Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft e.V. Forschungsstelle zur Geschichte der Sexualwissenschaft

Die Krolloper

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Platz der Republik mit Staatsoper (Krolloper). Historische Postkarte, ungelaufen. © I.W.B. Lichtdruck Extra, Nr. 119.

Nachdem der preußische König Friedrich Wilhelm IV. in Breslau den Kroll’schen Wintergarten kennengelernt hatte, wollte er in Berlin einen neuen Ort vornehmer Geselligkeit errichten lassen. In der Folge überließ er dem Unternehmer Joseph Kroll (1797–1848) ein Baugrundstück knapp außerhalb der Stadtgrenze. Nach weniger als einem Jahr Bauzeit wurde die schlossartige Anlage, die Platz für 5.000 Gäste bot, Anfang 1844 eröffnet. Sie wurde zunächst als volkstümliche Vergnügungsstätte geführt. Ein Opernhaus wurde sie erst achtzig Jahre später, als sie nach etlichen Umbauten vorübergehend zur zweiten Spielstätte der Berliner Staatsoper Unter den Linden wurde. Unter ihrem Direktor und Dirigenten Otto Klemperer (1885–1973) erlebte die Krolloper ab 1927 ihre glanzvollste Zeit, doch wurde sie bereits 1931 aus finanziellen Gründen wieder geschlossen. In Zeiten anhaltender Wirtschaftskrisen konnte sich Berlin drei Opernhäuser nicht leisten.

Die Krolloper nach 1933

Nach der Reichstagswahl vom 5. März 1933, in der die NSDAP 43,9 Prozent aller Stimmen errang, musste das Parlament innerhalb von 30 Tagen zusammentreten. Die Weimarer Verfassung sah dies so vor. Da der Plenarsaal des Reichstagsgebäudes wegen des Brandes vom 28. Februar 1933 nicht nutzbar war, fiel die Wahl auf die Krolloper als Tagungsstätte. In der Folge kam es zu notwendigen Umbauarbeiten, wobei die Sitze für die Abgeordneten der SPD und KPD entfielen. Deutschland war auf dem Weg in die Einparteien-Diktatur, und Adolf Hitler nutzte in den folgenden Jahren die wenigen Reichstagssitzungen, die in dem Gebäude stattfanden, um seine Pläne, die in den Zweiten Weltkrieg mündeten, zu legitimieren. Ende 1943 wurde die Krolloper bei Angriffen der britischen Royal Air Force stark beschädigt, die „Schlacht um Berlin“ in den letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges führte zu weiteren Zerstörungen. Bereits im Sommer 1945 gab es erste Unternehmungen, um den Kroll-Garten für Konzert- und Tanzveranstaltungen wieder nutzbar zu machen. Ab 1951 wurden Teile des verbliebenen Hauptgebäudes gesprengt, und 1957 wurden sämtliche Gebäudereste „abgeräumt“.

Der Königsplatz

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Berlin, Königsplatz. Aus der Sammlung „Zeppelin-Weltfahrten“, ohne Jahr.
Der Platz zwischen der Krolloper und dem Reichstagsgebäude entstand um 1730 als Exerzierplatz für preußische Soldaten. Er wurde erst um 1860 als Stadtplatz gestaltet und erhielt Ende 1864 den Namen „Königsplatz“. Heute heißt er „Platz der Republik“. An der Westseite des historischen Platzes stand seit den 1840er Jahren das Kroll’sche Etablissement, und im Norden schloss sich das Generalstabsgebäude mit dem benachbarten Alsenviertel an. Das Reichstagsgebäude wurde erst in den Jahren von 1884 bis 1894 errichtet. Auf dem Königsplatz standen einst zahlreiche Denkmäler und auch die Siegessäule, die im Zuge der geplanten Umgestaltung Berlins zur „Welthauptstadt Germania“ ab 1938 an ihren heutigen Platz auf dem Großen Stern versetzt wurde. Die Säule, auf der die „Siegesgöttin Viktoria“ steht, wurde dabei um mehrere Meter erhöht.


Weiterführende Literatur

Berliner Unterwelten e.V. (2007): „Krolls Etablissement“ vor dem Brandenburger Tor / Geschichtszeugnis Kroll-Oper (zwei Informationstafeln).

Haider, Edgard (2006): Verlorene Pracht. Geschichten von zerstörten Gebäuden. Hildesheim: Gerstenberg.

Huettchen, Bruno (1938): Krolls Etablissement: eine unterhaltsame berlinische Studie. Berlin: Berthold.

Wieke, Thomas (1993): Vom Etablissement zur Oper. Die Geschichte der Kroll-Oper. Berlin: Haude & Spener.