Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft e.V. Forschungsstelle zur Geschichte der Sexualwissenschaft

Rom Landau, Schriftsteller

geb. 17.10.1899 (Łódź, Polen) gest. 2.3.1974 (Marrakesch, Marokko)

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Rom Landau. Foto Howard Coster, 1959.
Romauld bzw. Rom[an Zbigniew] Landau wurde am 17. Oktober 1899 in eine deutsch-polnische jüdische Familie in Łódź geboren. Seine Eltern waren der Architekt (Augustus) Gustaw Landau-Gutenteger (1862–1924) und dessen Frau Magdalena Małgorzata (Maria) geb. Oderfeld (1872–?). Rom Landau hatte zwei Brüder, Adam Jerzy und Włodzimierz Wacław, die 1942 bzw. 1944 im Konzentrationslager Auschwitz ermordet wurden. Der Vater starb 1924 in Berlin. Zum Sterbedatum der Mutter gibt es bislang widersprüchliche Angaben.

Rom Landau studierte zunächst Philosophie, Kunst und Religion an verschiedenen Universitäten in Europa, vor allem in Deutschland. Seine frühen Jahre verbrachte er auf Reisen und als Bildhauer. 1922 wurde er in Berlin Schüler von Georg Kolbe (1877–1947), der zu seiner Zeit als der führende Bildhauer Deutschlands galt. Zwei Jahre später besuchte Landau zum ersten Mal Marokko, wo er sich intensiv mit der islamischen Kultur auseinandersetzte. Er lernte Arabisch und besuchte mehrere weltliche und religiöse Führer des Nahen Ostens.

Als Autor veröffentlichte Landau zunächst mehrere Bücher zur Kunstgeschichte, zu Persönlichkeiten der polnischen Geschichte und zur vergleichenden Religionswissenschaft. Am bekanntesten wurde sein Bestseller God is My Adventure aus dem Jahr 1935, in dem er von seinen zahlreichen Kontakten mit führenden und herausragenden Persönlichkeiten seiner Zeit berichtete. Magnus Hirschfeld und andere aus dem näheren Umfeld des Instituts für Sexualwissenschaft gehörten nicht dazu. Belegt ist aber, dass Landau Mitte der 1920er Jahre mit dem Berliner Rechtsanwalt Fritz Flato (1895–1949), dem juristischen Berater des Wissenschaftlich-humanitären Komitees (WhK), in Kontakt stand. Flato trug sich – wie sein ebenfalls homosexueller Anwaltskollege Kurt Gudell (1898–1964) – am 14. April 1926 in Landaus Autographenbuch ein.

Nachdem er britischer Staatsbürger geworden war, diente Rom Landau im Zweiten Weltkrieg als Freiwilliger in der Royal Air Force und wurde später Mitarbeiter des britischen Geheimdienstes. Nach 1945 kehrte er nach Marokko zurück und beschäftigte sich in seinem Werk vornehmlich mit Fragen zur marokkanischen Kultur und Geschichte.

Wegen seines Engagements im marokkanischen Unabhängigkeitskampf wurde ihm schließlich von den französischen Behörden die Wiedereinreise nach Marokko verboten. Erst 1956 konnte er das Land wieder bereisen. Zwischenzeitig lebte er in San Francisco, wo er an der American Academy of Asian Studies angestellt war, und 1956 wurde er Professor für Islamwissenschaften an der University of the Pacific in Stockton (USA).

Auf dem 1951er Kongress des International Committee for Sexual Equality (ICSE) in Amsterdam hielt Rom Landau einen Vortrag über „ethische und religiöse Aspekte der Homosexualität“. Nach seiner Pensionierung 1968 ließ er sich in Marrakesch (Marokko) nieder, wo er bis zu seinem Tod am 2. März 1974 lebte.

Nachlass

Der Nachlass von Rom Landau liegt in drei Teilen vor, und zwar als „Rom Landau Papers“ (1927–1979) im Special Collections Research Center der Universitätsbibliothek in Syracuse (USA), als „Rom Landau Collection“ (1899–1979) in der University of California in Santa Barbara (USA) und als „Rom Landau Middle East Collection“ (1920–1970) in der University of the Pacific Library in Stockton (USA).

Schriften (Auswahl)

Landau, Rom (1945): The Wing – Confessions of an R. A. F. Officer. London: Faber & Faber.

Landau, Rom (1946): Sex, Life and Faith. A Modern Philosophy of Sex. London: Faber & Faber.

Landau, Rom (1951): Ethische en godsdienstige aspecten der homosexualiteit. [Het referaat van Rom Landau op het Internationaal Congres voor Sexuele Rechtsgelijkheid], in: Vriendschap. Maandblad voor de leden van het Cultuur- en Ontspannings Centrum (Jg. 5), Nr. 7, S. 3-5 und (Jg. 5), Nr. 8, S. 2-4, vgl. das englischsprachige Redemanuskript hier.

Weiterführende Quellen

Pretzel, Andreas. Hrsg. (2002): NS-Opfer unter Vorbehalt. Homosexuelle Männer in Berlin nach 1945 (Berliner Schriften zur Sexualwissenschaft und Sexualpolitik, 3). Münster, Hamburg, London: Lit, S. 86-89 und weitere [zu Kurt Gudell].

Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen. Hrsg. (2015): Persönlichkeiten in Berlin 1825–2006. Erinnerungen an Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche Menschen. Berlin: Selbstverlag.

Tamaschke, Elisa (2024): „Viele Wege führen zu Ihnen, Rom Landau.“ Eine Wiederentdeckung aus dem Nachlass Georg Kolbes – Eröffnungsvortrag der Forschungs- und Vortragsreihe „Von den Rändern. Wiederentdeckte Leben aus Archiven“ im Berliner Georg Kolbe Museum, Videomitschnitt auf: youtube (52 Minuten, 7 Sekunden).