Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft e.V. Forschungsstelle zur Geschichte der Sexualwissenschaft

Mathilde Lange, Schriftstellerin

geb. um 1860 (Kunow, heute Chojnowo, Polen) gest. 5.3.1924 (Berlin)

Zur Biografie

Über Mathilde Lange liegen heute nur wenige Angaben vor. Sie wurde als Mathilde Ida Luise von Lüderitz um 1860 in Kunow (heute: Chojnowo, Polen) im preußischen Kreis Crossen östlich von Guben geboren. Vermutlich ab Anfang der 1880er Jahre war sie mit dem Architekten Otto Hugo Lange (1842–1907) verheiratet, mit dem sie in Berlin lebte. Sie wurde Mutter von vier Kindern, von denen jedoch zwei schon sehr früh starben. Einer ihrer Söhne war der Breslauer und später Berliner Spielleiter und Theaterschriftsteller Oskar Ernst Ludolf Lange (1890–1935). Wie eng sich ihre Beziehungen zum Wissenschaftlich-humanitären Komitee (WhK) Magnus Hirschfelds gestalteten, ist nicht bekannt. Möglicherweise waren ihre Kontakte durch ihren Sohn motiviert, der homosexuell war und später mit seiner Frau Frieda eine Scheinehe führte.

Als der spätere russisch-mexikanische Soziologe Siegfried Joseph Askinasy (1880–1939) am 18. Februar 1907 im Altstädter Hof, dem Versammlungslokal des WhK, über „Das Problem der Geschlechter. Umriss einer Philosophie des Sexuellen“ sprach, wurde der Abend durch Gedichtvorträge von „Fräulein“ S. Birk und Mathilde Lange ausgefüllt. Askinasy war um jene Zeit Student der Philosophie an der Universität in Leipzig. Über S. Birk liegen keine weiteren Angaben vor, der Bezeichnung „Fräulein“ zufolge war sie ledig.

Mathilde Lange hatte 1882 einen Gedichtband mit dem Titel „Immergrün“ veröffentlicht. Dieses Buch befand sich auch in der frühen WhK-Bibliothek, es wurde im Katalog 1906 unter der Notation „Lange, Tilde: Immergrün (Gedichte)“ geführt. Heute scheint von diesem Buch jedoch kein Exemplar mehr erhalten zu sein. Mathilde Lange wohnte die letzten Jahre ihres Lebens unter der Anschrift Hagelberger Straße 6 in Berlin-Kreuzberg. Sie starb im Alter von 64 Jahren am 5. März 1924 im Diakonissen-Krankenhaus Bethanien (ebenfalls Kreuzberg).

Ihr Sohn Oskar Lange-Lüderitz gründete nach 1920 das Kindertheater „Märchenbühne Lange-Lüderitz“ und leitete es fortan bis zu seinem Tod. Seine Frau Frieda Lange-Lüderitz (geb. Kaplaneck, 1892–?) führte die Bühne von 1935 bis mindestens 1957 weiter.

Weiterführende Literatur

Anonym [1906]: Katalog der Bibliothek des Wissenschaftlich-Humanitären Komités. Charlottenburg: Fänger & Heimann [Drucker], S. 13.

Deutsches Bühnen-Jahrbuch 1958 (Jg. 66). Herausgegeben von der Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger. Hamburg: Bühnenschriften-Vertriebs GmbH, S. 159.

Hergemöller, Bernd-Ulrich (2010): Lange-Lüderitz, Oscar, in ders. (Hrsg.): Mann für Mann. Biographisches Lexikon zur Geschichte von Freundesliebe und mannmännlicher Sexualität im deutschen Sprachraum (Bd. 1: A–Ras). Berlin/Münster: Lit-Verlag, S. 722.

Monatsbericht des Wissenschaftlich-humanitären Komitees, 1.3.1907 (Jg. 6, Nr. 3), S. 43.

Pataky, Sophie (2014): Lexikon deutscher Frauen der Feder. Vollständiger Neusatz beider Bände in einem Buch. Vollst. Neuausgabe, hrgg. von Karl-Maria Guth [ursprüngl. 1898]. Berlin: Hofenberg, S. 344 (im Original online hier).