Rudolf Schild, Dr. med., Arzt
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Nachdem Schild einige Jahre als niedergelassener Arzt in Frankfurt praktiziert hatte, zog er um 1910 nach Berlin. Ab etwa 1916 und bis zu seinem Tod wohnte und praktizierte er in der Nachodstraße 11 (Wilmersdorf). Er bekannte sich nicht mehr zum Judentum, sondern bezeichnete sich als evangelisch. Rudolf Schild blieb zeit seines Lebens unverheiratet. Als homosexueller Mann war er seit 1920 Obmann des Wissenschaftlich-humanitären Komitees (WhK).
Unbekannt ist bislang, unter welcher Anschuldigung Schild um den Jahreswechsel 1935/36 in „Schutzhaft“ genommen wurde. Auslöser für seine Inhaftierung war möglicherweise ein Verfahren wegen homosexueller Betätigung, das gegen ihn schwebte.
Am Abend des 25. Januar 1936 wurde Rudolf Schild tot in seiner Zelle im KZ Columbia-Haus aufgefunden. Der zuständige Standortarzt stellte als Todesursache zunächst Herzschwäche im Coma diabeticum fest. Eine anschließend durchgeführte Obduktion ergab allerdings, dass Schild infolge einer Zyankalivergiftung verstorben war. Vermutlich hatte er als Arzt Zugang zu dem Mittel gehabt und trug es bereits bei seiner Festnahme unbemerkt bei sich.
Schriften (Auswahl)
Schild, Rudolf (1928): Ueber die Heilbarkeit der Homosexualität [Artikel in zwei Teilen]. In: Die Freundschaft (Jg. 10), Nr. 11, S. 281-284 und Nr. 12, S. 301-304. [Auszugsweise nachgedruckt als Schild, Rudolf (1951): Über die „Heilbarkeit” der Homosexualität. In: Die Freunde. Monatsschrift für ideale Freundschaft (Jg. 1), Nr. 2, S. 25-26.]
Gedenken
Auf die Initiative der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft hin wurde am 29. Oktober 2025 in der Berliner Nachodstraße 11 ein Stolperstein für Rudolf Schild verlegt. Unter dieser Adresse hat Schild die letzten zwanzig Jahre seines Lebens gewohnt und als Arzt praktiziert. In seiner Ansprache bei der Verlegung ging Raimund Wolfert auf den Lebensweg Schilds, sein homopolitisches Engagement, seine Haftzeit im Konzentrationslager Columbia-Haus und die Umstände seines Todes ein. Dem Aufruf der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft zur Teilnahme an der Zeremonie waren etwa zwanzig Menschen gefolgt.
Zu Rudolf Schild gibt es einen Eintrag auf der Website RosaWinkelGedenkbuch.
Weiterführende Literatur
Georg, Karoline (2021): Jüdische Häftlinge im Gestapogefängnis und Konzentrationslager Columbia-Haus 1933–1936 (Geschichte der Konzentrationslager 1933–1945, Bd. 17). Berlin: Metropol-Verlag, S. 122-123.
Wolfert, Raimund (2021): Schild, Rudolf, in: Frankfurter Personenlexikon (online).
Biografischer Eintrag auf der Seite Spurensuche. Ein Projekt der Sektion Frankfurt am Main des Deutschen Alpenvereins (online).
