Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft e.V. Forschungsstelle zur Geschichte der Sexualwissenschaft

In den Zelten 9

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In den Zelten 9, um 1935. © Landesarchiv Berlin, F Rep. 290 (01) Nr. 0152480 / Fotograf: Walter Köster.

Das Haus In den Zelten 9 wurde in den Jahren 1880/81 von dem Zimmermeister Ernst Müller aus der Ackerstraße 48 errichtet. Um 1929 wohnte unter anderem der Bankdirektor Fritz Heinrichsdorff (1874–1939) mit seiner Frau Annie geb. Mendelssohn (1883–1972) in dem Haus. Heinrichsdorff, dessen Familie aus dem Raum Kolberg (heute Kołobrzeg) stammte, war 1910 zum Prokuristen der Berliner Zentrale der Disconto-Gesellschaft ernannt worden, um zehn Jahre später zum Direktor der Gesellschaft befördert zu werden. Im Zuge der Fusion mit der Deutschen Bank 1929 wurde er zu einem der 13 Vorstandsmitglieder der neuen Deutschen Bank und der Disconto-Gesellschaft. Doch bereits 1932 ließ er sich in den vorzeitigen Ruhestand versetzen. Fritz Heinrichsdorff und seine Frau Annie, eine individualpsychologische Ärztin, wohnten bis 1933 In den Zelten 9. Ihre beiden Söhne besuchten die Schulfarm Insel Scharfenberg. Im nationalsozialistischen Deutschland wurde die Familie nach ihrer Übersiedlung nach Charlottenburg von staatlichen Verfolgungsmaßnahmen nicht verschont, so mussten auch sie eine „Judenvermögensabgabe“ entrichten.

Fritz Heinrichsdorff starb im Mai 1939. Seine Frau flüchtete in der Folge in die USA und ließ sich in New Jersey nieder, wo sie 1972 im Alter von 88 Jahren verstarb. Auch der zweite Sohn des Ehepaares flüchtete in die USA, wo er die Shoah überlebte. Sein älterer Bruder starb 1963 in Haifa (Israel).

Spielwaren Söhlke

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Anzeige der Firma Söhlke in der Norddeutschen Allgemeinen Zeitung vom 16. November 1910.
Ein anderer Bewohner des Hauses um 1930 war der Jurist Dr. Ernst Söhlke (1860–1947), der 1903 zum Regierungsrat ernannt worden war und wenig später Inhaber der elterlichen Spielwarenfabrik wurde. In ihr wurden unter anderem Zinn- und Bleifiguren sowie Weihnachtsschmuck angefertigt. Vermutlich während des Ersten Weltkriegs setzte sich Ernst Söhlke zur Ruhe, indem er die Firma, die sich über etliche Jahrzehnte in Familienbesitz befunden hatte, veräußerte. Sie wurde 1916 zwischenzeitig in „Spielwarenhaus Jungdeutschland R. Fischer“ umbenannt, hieß aber spätestens ab 1919 wieder „Spielwarenhaus Söhlke GmbH“. Sitz des Unternehmens war die Markgrafenstraße 58 (Berlin-Mitte), bevor es 1914 in die benachbarte Markgrafenstraße 49 wechselte. Ernst Söhlke selbst zog 1933 von „den Zelten“ in die Westfälische Str. 34 (Charlottenburg) um.


Weiterführende Literatur

Bruder-Bezzel, Almuth. Hrsg. (2014): Individualpsychologie in Berlin. Eine historische Spurensuche. Gießen: Psychosozial-Verlag.

Historisches Institut der Deutschen Bank, Eintrag zu Fritz Heinrichsdorff (ohne Jahr), zuletzt eingesehen 1. Mai 2026.

Schwarz, Bernhard J.: Zinnfiguren – Bleifiguren. Firmengeschichte von Gerhard Söhlke bzw. G. Söhlke Nachfahren (ohne Jahr), zuletzt eingesehen 1. Mai 2026.