Humanitas – Monatszeitschrift für Menschlichkeit und Kultur


Die Zeitschrift Humanitas (Untertitel: Monatszeitschrift für Menschlichkeit und Kultur) erschien von Juli 1953 bis Februar 1955 mit insgesamt zwanzig Ausgaben im Namen der Gesellschaft für Menschenrechte (GfM) in Bremen bzw. Hamburg. Sie wies unter den in den 1950er Jahren erscheinenden deutschsprachigen Periodika für Homosexuelle das höchste intellektuelle Niveau auf und informierte überwiegend soziologisch, medizinisch-juristisch und philosophisch über Fragen der Homosexualität, enthielt aber auch Artikel, die sich allenfalls indirekt mit Aspekten der sexuellen Orientierung beschäftigten, so zu den Themen Toleranz, Menschenrechte, Strafe und Mitmenschlichkeit. Im Zentrum der kritischen Auseinandersetzung stand der § 175 StGB, der in der Bundesrepublik Deutschland männliche Homosexualität mit Strafe belegte.
Der Name „Humanitas“ für die Zeitschrift ging auf den Darmstädter Aktivisten und Psychiatriekritiker Ernst Ludwig Driess (1903–1969) zurück. Als verantwortliche Redakteure fungierten zunächst Friedrich Rickel (1914–2008) und „J. Baumgärtel“ (vermutlich ein Pseudonym von Hans Hurrelmann, 1910–1995). Die zwei stellten ihr Forum gleich mit der ersten Ausgabe in die Tradition Magnus Hirschfelds. Kurz zuvor, am 14. Mail 1953, hatten sie in der „Loge Bremen“ auch eine Gedenkstunde für Hirschfeld abgehalten. In ihrem Editorial „zitierten“ sie Hirschfeld jedoch etwas eigenwillig, denn wo dieser geschrieben hatte „Durch Wissenschaft zur Gerechtigkeit“ („Per scientiam ad justitiam“), verkürzten Rickel und seine Mitstreiter den Wahlspruch zu „Durch Wissenschaft zum Recht“. Sie setzten so ein philosophisches und ethisches Ziel undifferenziert mit einem Soll-Zustand geltender Gesetze und Vorschriften gleich.
Die Zeitschrift Humanitas war anfangs das Sprachrohr der Bremer Gesellschaft für Menschenrechte bzw. der ihr angegliederten Internationalen Freundschaftsloge (IFLO). Offenbar ging man dabei zunächst eine Zusammenarbeit mit dem Hamburger Verleger Rolf Putziger (1926–1977) (Die Insel/Der Weg) ein. Aber bereits im Oktober 1953 wurde der Alleinvertrieb von Humanitas durch den Hamburger Verlag von Christian Hansen Schmidt (1909–1962) übernommen, wodurch man in Konflikt mit Putziger geriet. Herausgeber und Redakteure von Humanitas wurden jetzt Christian Hansen Schmidt und Erwin Haarmann (1915–1972).
Im Zuge der Übernahme durch den Verlag von Christian Hansen Schmidt steigerte sich der Seitenumfang der Zeitschrift von monatlich 8 auf bis zu 36 Seiten. Verkannt werden darf aber nicht, dass Humanitas oft Beiträge brachte, die nicht originär für die Zeitschrift geschrieben worden waren, sondern aus anderen Organen der deutschsprachigen Presse stammten – ob sie mit oder ohne Einverständnis der jeweiligen Autoren wiederverwendet wurden, kann hier nicht entschieden werden. Zudem wurden viele Texte nicht einmal als Nachdrucke kenntlich gemacht. Erst in den letzten beiden Ausgaben der Zeitschrift kamen einige wenige Illustrationen zum Tragen. Auf historische Texte der homosexuellen Emanzipationsbewegung rekurrierte Humanitas kaum. Neben dem oben erwähnten Verweis auf Magnus Hirschfeld kamen lediglich ein kurzer Text von Heinrich Hössli (1784–1864) und einer von Albert Moll (1862–1939) zum Abdruck, wobei letzterer nur wenig zuvor unter anderen Titeln bereits in den Zeitschriften Der Kreis und Der Weg (zu Freundschaft und Toleranz) erschienen war. Auffallend ist auch, dass beispielsweise der Name Kurt Hillers (1885–1972) auf der Liste der Autoren von Humanitas fehlt.
