Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft e.V. Forschungsstelle zur Geschichte der Sexualwissenschaft

In den Zelten 20

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In den Zelten 20, um 1935. Fotograf: Walter Köster. © MHG, Berlin.

Unter dem Titel Entarteite „Kunst“ erschien ab 1937 im Berliner Verlag für Kultur- und Wirtschaftswerbung der gedruckte Führer zur gleichnamigen Ausstellung der Reichspropagandaleitung der NSDAP. Sie wurde am 19. Juli 1937 in München eröffnet, machte bis 1941 dann aber auch in anderen größeren Städten des damaligen Deutschen Reiches Station. Den Ausstellungsführer gibt es heute in drei Fassungen, die in Text und Bild jeweils leicht voneinander abweichen. Die dritte Fassung (1941) gibt im Impressum für den Verlag die Adresse „In den Zelten 20“ an.

„Entartete Kunst“

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„Großer Kopf“ von Otto Freundlich auf dem Titelblatt des Ausstellungsführers 1937. © Gemeinfrei.

Als „entartete Kunst“ betrachteten die Nationalsozialisten alle Kunstwerke und kulturellen Strömungen, die nicht ihrem Schönheitsideal und ihrer Kunstauffassung entsprachen. Sie galt ihnen als „Verfallskunst“, die sie von der sogenannten „Deutschen Kunst“ abgrenzten. Insbesondere kommunistische und jüdische Künstler belegten sie mit Berufs- und Malverboten, und ihre Kunstwerke entfernten sie aus Museen und öffentlichen Sammlungen. Später zwangen sie Vertreter „entarteter Kunst“ zur Emigration oder ermordeten sie.

Nach der Bücherverbrennung im Mai 1933 richteten die Nationalsozialisten ihre Blicke verstärkt auf die sogenannte „entartete Kunst“. Der Versuch, die Moderne und ihre Protagonisten zu vernichten, betraf alle Sparten der Kultur wie Malerei, Grafik, Skulptur, Film, Theater, Architektur und Musik. 1936 wurde in Deutschland ein totales Verbot jeglicher Kunst der Moderne verhängt. Die große Propagandaausstellung „Entartete Kunst“ fand vom Juli bis November 1937 in München statt. 1941 folgte ihr eine Wanderausstellung unter demselben Titel, die in zwölf verschiedenen Städten Deutschlands gezeigt wurde.

Ein besonderes Element rund um die Münchner Ausstellung stellte die Broschüre Entartete „Kunst“ dar, die zwar nur bedingt auf die Ausstellung Bezug nahm, aber die nationalsozialistische Auffassung davon, was unter „entarteter Kunst“ zu verstehen sei, präsentierte.


Weiterführende Literatur

Deutsches Historisches Museum, Berlin: Die Ausstellung „Entartete Kunst“, zuletzt eingesehen am 2. Mai 2026.

Nachdruck des Ausstellungsführers von 1937 online auf Lost Generation Art, Das Virtuelle Museum in Karlsruhe, zuletzt eingesehen am 2. Mai 2026.

Schuster, Peter-Klaus (1987): Nationalsozialismus und „Entartete Kunst“. Die Kunststadt München 1937. München: Prestel-Verlag.