Willkommen auf unserer Webseite!


Die Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft wurde 1982 in (West-) Berlin gegründet, um das wissenschaftliche und kulturelle Erbe des Sexualforschers Magnus Hirschfeld (1868–1935) und seines Instituts für Sexualwissenschaft (1919–1933) zu erforschen und zu bewahren. Unsere Bibliotheks- und Arbeitsräume befinden sich in der Kluckstraße 38 in Berlin-Tiergarten. Am einfachsten gelangt man tagsüber durch die Toreinfahrt Magdeburger Platz 1 zu uns (siehe Lageplan rechts).
Wir wünschen viel Vergnügen beim Stöbern in unserem Internetauftritt. Wenn Sie Fehler finden oder etwas vermissen, zögern Sie bitte nicht, uns eine E-Mail zu schicken!
Aktuelle Nachrichten und Veranstaltungshinweise:
In den Zelten – eine Straße in Berlin
Das von Magnus Hirschfeld gegründete und betriebene Institut für Sexualwissenschaft befand sich von 1919 bis 1933 unter der Anschrift „In den Zelten 10“ in einem Berliner Stadtviertel, das es heute nicht mehr gibt. Die Straße In den Zelten lag bis in die 1940er Jahre in der Mitte Berlins, das gesamte Viertel brannte nach einem Luftangriff vom 22. auf den 23. November 1943 aus, und die Ruinen seiner noblen Bebauung wurden nach dem Zweiten Weltkrieg abgetragen. Selbst das meiste urkundliche Material zu den Bauwerken des Viertels fiel im Krieg der Vernichtung anheim. Mit diesem Projektauftritt – einem kommentierten „Bilderbogen“ historischer Fotografien, Postkarten, Grafiken und Karten – wollen wir den Berliner Stadtbereich, in dem das Institut für Sexualwissenschaft einst stand, wieder erlebbar machen.
…mehrFlorian G. Mildenberger: Ende ohne Anfang
Als 1933 das „Dritte Reich“ anbrach, war es vorbei mit der progressiven Sexualwissenschaft in Deutschland. Die Schüler des Sexualforschers Magnus Hirschfeld (1868–1935) fanden sich wie auch ihr Lehrmeister im Exil wieder. Verstreut über die ganze Welt, gelang es ihnen nicht, an frühere Erfolge anzuknüpfen. Als der braune Terror 1945 endete, hatten sich die Diskursbedingungen völlig verändert. Es gab schlicht kein Zurück mehr in das Berlin der 1920er Jahre.
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Bruno Vogels „Alf“ (1977) in einer signierten Ausgabe
Bruno Vogels antimilitaristischer Jugendroman Alf (1929) ist ein Klassiker der homosexuellen Emanzipationsliteratur mit einer ganz besonderen Rezeptionsgeschichte. Bis heute ist der Roman in vier Auflagen erschienen, außerdem liegt er in englischer und slowenischer Übersetzung vor, und nach wie vor erfreut er sich großer Beliebtheit. Als Bruno Vogel 1977 selbst auf die Hochzeit seiner literarischen Karriere um 1929 zurückblickte, wurde er von Wehmut erfüllt. „Zeiten der Hoffnung waren das,“ schrieb er im Nachwort zur dritten Auflage von Alf und wagte einen besorgten Ausblick: „Braune Hemden, Röhm, schwarze Hemden, Konzentrationslager, rosa Winkel, den zweiten Weltkrieg, eine Unmenge kleinerer Kriege, Atombomben, Wasserstoffbombe, Neutronenbombe, wer weiß, wer kann ahnen, was für Greuel die Zukunft uns bringt[?]“
…mehrUpdate zum Gutachten
Das von uns beauftragte wissenschaftliche „Gutachten zu möglichen Verstrickungen der Magnus Hirschfeld-Gesellschaft mit pro-pädosexuellen Positionen und Akteuren in der Vergangenheit“ hat uns der Gutachter Sven Reiß in einer Entwurfsfassung Anfang Mai zukommen lassen.
