In den Zelten 11 / Beethovenstraße 4


Das Haus In den Zelten 11 direkt gegenüber von der Villa Joseph Joachims, in dem sich später das Institut für Sexualwissenschaft befand, nahm die gesamte Ostseite der 1868 neu angelegten Beethovenstraße ein. Hier wohnte von 1873 bis 1878 die Pianistin und Komponistin Clara Schumann (1819–1896), die von 1840 bis zu dessen Tod 1856 mit Robert Schumann verheiratet war. Sie begann ihre eigene Karriere früh und trug später maßgeblich zum Ruhm ihres Ehemannes bei. Da er wegen einer Behinderung der rechten Hand nicht selbst als Pianist auftreten konnte, interpretierte sie viele seiner Werke und machte ihn in ganz Europa bekannt. In ihrer Wohnung und in der benachbarten Villa Joachim gab Clara Schumann auch private Soireen.
Max Liebermann und andere Bewohner des Hauses




Zur Zeit des Instituts für Sexualwissenschaft wohnte unter anderem der Rechtsanwalt und Notar Dr. Erich Seelmann-Eggebert (1874–1937), der Mitbegründer der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP), In den Zelten 11. Er wurde 1921 als Abgeordneter in den Preußischen Landtag gewählt und gehörte diesem ohne Unterbrechung bis 1928 an. Weitere prominente Bewohner des Hauses Anfang der 1930er Jahren waren Georg Graf von Wesdehlen (1869–1938) und Lotte von Mendelssohn-Bartholdy (1877–1946), die 1930 geheiratet hatten. Inbesondere Lotte von Mendelssohn-Bartholdy verh. Wesdehlen war eine zu ihren Zeiten bekannte Autorin und Kunstsammlerin, die nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten ins Schweizer Exil ging. Eigentümer des Hauses war der Fabrikant Gustav Cyliax (1866–1939), der eine große Schokoladenfabrik in der Kastanienallee (Prenzlauer Berg) betrieb. Vermutlich war sein Sohn, der Kaufmann Walter Cyliax, um 1932/33 Inhaber des Ladenlokals, das sich im Kellergeschoss das Hauses befand. Drei Jahre später wurde der Kolonialwarenladen von Reinhold Schulenburg betrieben.
Vis-à-vis vom Institut für Sexualwissenschaft




Aus einem der Fenster im Erdgeschoss des Hauses „In den Zelten 11“ – der Wohnung, in der einst Max und Martha Liebermann gewohnt hatten – muss am 5. Mai 1933 auch das Foto aufgenommen worden sein, auf dem die Studenten zu sehen sind, die sich zur bevorstehenden Plünderung des Instituts für Sexualwissenschaft aufgestellt hatten. Das Foto wurde offensichtlich nicht gemacht, um es der Presse zur Veröffentlichung zu geben, sondern heimlich – und vermutlich aus geduckter Position. Darauf deutet schon der Bildausschnitt hin. Die Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft hat das Foto zusammen mit zwei ähnlichen Motiven von einem Sohn der Fotografin in den 1990er Jahren geschenkt bekommen. Weitere Hintergründe zu den Umständen, wie es zu den Aufnahmen kam, sind nicht bekannt.
Weiterführende Literatur
Bergemann, Hans, Ralf Dose und Mariat Keilson-Lauritz. Hrsg. (2019): Magnus Hirschfelds Exil-Gästebuch. Unter Mitarbeit von Kevin Dubout. Leipzig, Berlin: Hentrich & Hentrich.
Elias, Julius (1918): Max Liebermann zu Hause. Berlin: Cassirer, S. 42.
Pabsch, Matthias (2015): Liebermanns Räume. Architektur, Interieur und Ambiente, in: andererseits – Yearbook of Transatlantic German Studies (Jg. 4), S. 67-86, zuletzt eingesehen 29. April 2026.
Scheer, Regina (2006): Wir sind die Liebermanns. Die Geschichte einer Familie. Berlin: Propyläen Verlag.
