im Zuge des Pariser Kongresse in eine finanzielle Schieflage geriet, soll sich Weil auch bereit erklärt haben, einen Teil des Defizits durch eine einmalige Schenkung zu tragen.

1968, im Alter von 81 Jahren, kehrte Arthur Weil nach Deutschland zurück, um hier zu sterben. Er erlag am 9. Mai 1969 in München einem Herzleiden und einer Lungenentzündung.

Nachlass

Ein Teilnachlass von Arthur Weil wird von den ONE Archives at the University of Southern California in Los Angeles verwahrt.

Weiterführende Literatur

Anonym (1952): Le deuxième congrès, in: Periodical Newslette, [Nr. 8] (Oktober 1952), S. 22.

Engelschman, Niek (1955): Menschenrechte und Ursprung der Moral. Der 4. Kongress des I.C.S.E., in: Der Kreis (Jg. 23), Nr. 12, S. 20-21.

Herrn, Rainer (2009): Arthur Weil (1887–1969), in: Sigusch, Volkmar und Günter Grau (Hrsg.): Personenlexikon der Sexualforschung. Frankfurt/New York: Campus, S. 735-740.