Auf Wunsch des Gutachters haben wir eine Sichtung und Rückmeldung seitens unserer Forschungsstelle vereinbart. Dann wird durch Sven Reiß eine Finalfassung entstehen, zu der wir juristische Expertise im Hinblick auf die Vorgaben der Datenschutz-Grundverordnung und den Persönlichkeitsschutz der im Gutachten Genannten einholen und dem Gutachter ggf. Empfehlungen weitergeben.
Die Veröffentlichung des Gutachtens ist demzufolge im August 2026 zu erwarten. Bis dahin bitten wir um Geduld.
…mehrDrag Musical: Magnus Hirschfeld Superstar – ein queerer Pionier – ist tot
Berlin – 2. bis 30. Mai 2026, fünf Vorstellungen, jeweils 20:00 Uhr
Freunde und Weggefährten des berühmten Sexualwissenschaftlers finden sich zur Beerdigung ein und lassen sein Leben Revue passieren. Doch über sein Erbe lässt sich streiten – wollte er Homosexuelle heilen oder ihnen helfen? Ist das Wissenschaft, oder kann das weg?
…mehrNeue Masterarbeiten in unseren Beständen
Forschung ist ein ständiges Nehmen und Geben. Wir freuen uns, wenn immer wieder neue Generationen von Forschern und Forscherinnen unsere Bibliotheks- und Archivbestände nutzen, um interessanten Fragen zur Geschichte der Sexualreformbewegung und der verschiedenen Emanzipationsbewegungen nachzugehen. Meist werden wir dann auch mit den Abschlussarbeiten dieser Nutzer und Nutzerinnen unserer Materialien belohnt. In den letzten Wochen haben uns drei neue Masterarbeiten junger Wissenschaftlerinnen erreicht, die wir hier erwähnen möchten, da sie sich auf beeindruckende Weise mit den Lebenswegen und Gedankenwelten von zwei zentralen Frauen innerhalb der deutschsprachigen Sexualreformbewegung auseinandersetzen.
…mehrGenia Chef: (RE)THINKING TEMPTATIONS
Berlin – Freitag, den 17. April 2026, ab 18:00 Uhr
Heimgesucht von Dämonen irdischer Gelüste kämpft der heilige Antonius gegen die Versuchung – dieses bekannte Motiv ergründet Genia Chef in seiner posthistoristischen Malerei. Dem religiös aufgeladenen Bild stellt Chef eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Psychiater Richard von Krafft-Ebing gegenüber, dessen bekanntestes Werk, die Psychopathia sexualis von 1886, das Gerüst schuf, sexuell „abweichendes“ Verhalten zu pathologisieren. Zugleich legte es die Basis dafür, dass eine moderne Sexualwissenschaft entstehen konnte. Ein Pionier dieser Wissenschaft war Magnus Hirschfeld, dem der Künstler eine illustrative Bildserie über das Buch Das dritte Geschlecht gewidmet hat.
…mehrMagnus Hirschfeld: Bekanntheitsgrad 5.486
Seit ein paar Tagen gibt es im Internet eine neue Weltkarte, auf der nicht wie üblich die Namen von Orten, Ländern und Flüssen eingetragen sind, sondern die Namen der bekanntesten Personen aus einer Region. Magnus Hirschfeld ist nach dieser Karte der berühmteste Sohn der Stadt Kolberg (Kołobrzeg) und hat einen Bekanntheitsgrad von 5.486. Entworfen hat die Karte der Finne Topi Tjikanov.
…mehrRalf Dose ist aus der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft ausgetreten
Die Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft (MHG) teilt mit, dass ihr Mitgründer und langjähriger Geschäftsführer Ralf Dose aus der MHG ausgetreten ist.
Ralf Dose hat seine Entscheidung vor dem Hintergrund der anhaltenden Angriffe gegen seine Person und die MHG getroffen, die sich fortsetzten, auch nachdem er im Februar 2025 als Geschäftsführer zurückgetreten war.
