In den Zelten 1


Da der Tiergarten unter einer Art Landschaftsschutz stand, war es Gewerbetreibenden bis Mitte des 18. Jahrhunderts verboten, hier feste Gastwirtschaften zu errichten. Die beiden Hugenotten Messieurs Thomassin und Dortu waren die ersten, die eine Erlaubnis auf Errichtung von Sommerwirtschaften in Form von Zelten beantragten und genehmigt erhielten.
Nach und nach durften die „Traiteure“ (Speisewirte) feste Hütten anstelle ihrer Zelte errichten und auch in den Wintermonaten betreiben. So entstanden wetterfeste Unterkünfte, aus denen sich bis 1870 anspruchsvolle Großgaststätten entwickelten, die von bekannten Brauereien betrieben wurden. Für viele Berliner und Berlinerinnen gehörten „die Zelten“ und insbesondere Weißbier untrennbar zusammen.
Anklänge an die Spätrenaissance und den Barock


Inhaber des „Kronprinzenzelts“ war um 1900 der „Restaurateur“ Oskar Wolf. Nach ihm wurde das Lokal von Franz Diesner betrieben, und ab etwa 1916 war es auch unter der Bezeichnung „Bötzow Zelt“ bekannt, da es nunmehr zur Berliner Bötzow-Brauerei gehörte, die 1864 von Julius und Franz Bötzow an der Alten Schönhauser Straße (Prenzlauer Berg) gegründet worden war. Inhaber des „Bötzow Zelts“ war um 1925 Jahre Richard Weise, der mit der „ersten und einzigsten internationalen Vaudeville Schau in den Zelten“ warb. Über ihn wie über die beiden erstgenannten Wirte des „Kronprinzenzelts“ liegen heute keine weiteren Angaben vor.
Nach 1919 benutzte auch das Wissenschaftlich-humanitäre Komitee (WhK) gelegentlich die Lokalität. So wurde am Sonntag, den 14. Mai 1922 im oberen Saal des „Kronprinzenzelts“ die Festtafel zum 25-jährigen Jubiläum des WhK abgehalten.
Weiterführende Literatur
[Anonym] (1922): W.-h. Komitee-Mitteilungen (Nr. 23), in: Die Freundschaft, Jg. 4, Nr. 16, [S. 5].
[Anonym] (1922): 25jähriges Jubiläum des W.-h. Komitees, in: Die Freundschaft, Jg. 4, Nr. 20, [S. 6].
[Anonym] (1939): 75 Jahre Julius Bötzow Brauerei, Berlin 1864–1939. Berlin: Hoppenstedt.
Berckenhagen, Ekhart (1974): Hans Grisebach, Architekt der Gründerjahre. Seine Zeichnungen in der Kunstbibliothek Berlin. Berlin: Kunstbibliothek der staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz.
Hirschfeld, Magnus. Hrsg. (1922): Festschrift zum 25jährigen Bestehen des Wissenschaftlich-humanitären Komitees am 15. Mai 1922 [= Jahrbuch für sexuelle Zwischenstufen, Jg. 22, Heft 3 und 4], erschienen im Mai 1922, 76 Seiten.
Komrei, Claudia (2020): Hans Grisebach. Ein Architekt und sein Werk. Salenstein: niggli.
