Magnus Hirschfeld: Bekanntheitsgrad 5.486


Seit ein paar Tagen gibt es im Internet eine neue Weltkarte, auf der nicht wie üblich die Namen von Orten, Ländern und Flüssen eingetragen sind, sondern die Namen der bekanntesten Personen aus einer Region. Magnus Hirschfeld ist nach dieser Karte der berühmteste Sohn der Stadt Kolberg (Kołobrzeg) und hat einen Bekanntheitsgrad von 5.486. Entworfen hat die Karte der Finne Topi Tjikanov.
Die Daten der Karte stammen aus einer Datenbank von nature.com, die mit Angaben von Wikipedia und Wikidata abgeglichen wurde. Der numerische Bekanntheitsgrad setzt sich unter anderem aus der Länge des biografischen Eintrags und der Zahl, wie oft die Seite der betreffenden Person auf Wikipedia und Wikidata abgerufen wurde, zusammen. Berücksichtigt wurden Personen aus dem Zeitraum von 3500 vor unserer Zeitrechnung bis zum Jahr 2018.
Natürlich sind die Bekanntheitsgrade zu hinterfragen, weil sie wohl verschiedenen und in Teilen auch schnelllebigen Diskursen unterliegen. So ist nach der aktuellen Karte Barack Obama der bekannteste Mensch der Welt, gefolgt von Donald Trump, Leonardo da Vinci, Adolf Hitler, Albert Einstein und Michael Jackson. Der Religionsstifter Mohammed folgt auf Platz 152, Jesus auf Platz 204 und Gautama Buddha auf Platz 1.074. Die nächsten Nachbarn Magnus Hirschfelds aus dem Raum Kolberg sind Otto Müller (Bekanntheitsgrad 1.976.263), August Maager (Bekanntheitsgrad 1.720.453) und Gerhard Wunsch (Bekanntheitsgrad 1.038.889).
Hier wird es dann ein wenig knifflig. Denn laut Wikipedia gibt es ganze fünfzig mehr oder weniger bekannte Männer, die Otto Müller hießen. Gemeint ist der deutsche SPD-Politiker Otto Müller (1893–1955). Aber schon der Rittergutsbesitzer und Angehörige des Deutschen Reichstags August Maager (1845–1909) und der Elektrotechniker Gerhard Wunsch (1924–2020) lassen sich eindeutig zuordnen.
Dass auf der Karte vor allem männliche Namen verzeichnet, dürfte in einer patriarchalen Welt, in der Männer politisch, wirtschaftlich und kulturell Macht über Frauen ausüben, kaum jemanden überraschen und ist ein beredter Ausdruck davon, wie ungleichmäßig gesellschaftliche Teilhabe organisiert ist, wie selektiv wir öffentlich Wertschätzung zeigen und wie männlich geprägt unsere Welt und unser aller Blick ist.