Hintergrund des Austritts Ralf Doses ist seine zeitweise parallele Funktion als Geschäftsführer der MHG seit 1983 und der „arbeitsgemeinschaft humane sexualität e.V.“ (ahs), die – neben Aktivitäten zur sexuellen Emanzipation – nachweislich auch an pädo-aktivistischen Diskursen beteiligt war.
Die MHG hat zu dieser Problematik im April 2025 eine Stellungnahme veröffentlicht und im Oktober 2025 den auf diesem Gebiet ausgewiesenen Kulturwissenschaftler Sven Reiß mit einem Gutachten beauftragt. Es soll Ende April 2026 vorliegen.
…mehrBücherkisten für Paris
Am 11. März haben wir eine schon länger geplante Sendung von Büchern an das Centre d’Archives LGBTQIA+ Paris Île de France auf den Weg gebracht. Die Sendung umfasste zwölf Kisten mit einem Gesamtgewicht von über 200 kg. Bei den Büchern – unter ihnen Schriften von Magnus Hirschfeld und seinen Mitstreitern, Werke zur Sexualwissenschaft und zur Geschichte der (Homo)Sexualitäten sowie Literatur aus den Emanzipationsbewegungen – handelt es sich um Dubletten, die wir dem Centre gerne kostenfrei zur Verfügung gestellt haben. Wir verbinden mit der Schenkung die Hoffnung, dass in Paris ein kleiner Grundstock an deutschsprachigen Quellen aufgebaut wird, die in französischen Bibliotheken sonst kaum vertreten sind.
…mehrSonja Dolinsek und Annalisa Martin: Beruf Sexarbeit
Zuletzt bekannt unter dem Pseudonym „Marc of Frankfurt“, war Stefan Hülsmann (1962–2017) zwischen 2000 und 2015 Sexarbeiter und Aktivist in Frankfurt am Main. Die neue Quellenedition Beruf Sexarbeit beruht auf Hülsmanns Nachlass, den er vor seinem Tod der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft e.V. vermacht hat. Die beiden Autorinnen Sonja Dolinsek und Annalisa Martin analysieren Bilder, Berichte und Dokumente aus dieser einzigartigen Überlieferung. Beruf Sexarbeit erforscht Stefan Hülsmanns Erfahrungen als Sexarbeiter und Aktivist und bietet dabei eine neue Perspektive auf Entwicklungen in der deutschen Sexarbeitsszene nach der rechtlichen Liberalisierung 2001/02. Mit einem Beitrag von Hans Bergemann und Andreas Pretzel.
…mehr„The First Homosexuals“ in Basel
Basel, Schweiz – ab Freitag, den 6. März 2026, 18:30 Uhr
Das Kunstmuseum Basel ist die zweite Station der großen Ausstellung „The First Homosexuals“, die im letzten Frühjahr und Sommer in Chicago gezeigt wurde. Die Ausstellung beleuchtet den grundlegenden Wandel in der gesellschaftlichen Wahrnehmung gleichgeschlechtlicher Sexualität, der mit der Prägung des Begriffs „homosexuell“ im Jahr 1869 einherging, und wie schon in den USA ist die Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft auch in der Schweiz mit etlichen Exponaten prominent vertreten. Neben dem Reisepass Magnus Hirschfelds und der Büste, die Harald Isenstein von dem Sexualforscher angefertigt hat, zeigt die Ausstellung auch handschriftliche Aufzeichnungen von Karl Heinrich Ulrichs, die aus unserer Sammlung stammen.