Im Oktober 1953 startete Christian Hansen Schmidt neben Humanitas das „Schwesterprojekt“ Hellas, eine bebilderte Zeitschrift, die sich vornehmlich der Unterhaltung widmete und auf Fragen der Homoerotik in Kultur und Geschichte einging. Für Humanitas war zunächst eine Beilage für Inserate unter dem Titel „Der Brieffreund“ geplant, die dann aber von Hellas übernommen wurde.
Eine Zeitschrift für „Homophile“ in widrigen Zeiten






Einige der früheren Mitarbeiter von Humanitas veröffentlichten ab 1955 weiter in den verbliebenen Foren der deutschsprachigen „Homophilenbewegung“, der Zeitschrift Der Weg (zu Freundschaft und Toleranz) und dem Schweizer Kreis, die beide bis Ende der 1960er Jahre erschienen. Die meisten jedoch verstummten angesichts des Totalverbots der männlichen Homosexualität in Form des übermächtigen § 175 StGB in Deutschland, und es ist nach wie vor schwierig, ihre Spuren aufzunehmen.
Ergänzungen und Hinweise auf Missverständliches und Fehlerhaftes willkommen
Dieser Projektauftritt zu Humanitas möchte die namentlich bekannten Mitarbeiter der Zeitschrift so weit wie möglich in Text und Bild in das öffentliche Bewusstsein bringen, ihre Verdienste würdigen und zeitgleich zu einer kritischen Auseinandersetzung mit ihren Positionen und Argumenten anregen. Angelegt ist das Projekt als ein ausbaufähiges „work in progress“, bei dem jeder und jede dazu beitragen kann, nach wie vor bestehende Wissenslücken zu füllen.
Die hier eingebundene alphabetische Übersicht präsentiert alle Beiträge sämtlicher Ausgaben von Humanitas, während die folgende Namensliste mit Kurzbiografien die vielen „klassischen“ Autoren von zum Abdruck gekommenen Sinnsprüchen wie Johann Wolfgang von Goethe, Martin Luther, Friedrich Nietzsche und Arthur Schopenhauer weitgehend außen vor lässt. In die Übersicht aufgenommen wurden mithin auch Autoren, deren Beiträge Nachdrucke aus zeitgenössischen Publikationen waren – und diese wurden nach Möglichkeit als solche kenntlich gemacht. Die Projektseite zu Humanitas soll fortlaufend aktualisiert werden. Die angebotenen Listen mit Veröffentlichungen der einzelnen Autoren erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Ergänzungen und Hinweise auf Fehlerhaftes sind jederzeit willkommen!
Autoren und andere Mitarbeiter von Humanitas
Anders, Achim (Schriftsteller, Journalist) geb. 3.9.1903 (Dresden) gest. 17.7.1971 (West-Berlin)
Zur Biografie
Hinter dem Pseudonym „Achim Anders“ verbarg sich der Schriftsteller und Journalist Max Rudolf („Rolf“) Hartmann. Über seinen Lebensweg haben sich bislang nur wenige Angaben ermitteln lassen. Hartmann wuchs als Sohn eines Schlossers in Dresden-Löbtau auf und debütierte offenbar 1926 mit einer Sammlung von Gedichten unter dem Titel „Gesänge der Liebe“ [nicht nachgewiesen].
