Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft e.V. Forschungsstelle zur Geschichte der Sexualwissenschaft

In den Zelten 21a

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Palaisartiges Wohnhaus, In den Zelten 21a. Fotograf: Hermann Rückwardt, 1889. © MHG, Berlin.

Das Haus In den Zelten 21a wurde von dem Architekten Gustav Hochgürtel erbaut, von dem auch das ehemalige „Warenhaus Rudolph Hertzog“ auf der Spreeinsel (Brüderstraße 26), einst das größte Warenhaus Berlins, und die Bötzow-Brauerei in Prenzlauer Berg (Prenzlauer Allee 242) stammen. In dem Haus wohnten unter anderem der Pressechef des preußischen Staatsministeriums Hans Goslar (1889–1945) und seine Frau Ruth Judith geb. Klee (1901–1942) mit ihrer kleinen Tochter Hannah Elisabeth (1928–2022).

1935 emigrierte die Familie Goslar, die jüdischen Glaubens war, nach England, wo der Vater allerdings keine Arbeit fand. Deshalb entschieden sich die Eltern, in die Niederlande zu gehen, um von dort nach Palästina überzusiedeln. Dazu kam es dann allerdings nicht mehr. In Amsterdam betrieben die Goslars eine Beratungsstelle für finanzschwache jüdische Flüchtlinge und freundeten sich unter anderem mit der Familie von Anne Frank (1929–1945) an. Insbesondere Hannah Elisabeth Goslar wurde später als die beste Freundin der etwa gleichaltrigen Anne Frank bekannt.

Stolpersteine für Ruth Judith und Hans Goslar

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Stolpersteine Hans und Ruth Judith Goslar. © Anne-Frank-Zentrum, Berlin.
In der Großen Querallee / Ecke Paul-Löbe-Allee, dem ehemaligen Standort des Hauses In den Zelten 21a, erinnern heute zwei Stolpersteine an Ruth Judith und Hans Goslar. Ruth Judith Goslar starb im Oktober 1942 bei der Geburt ihres dritten Kindes, das auch nicht überlebte, in Amsterdam; ihr Mann Hans wurde im Februar 1945 im KZ Bergen-Belsen ermordet. Die Tochter Hannah Elisabeth Goslar, die zusammen mit ihrem Vater und ihrer jüngeren Schwester ebenfalls ins KZ Bergen-Belsen verschleppt worden war, emigrierte 1947 nach Israel, wo sie heiratete und eine Ausbildung zur Kinderkrankenschwester absolvierte. Bis ins hohe Alter kam sie jedes Jahr nach Deutschland und in die Niederlande zurück, um darüber zu berichten, was ihr widerfahren war. Ihrer Freundin Anne Frank war sie ein letztes Mal im KZ Bergen-Belsen begegnet. „Sie war ein gebrochenes Mädchen“, sagte sie später einmal. „Das war nicht mehr die Anne, die ich kannte.“ Hannah Pick-Goslar starb 2022 in Jerusalem.


Weiterführende Literatur

Gold, Alison Leslie (2008): Erinnerungen an Anne Frank. Mit einem Nachwort von Hannah Pick-Goslar. Ravensburg: Ravensburger Buchverlag.

Hans, Barbara (2007): „Anne Franks ewige beste Freundin“, auf Spiegel Online, 4. August 2007, zuletzt eingesehen am 2. Mai 2026.