…mehrNeuzugänge aus Köln
Seit einiger Zeit stehen wir in einem regen Austausch mit befreundeten Archiven und Bibliotheken im In- und Ausland, was den Umgang mit Dubletten in unserer Sammlung betrifft. Wir haben schon hunderte Kilos mit Büchern und Zeitschriften an Partnerorganisationen in Deutschland, Norwegen, den Niederlanden und Österreich verschickt. In Kürze stehen umfangreiche Transporte nach Frankreich und in die USA an, und auch eine Sendung nach Tschechien ist in Planung. Derweil erreichte uns eine kleine, aber feine Kiste mit Dubletten aus dem Centrum Schwule Geschichte (CSG) in Köln. Diesmal waren wir also die Beschenkten, und wir danken den Mitarbeitenden des CSG im Rheinland herzlich für die willkommene Bereicherung unserer Sammlung!
…mehrEnglish translations by Michael Lombardi-Nash
As we have already reported here, Michael Lombardi-Nash has become something of a US branch of the Magnus Hirschfeld Society. The American with Italian-Scottish roots has been translating from German into English for over four decades, ever since he spent a year abroad in Germany as a student in the mid-1970s. Together with his then partner and later husband Paul Nash (1934–2010), he established “Urania Manuscripts”, which to this day has published numerous translations of early German-language writings from the homosexual movement of over 100 years ago.
…mehrFranziska Mann an Martha Lorenz (1918)
Wenn ein Archiv wächst und gedeiht, beruht dies nicht nur auf der Arbeit, die in ihm geleistet wird, sondern auch auf der Unterstützung, die es von außen erfährt. Dank einer großzügigen Spende konnte die Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft vor kurzem erneut einen Brief der Schriftstellerin Franziska Mann (1859–1927), Magnus Hirschfelds älterer Schwester, antiquarisch erwerben. Es handelt sich um eine handschriftliche Mitteilung an Martha Lorenz vom 13. Oktober 1918, in der Franziska Mann ihre Bereitschaft zur weiteren Zusammenarbeit zum Ausdruck bringt. Über Martha Lorenz ist heute nur wenig bekannt. Sie wurde 1857 in Elbing (heute Elbląg, Polen) geboren, war ab 1891 mit dem Dramatiker, Spielleiter und Lektor Rudolf Lorenz (1866–1930) verheiratet und starb 1942 im Drewes-Stift in Göttingen. Um 1920 war sie im Vaterländischen Frauenverein Wilmersdorf und in der Künstlerfürsorge tätig. Außerdem hat sie 1911 ein Lese- und Bilderbuch unter dem Titel Für all die lieben Kinder herausgegeben. Damit verfolgte sie ähnliche emanzipatorische, wohltätige und erzieherische Zwecke wie Franziska Mann.
…mehrIngolf Wernicke: Hermann Hirschfeld (1825–1885). Badearzt und Publizist aus Pommern
Dr. Hermann Hirschfeld, jüdischer Arzt und Balneologe, stand bisher zu Unrecht im Schatten seines Sohnes, des berühmten Sexualtherapeuten Magnus Hirschfeld. Hermann Hirschfelds medizinisches Feld waren Bade- und Solekuren, mit denen er seine von weither angereisten Patienten nach einem modernen, ganzheitlichen Ansatz therapierte. Er leistete einen wesentlichen Beitrag zur Transformation der preußischen Festungsstadt Kolberg zu einem Norderney der Ostsee. Aus Dankbarkeit für Hirschfelds Wirken errichtete ihm die Stadt Kolberg nach seinem Tod ein Denkmal, das in der NS-Zeit zerstört wurde. Neben seiner Biografie wird hier auch Hirschfelds Darstellung der Bäder- und Soletherapien wiedergegeben. Ein Reiseprospekt Kolbergs aus dem Jahr 1910 beschließt das Buch.
