In den Zelten 5


Um 1903 kam zu den vier „Zelten“ ein weiteres Lokal, das „Zelt 5“ hinzu, obwohl es sich gar nicht um ein Zelt handelte – und es auch nie eins gewesen war. Es wurde auch „Neues Zelt“ genannt. Die erste Inhaberin des Lokals, eine Witwe namens Pauly, führte in ihrem Garten Frühkonzerte ein, die sich großer Beliebtheit erfreuten. Anfang des 20. Jahrhunderts spielten hier meist kleinere Kapellen von bis zu sechs Musikanten, anschließend ging der Leiter durch die Reihen der Zuhörer und kassierte den für seine Zeit obligatorischen Groschen.
Um 1910 überließ die neue Eigentümerin Anna Piper das Erdgeschoss des „Neuen Zelts“ dem Konditor Rudolf Aweyde aus dem Nachbarhaus, damit er seinen Betrieb erweitern konnte. Dessen „Zelten-Conditorei“ erstreckte sich fortan über zwei benachbarte Gebäude. Nachdem das Haus Nr. 5a um ein fünftes Geschoss aufgestockt worden war, verkaufte Aweyde es an den Zentralverband der deutschen Bäckerinnung „Germania“, der es mittels eines Durchbruchs mit dem ebenfalls erworbenen Haus Nr. 6 verband.
Das „Zelten-Café“


Der „Restaurateur“ Rudolf Aweyde, der ab etwa 1902 eine Konditorei in dem Büro- und Geschäftshauskomplex Rosenstraße 18, dem „Kaufhaus Stettin“, in Berlin-Mitte führte, eröffnete um 1903 seine „Zelten-Conditorei“ im Haus Nr. 5. Als Gastwirtschaft war das „Zelt 5“ bzw. das „Zelten-Café“ über Jahrzehnte eine Institution. Noch während des Zweiten Weltkriegs, als die Nachbarschaft schon weitgehend in Schutt und Asche lag, stellte der Gastwirt Gottfried Illig für seinen Betrieb In den Zelten 5 einen Antrag auf Ausschank in seinem Vorgarten. Der Antrag wurde befristet bis zum 31. Oktober 1944 bewilligt.
Weiterführende Literatur
Bräutigam, Helmut (1987): Geschichtslandschaft Berlin. Orte und Ereignisse: Tiergarten (Bd. 2). Berlin: Nicolai.
Schmiedecke, Ralf (2011): Berlin-Tiergarten (Reihe Archivbilder). Erfurt: Sutton Verlag, S. 22.
