In den Zelten 9


Das Haus In den Zelten 9 wurde in den Jahren 1880/81 von dem Zimmermeister Ernst Müller aus der Ackerstraße 48 errichtet. Um 1929 wohnte unter anderem der Bankdirektor Fritz Heinrichsdorff (1874–1939) mit seiner Frau Annie geb. Mendelssohn (1883–1972) in dem Haus. Heinrichsdorff, dessen Familie aus dem Raum Kolberg (heute Kołobrzeg) stammte, war 1910 zum Prokuristen der Berliner Zentrale der Disconto-Gesellschaft ernannt worden, um zehn Jahre später zum Direktor der Gesellschaft befördert zu werden. Im Zuge der Fusion mit der Deutschen Bank 1929 wurde er zu einem der 13 Vorstandsmitglieder der neuen Deutschen Bank und der Disconto-Gesellschaft. Doch bereits 1932 ließ er sich in den vorzeitigen Ruhestand versetzen. Fritz Heinrichsdorff und seine Frau Annie, eine individualpsychologische Ärztin, wohnten bis 1933 In den Zelten 9. Ihre beiden Söhne besuchten die Schulfarm Insel Scharfenberg. Im nationalsozialistischen Deutschland wurde die Familie nach ihrer Übersiedlung nach Charlottenburg von staatlichen Verfolgungsmaßnahmen nicht verschont, so mussten auch sie eine „Judenvermögensabgabe“ entrichten.
Fritz Heinrichsdorff starb im Mai 1939. Seine Frau flüchtete in der Folge in die USA und ließ sich in New Jersey nieder, wo sie 1972 im Alter von 88 Jahren verstarb. Auch der zweite Sohn des Ehepaares flüchtete in die USA, wo er die Shoah überlebte. Sein älterer Bruder starb 1963 in Haifa (Israel).
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Weiterführende Literatur
Bruder-Bezzel, Almuth. Hrsg. (2014): Individualpsychologie in Berlin. Eine historische Spurensuche. Gießen: Psychosozial-Verlag.
Historisches Institut der Deutschen Bank, Eintrag zu Fritz Heinrichsdorff (ohne Jahr), zuletzt eingesehen 1. Mai 2026.
Schwarz, Bernhard J.: Zinnfiguren – Bleifiguren. Firmengeschichte von Gerhard Söhlke bzw. G. Söhlke Nachfahren (ohne Jahr), zuletzt eingesehen 1. Mai 2026.