…mehrMitteilungen 75/76 – November 2025
Die neueste Ausgabe der Mitteilungen der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft ist da, und das Warten hat sich, wie wir finden, gelohnt. Über ein Jahr ist vergangen, seit das vorige Heft unserer Zeitschrift erschienen ist. Dafür ist die aktuelle Ausgabe mit über 100 Seiten vergleichsweise dick. Der Inhalt gestaltet sich divers, in mehrfacher Hinsicht. Da gibt es eine Werkbibliografie zu Johanna Elberskirchen von Christiane Leidinger und Ingeborg Boxhammer, eine umfangreiche und umfassende biografische Skizze zu Li Shiu Tong (1907–1993), wie es sie bislang noch nicht gab, von Matthias Dahlke, und gleich drei Artikel von Florian G. Mildenberger: über das ungeklärte Schicksal einer frühen Trans*pionierin, das wissenschaftliche Wirken dreier Weggefährten Magnus Hirschfelds nach dessen Tod und den Begriff der „Ipsation“. Raimund Wolfert widmet sich schließlich einer Fotostrecke aus dem Umfeld der Internationalen Freundschaftsloge (IFLO) sowie Erwin Haarmann (1915–1972), einem zentralen Aktivisten der deutschen „Homophilenbewegung“ aus Lüdenscheid. Wir wünschen allen unseren Lesern und Leserinnen eine gute Lektüre!
…mehrFranziska Mann: Könige ohne Land
In den ersten Tagen des neuen Jahres hat unsere Sammlung zu Franziska Mann (1859–1927), der Schwester Magnus Hirschfelds, einen erfreulichen Zuwachs erhalten. Wir konnten antiquarisch eine Erstausgabe von Manns Debüt Könige ohne Land (1903) mit einer eigenhändigen Widmung der Autorin erwerben. Um das gut 100 Seiten zählende Büchlein hatten wir uns im letzten Jahr schon einmal bemüht, aber da war es im Antiquariat verstellt und nicht aufzufinden. Jetzt ist es wieder aufgetaucht und bereichert nunmehr unsere stetig wachsende Sammlung.
…mehrStolperstein für Dr. med. Rudolf Schild
Berlin – Mittwoch, den 29. Oktober 2025, 10:45 Uhr
Am 29. Oktober 2025 wird für den Arzt Dr. Rudolf Schild (1873–1936) in Berlin-Wilmersdorf ein Stolperstein verlegt, den die Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft schon vor etlichen Jahren beantragt hat. Rudolf Schild war jüdischer Herkunft und stammte gebürtig aus Frankfurt am Main. Als erwachsener Mann bezeichnete er sich jedoch als evangelisch. Nachdem er von Frankfurt nach Berlin umgezogen war, fungierte er auch als Obmann des Wissenschaftlich-humanitären Komitees (WhK).
In dieser Position hielt Schild 1921 einen Vortrag und veröffentlichte später einen Artikel, in dem er sich gegen die vermeintliche „Heilbarkeit der Homosexualität“ aussprach. Schild warnte seine Zeitgenossen davor, in der Ehe ein „Heilmittel gegen bestehende, gleichgeschlechtliche Komplexe“ zu sehen, und sein Beitrag wurde noch 1951 in der Hamburger „Homophilenzeitschrift“ Die Freunde auszugsweise nachgedruckt. Bis heute hat sich aber kein Bild Rudolf Schilds ermitteln lassen.
…mehrWieder in rechtmäßigen Händen
Provenienzforschung, also die Erforschung der Herkunft von Kulturgegenständen wie z.B. Gemälden oder Büchern, war schon immer ein zentraler Bestandteil der Arbeit der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft. Umso erfreulicher ist es, dass wir zur Abwechslung nun auch einmal die Möglichkeit hatten, selbst ein vom NS-Regime enteignetes Buch seinem rechtmäßigen Erben übergeben zu können.
Es war unser ehemaliger Mitarbeiter Dr. Jens Dobler, der ein Projekt ins Leben gerufen hatte, um sich der Provenienzforschung zu Büchern vor allem aus der Bibliothek des Frankfurter Instituts für Sexualwissenschaft (1973–2006) und der ehemaligen Privatbibliothek von Volkmar Sigusch zu widmen, welche im Herbst 2021 durch eine Schenkung (siehe hier) in den Besitz der MHG gelangt waren.
