Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft e.V. Forschungsstelle zur Geschichte der Sexualwissenschaft

In den Zelten 4

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Andrang vor „Zelt 4“, unbek. Fotograf. Aus: Königswald, 1938.

Die erste Bebauung der Zelten begann um 1820. Anfang des 19. Jahrhunderts etablierte sich mit den Gaststätten in den Nummern 1 bis 4 eine ständige Wohnsiedlung in der Straße, die dadurch anerkannt wurde, dass diese am 1. Dezember 1832 den Namen „In den Zelten“ erhielt. Das „Zelt 4“ war zeitweise auch als „Webersches Lokal“ bekannt. Bis etwa 1912 wurde es von dem Inhaber Otto Krause betrieben, um 1914 öffnete hier die Löwenbrauerei ihren Ausschank, und noch später (um 1929) firmierte das Lokal auch als „Restaurant Pilsator“.

Zu den Festveranstaltungen des WhK

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In den Zelten 4, um 1935. © Landesarchiv Berlin, F Rep. 290 (01) Nr. 0152475 / Fotograf: Walter Köster.
Das Wissenschaftlich-humanitäre Komitee (WhK) war 1897 gegründet worden, um eine kritische Öffentlichkeit für die Streichung des § 175 RStGB zu mobilisieren. Der Paragraf belegte seinerzeit mannmännliche Sexualkontakte mit Strafe. Regelmäßige Veranstaltungen des WhK in Form von Vorträgen und musikalischen Darbietungen in Berlin, an denen auch Angereiste aus anderen Orten in Deutschland und dem europäischen Ausland teilnahmen, ermöglichten den Mitgliedern ein gewisses Maß an sozialem Leben untereinander. Als zentrales Versammlungslokal des frühen WhK diente das Hotel-Restaurant Zum Altstädter Hof gegenüber der Marienkirche in Berlin-Mitte (damals Alt-Berlin), das um 1886 als jüdisch-orthodoxes Hotel gegründet und erbaut worden war. Nach 1919 war das Komitee eng mit Hirschfelds Institut für Sexualwissenschaft verbunden und verlagerte nun auch seine sozialen Veranstaltungen in die „Zelte“. So fanden spätestens ab 1920 mehrere Versammlungen des WhK in den Sälen der Gaststätte „In den Zelten 4“ (unterer bzw. oberer Saal) statt, größere Ball-Veranstaltungen gab es später „In den Zelten 2“. Im „Kronprinzenzelt“ („In den Zelten 1“) wurde die Festtafel zum 25-jährigen Jubiläum des WhK abgehalten.


Weiterführende Literatur

[Anonym] (1922): W.-h. Komitee-Mitteilungen (Nr. 10), in: Die Freundschaft (Jg. 4), Nr. 3, [S. 6].

Königswald, Harald von (1938): Das verwandelte Antlitz. Berlin: Kommodore Verlag, S. 81-120.

Wolfert, Raimund (2023): Der Altstädter Hof, ein jüdisch-orthodoxes Hotel als Versammlungslokal des frühen Wissenschaftlich-humanitären Komitees (WhK). In: Mitteilungen der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft (Nr. 71/72), S. 13-26.