In den Zelten 18–20


Die letzten fünf, sechs Jahre, bevor Magnus Hirschfeld in die „Villa Joachim“ In den Zelten 10 / Ecke Beethovenstraße 3 zog, wohnte und praktizierte er als Spezialarzt unter der Adresse In den Zelten 19. Von etwa 1910 bis 1912 hatte er unweit von hier, im Haus Nr. 16, gewohnt und gearbeitet. In den Zelten 19 unterhielt Hirschfeld eine luxuriöse Mietwohnung, die er aufgab, um mit seinem Lebenspartner Karl Giese (1898–1938) eine Wohnung in der „Villa Joachim“ zu beziehen. Giese und Hirschfeld hatten sich um 1918 kennengelernt. Die beiden sollten bis zu ihrem Tod loyal zueinander stehen, wobei sich aus dem anfänglichen Liebesverhältnis bald auch eine produktive Arbeitsgemeinschaft entwickelte.
In der näheren Nachbarschaft
Ob Magnus Hirschfeld Anfang des Zwanzigsten Jahrhunderts auch mit dem Theaterkritiker und Regisseur Otto Brahm (1856–1912) bekannt war, ist nicht belegt. Brahm, der vermutlich ebenfalls homosexuell war, wohnte bis zu seinem Tod In den Zelten 14. Zu seinen Lebzeiten verkehrte er im literarischen Salon von Carl und Felicie Bernstein im Haus In den Zelten 23. Im Wohnhaus Otto Brahms befand sich um die vorletzte Jahrhundertwende auch die Chinesische Gesandtschaft.
Weiterführende Literatur
Bilski, Emily D., Viktoria Krieger, Chana Schütz und Evelyn Wöldicke. Hrsg. (2025): Berlin Cosmopolite. Die versunkene Welt von Felicie und Carl Bernstein (Katalog zur gleichnamigen Ausstellung in der Liebermann-Villa am Wannsee, 24. Mai – 8. September 2025). München: Hirmer.
Herzer, Manfred (2017): Magnus Hirschfeld und seine Zeit. Berlin: De Gruyter Oldenbourg.
Schnitzler, Arthur (2021): Tagebuch 1879–1931, digitale Ausgabe. Herausgegeben von Austrian Centre for Digital Humanities (ACDH) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Wien: Eintrag vom 11. Dezember 1925, zuletzt eingesehen am 20. April 2026.
Wolfert, Raimund und Hans Soetaert [2016]: Karl Giese, auf: stolpersteine-berlin.de, zuletzt eingesehen am 30. April 2026.