…mehrThe International Journal of Sexology
Von 1947 bis 1955 erschien im indischen Bombay (heute: Mumbai) eine wissenschaftliche Vierteljahreszeitschrift, die insbesondere in der deutschsprachigen Forschung zur Geschichte der Sexualitäten nach wie vor ein Schattendasein führt. Zwei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gelang es dem indischen Sexologen Alliyapan Padmanabhan Pillay, seine Zeitschrift Marriage Hygiene wiederzubeleben, die zunächst zwischen 1934 und 1937 erschienen war. Das neu aufgelegte Periodikum nannte er bald in The International Journal of Sexology um, und um es scharte er eine illustre Runde von Autoren und Autorinnen weltweit, unter ihnen Harry Benjamin, Ewald Bohm, Eustace Chesser, Anne-Marie Durand-Wever, Hans Giese und Norman Haire, um nur einige zu nennen.
…mehrDer fünfte Kongress des International Committee for Sexual Equality (ICSE)
Am Pfingstwochenende 1958 fand in Brüssel der fünfte Kongress des International Committee for Sexual Equality (ICSE) statt. Der belgische Verein „Centre de Culture et de Loisirs“ (CCL, dt. „Kultur- und Freizeitzentrum“) richtete die Veranstaltung in den eigenen Räumen in der 29, Rue Jules van Praet aus, und von Seiten ausländischer Gruppierungen waren Vertreter und Vertreterinnen des niederländischen „Cultuur- en Ontspannings Centrum“ (COC), der Bremer Internationalen Freundschaftsloge (IFLO), der Berliner Gesellschaft für Reform des Sexualrechts (GfRdS), der französischen Vereinigung „Le Verseau“ (dt. „Der Wassermann“), des norwegischen Verbands DNF-48 (Det Norske Forbundet av 1948) und der beiden US-amerikanischen Organisationen „Mattachine Society“ und „One“ anwesend. Für etliche Besucher war das Motto des Kongresses „World Vision on Homosexuality“ ein wenig hochgegriffen, andere verteidigten den Titel. Schließlich habe man sich gegen eine Weltausstellung behaupten müssen, die zeitgleich in Brüssel stattfand.
Im Brüsseler Versammlungssaal des CCL hatten etwa einhundert Personen Platz. Wohl auch deshalb wurde in der internen Berichterstattung angemerkt, „Symposium“ wäre wohl ein besseres Wort gewesen als „Kongress“. Nachdem sich das ICSE 1952 fast ausschließlich und seit 1956 überwiegend mit den Verhältnissen in Deutschland befasst habe, bedeute der Brüsseler Kongress des ICSE 1958 eine Wendung zum Internationalen hin, hielt „Floris van Mechelen“ (Henri Methorst), der Präsident der Vereinigung, in seiner Begrüßung an die Kongressteilnehmer fest. Die weitaus meisten von ihnen waren Männer: Etwa fünfzig kamen aus Belgien und etwa fünfzig aus dem Ausland. Frauen seien vor allem aus den nordischen Ländern angereist, heißt es in den Unterlagen. Namentlich ist von ihnen aber bislang keine bekannt.
…mehrRichard von Krafft-Ebing: Beiträge zur Erkennung ...
Auch wir sind jedes Mal aufs Neue überrascht und begeistert, wenn ein Buch aus der ehemaligen Sammlung des Instituts für Sexualwissenschaft im Antiquariatsbuchhandel auftaucht und wir es dann sogar erwerben können. So geschehen diesmal mit den „Beiträgen zur Erkennung und richtigen forensischen Beurtheilung krankhafter Gemüthszustände für Aerzte, Richter und Vertheidiger“ des bekannten Psychiaters und Neurologen Richard Fridolin Joseph Freiherr Krafft von Festenberg auf Frohnberg, genannt von Ebing, kurz auch Richard (Freiherr) von Krafft-Ebing (1840–1902).