Bis Anfang der 1950er Jahre schrieb „Achim Anders“ mehrere Schauspiele, und 1955 veröffentlichte er auch einen Beitrag in der Zeitung Der Morgen, hier allerdings unter seinem Klarnamen. In Humanitas publizierte er drei biografische Essays, in denen er sich jedoch nicht mit Fragen der sexuellen oder geschlechtlichen Identität auseinandersetzte, sondern sich aus Anlass von „runden“ Geburts- und Todestagen den Schriftstellern Joseph Roth, Carl von Ossietzky und Romain Rolland widmete.
Max Rudolf Hartmann starb am 17. Juli 1971 in Berlin-Charlottenburg.
Veröffentlichungen
Anders, Achim (1954): Der rastlose Wanderer. Zum 60. Geburtstag von Joseph Roth (†), in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 9 (September), S. 272-273.
Anders, Achim (1954): Plädoyer für die Menschenrechte. Zum 65. Geburtstag von Carl von Ossietzky, in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 10 (Oktober), S. 299-302.
Anders, Achim (1954): Anwalt der Völkerliebe. Zum 10. Todestag von Romain Rolland, in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 12 (Dezember), S. 357-358.
Hartmann, Rolf (1955): Der Kamp um soziale Gerechtigkeit. Zum 55. Geburtstag von Julius Hay, in: Der Morgen vom 5.5.1955 [laut Börsenblatt des deutschen Buchhandels 1955 (Jg. 122), Nr. 20, S. 368].
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Argo, Jack (d.i. Werres, Johannes)
Siehe Werres, Johannes.
mehr …Bäumer, Werner (d.i. Hartmann, Hagen)
Siehe Hartmann, Hagen.
mehr …Baumgärtel, J. (d.i. vermutlich Hurrelmann, Hans)
Bei dem Namen „J. Baumgärtel“ handelt es sich allem Anschein nach um ein Pseudonym. „Baumgärtel“ fungierte in den ersten Monaten ihres Bestehens neben Friedrich Rickel (1914–2008) als „zweiter“ Redakteur der Zeitschrift Humanitas. Da nach Aussagen von Herbert Schmidt (1927–2014), der Anfang der 1950er Jahre aktives Mitglied der IFLO war, jedoch Rickel innerhalb der Organisation „vorgeschoben“ wurde, Hans Hurrelmann (1910–1995) aber die eigentliche treibende Kraft der IFLO war, ist es naheliegend anzunehmen, dass sich hinter „J. Baumgärtel“ eben Hans Hurrelmann verbarg.
Mit eigenen, namentlich gezeichneten Artikeln in Humanitas trat „J. Baumgärtel“ nicht in Erscheinung.
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Beer, Gerhard bzw. Gerd W. (Publizist; später Dr. med., Arzt) geb. 9.1.1935 (Cham, Oberpfalz) gest. vor 4.11.1980 (Hamburg)
Zur Biografie
Bislang haben sich nur wenige Angaben zur Identität und zum Lebensweg von Gerhard bzw. Gerd W. Beer ermitteln lassen. 1954 veröffentlichte Beer nicht nur einen antimilitaristischen Beitrag in Humanitas, sondern auch eine Erzählung in dem „Schwesterprojekt“ Hellas, und er schrieb um diese Zeit – zum Teil unter seinem Klarnamen, zum Teil unter dem Pseudonym „Tedd Ursus“ – auch für die Monatsschrift freond, die redaktionell von Charles Grieger (1903–1972) betreut wurde. Beer dürfte damit in den 1950er Jahren einer der jüngsten Autoren der deutschsprachigen „Homophilenbewegung“ gewesen sein. In den 1970er Jahren erschienen regelmäßig Artikel von ihm in der „Schwulenzeitschrift“ him-applaus, wobei er sich nach wie vor in vielen Fällen seines Pseudonyms „Tedd Ursus“ bediente.