…mehrRechercheplattform für queere Geschichte online
Die digitale Rechercheplattform für queere Geschichte ist online gegangen. QueerSearch führt zahlreiche Daten und Sammlungsobjekte aus unterschiedlichen Archiven, Bibliotheken und Sammlungen vornehmlich aus dem deutschsprachigen Raum zusammen und macht queere Geschichte sichtbar. Für Forschende, Interessierte und Kulturinstitutionen gibt es jetzt eine zentrale Anlaufstelle, um queeres Leben und seine vielfältigen Facetten in Vergangenheit und Gegenwart zu entdecken und zu erforschen.
…mehrOnline-Ausstellung zur fotografischen Sammlung des Instituts für Sexualwissenschaft
Die neue Ausstellung, die Hans Bergemann und Esra Paul Afken im Namen der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft erarbeitet haben, ist online gegangen. 1919 eröffnete Magnus Hirschfeld in Berlin das Institut für Sexualwissenschaft. Das Institut war weltweit eine einzigartige Institution, die sich mit sexuellen Fragen in ihrer ganzen Breite befasste. Neben wissenschaftlichen Forschungsabteilungen, einer Poliklinik für ärztliche Behandlungen bei Sexualleiden und Beratungsstellen für Sexualfragen beherbergte es umfangreiche Sammlungen von Büchern, Bildern, Fotos und Objekten zur Vielfalt menschlicher Sexualität.
…mehrDie Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft trauert um Dr. Jens Dobler
Berlin – Trauerfeier 1. November 2024, 11 Uhr
Jens Dobler studierte Erziehungswissenschaften, Psychologie und Neuere Geschichte. 2008 wurde er mit einer Arbeit zur Homosexuellenverfolgung durch die Berliner Polizei zwischen 1848 und 1933 an der Technischen Universität Berlin in Neuerer Geschichte promoviert. Von 2007 bis 2022 war er Vorstandsmitglied der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft, von 2010 bis 2015 Archiv- und Bibliotheksleiter des Schwulen Museums* in Berlin, und anschließend leitete er bis 2022 die Polizeihistorische Sammlung im Polizeipräsidium Berlin. Seit Oktober 2022 bearbeitete er für die Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft das Forschungsprojekt „Die Plünderung des Instituts für Sexualwissenschaft von Magnus Hirschfeld in der NS-Zeit“, das vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste gefördert wird.
…mehrUnsere Projektwebseite zu „Hlas“ (Die Stimme)
Unsere neue Projektwebseite ist freigeschaltet! In den letzten Monaten hat sich die Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft intensiv mit der historischen tschechoslowakischen LSBTIQ*-Zeitschrift „Hlas“ beschäftigt und präsentiert die Ergebnisse nun auf der Seite hlas-queermagazin.de. „Hlas“ war nach dem erzwungenen Ende aller deutschen Zeitschriften, die sich um die Belange homosexueller Männer und Frauen sowie von bisexuellen und trans* Personen bemühten, ab 1933 neben dem Schweizer „Freundschaftsbanner“ (später „Der Kreis“) weltweit die einzige Zeitschrift für Angehörige sexueller Minderheiten.
…mehrFrauen um Magnus Hirschfeld
Wer waren die Frauen, die Magnus Hirschfeld nahestanden und die ihn prägten? Mit welchen Frauen arbeitete er zusammen, und auf welche bezog er sich in seinen Schriften wie in seinen Vorträgen? Das sind nur drei Fragen, denen sich die Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft auf einer neuen Übersichtsseite ihres Internetauftritts widmet, zumindest ansatzweise. Denn in aller Kürze lassen sich diese Fragen kaum beantworten.
Zu dem angefügten Foto etwa können wir mit Sicherheit nur sagen, dass die zwei Frauen links neben Hirschfeld seine Schwestern Recha Tobias und Jenny Hauck sind. Zudem lässt sich die Liste der Fragen fortsetzen: Mit welchen Frauen kam Magnus Hirschfeld nicht überein und warum? Und was hielten eigentlich Frauen von Hirschfeld und seinen Ausführungen – zu seinen Lebzeiten wie nach seinem Tod? Im Guten wie im Schlechten.
…mehrDigitalisiert: Paul Krisches Tagebücher
Aus dem Nachlass von Paul Krische (1878–1956) und Maria Krische (1880–1945), Sexualreformer*innen aus dem Umfeld Magnus Hirschfelds und des Instituts für Sexualwissenschaft, besitzt die Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft zahlreiche Tage-, Jahres- und Erinnerungsbücher sowie andere Unterlagen, die wir 2013 posthum von Susanne Andrukowicz, einer Enkelin des Ehepaars Krische erhalten haben. Die von Paul Krische handschriftlich geführten Tagebücher umfassen die Jahre 1930 bis 1940, die Sammelalben stammen aus den Jahren 1915 bis 1953. Zusätzlich gehören Unterlagen zur Familiengeschichte und vier Kästen mit Fotografien zu dem Konvolut.
…mehrObleute des WhK – Gesamtverzeichnis
Im Wissenschaftlich-humanitären Komitee (WhK) gab es ab 1904 Bestrebungen, eine Art kollektives Führungsgremium zu bilden. Es erhielt zunächst die Bezeichnung „Obmännerkommission“ und bestand aus sieben Personen. Später wuchs die Zahl auf siebzig Mitglieder. Das Obmännerkollegium wählte den Vorstand des WhK, und gemäß den Statuten der Organisation sollten in ihm möglichst viele Bevölkerungs- und Berufsgruppen vertreten sein. Auf der nachfolgenden Namensliste finden sich dementsprechend nicht nur Ärzte und Rechtsanwälte, sondern auch Schriftsteller, Industrielle, Kaufleute, Ingenieure, Mechaniker und andere. Grundsätzlich währte die Obmannschaft im WhK fünf Jahre. Nach Ablauf dieser Zeit konnte sich jedes Mitglied der Wiederwahl stellen, und wer das Amt zehn Jahre bekleidet hatte, konnte zum Obmann auf Lebenszeit ernannt werden.
…mehrMonatsberichte des WhK 1902–1908
Die Monatsberichte des Wissenschaftlich-humanitären Komitees (Charlottenburg–Berlin) sind eine reichhaltige Quelle zur Frühgeschichte der homosexuellen Emanzipationsbewegung nicht nur im deutschsprachigen Raum. Die einzelnen Monatsberichte sind jedoch bislang nur schwer zugänglich gewesen, in kaum einer öffentlichen oder wissenschaftlichen Bibliothek dürften sie vollständig erhalten sein. Auch weisen sie kein Inhalts-, Namens- oder Ortsverzeichnis auf. Die gezielte Recherche in den Ausgaben war deshalb von jeher aufwendig. Aus diesem Grund hat sich die Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft entschieden, das gebundene Exemplar der Monatsberichte 1904–1908, das wir in unserer Sammlung haben, zu digitalisieren und interessierten Leser_innen und Forscher_innen zur Verfügung zu stellen.
…mehrVeranstaltungen und Einladungen
Auf dieser Seite finden Sie Veranstaltungen und Einladungen im Namen der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft. Veranstaltungen anderer Organisationen finden Sie im Menü unter „Veranstaltungen und Publikationen, auf die wir gern aufmerksam machen möchten”.
Veranstaltungen und Publikationen, auf die wir gern aufmerksam machen möchten
Hier finden Sie eine Reihe ausgewählter Hinweise auf interessante Veranstaltungen und Publikationen, die jedoch ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit oder Objektivität der Auswahl ist:
…mehrNetzwerk
Auf dieser Unterseite finden sich Hinweise auf Archive und Sammlungen, in denen sich Unterlagen zu Magnus Hirschfeld, dem Institut für Sexualwissenschaft und seinem Umfeld sowie zur Geschichte der Sexualwissenschaft und benachbarter Themen befinden. Hier haben wir ebenfalls eine Übersicht über Initiativen, Institutionenm Gruppierungen und Publikationen eingestellt, mit denen wir gerne zusammenarbeiten bzw. die wir gerne konsultieren.
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