Gerhard [Anton] Beer wurde am 9. Januar 1935 als Sohn eines Reichsbahnbeamten und dessen Ehefrau in Cham (Oberpfalz) geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Ried im Innkreis immatrikulierte er sich an der Universität in Wien für das Studienfach Medizin, wechselte jedoch schon im folgenden Semester von der Medizinischen zur Philosophischen Faktultät. Ab 1957 studierte er Medizin an der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen-Nürnberg und legte hier 1963 das Staatsexamen ab. Seine medizinische Dissertation legte er 1965 unter dem Titel „Elektrophoretisches Verhalten und thermische Stabilität menschlicher Serum- und Organtransaminasen“ an der Universität in Erlangen-Nürnberg vor. Anschließend absolvierte er seine Zeit als Medizinalassistent an der Universitätsklinik in Erlangen und arbeitete anderthalb Jahre am Kreiskrankenhaus in Cham, bis er Anfang 1965 an die chirugisch-gynäkologische Abteilung des Krankenhauses Furth wechselte.
Beer hatte offenbar bereits seit den späten 1940er Jahren Beziehungen nach Stadthagen westlich von Hannover, wo er später einen eigenen Verlag betrieb. Nach Angaben von Bernd-Ulrich Hergemöller (1950–2023) wurde Gerhard Beer am 4. September 1980 in Hamburg beigesetzt.
Veröffentlichungen (Auswahl)
Beer, Gerhard (1953): Das geheimnisvolle Lächeln der Japanerin. Stadthagen: BeerBücher (Bücher-Bär).
Beer, Gerhard (1954): Der unfruchtbare Baum. Eine Erzählung aus dem Mittelalter, in: Hellas (Jg. 2), Nr. 3 (März), S. 75-77.
Beer, Gerd W. (1954): Neue Stützpunkte – ohne mich!, in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 10 (Oktober), S. 316.
Beer („Tedd Ursus“), Gerhard (1982): Was damals für mich geschah, in: Hohmann, Joachim S. (Hrsg.): Keine Zeit für gute Freunde. Homosexuelle in Deutschland 1933–1969. Ein Lese- und Bilderbuch. Berlin: Foerster Verlag, S. 188-189.
„Ursus, Tedd“ [d.i. Beer, Gerhard] (1952): Ein „heroischer“ Entschluß, in: freond (Jg. 2), Nr. 7, S. 26-27.
„Ursus, Tedd“ [d.i. Beer, Gerhard] (1954): Der unheilige Antonius!, in: freond (Jg. 4). Nr. 3, [S. 20].
„Ursus, Tedd“ [d.i. Beer, Gerhard] (1960): Similia similibus. Eine heitere Erzählung (Peppermints homöopathische Kur). Stadthagen: Beer.
„Ursus, Tedd“ [d.i. Beer, Gerhard]. Hrsg. (1967): Nach Feierabend. Deutsche Arbeiterdichtung heute – eine Anthologie. Stadthagen: Beer.
„Ursus, Tedd“ [d.i. Beer, Gerhard]. Hrsg. (1968): Ins Licht gerückt. Gedichte, Aphorismen, Kurzgeschichten – eine Anthologie. Stadthagen: Beer.
Weiterführende Literatur
Hergemöller, Bernd-Ulrich (2010): Beer, Gerhard („Tedd Ursus“), in: ders. (Hrsg.): Mann für Mann. Biographisches Lexikon zur Geschichte von Freundesliebe und mannmännlicher Sexualität im deutschen Sprachraum (Bd. 1). Berlin/Münster: Lit, S. 137.
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Benndorf, Wolfgang (Dr. phil., Bibliothekar) geb. 21.5.1901 (Wien, Österreich) gest. 27.4.1959 (Graz, Österreich)
Zur Biografie


Von 1926 bis 1934 war Benndorf zunächst an der Studienbibliothek in Klagenfurt tätig, anschließend an der Universitätsbibliothek in Graz. Als bekennender Gegner des Nationalsozialismus wurde er nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich 1938 entlassen. Zudem wurde ihm jede öffentliche schriftliche Äußerung verboten. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte er als Direktor an die Universitätsbibliothek in Graz zurück und behielt diese Funktion bis zu seiner Pensionierung 1953 bei.
Wolfgang Benndorf veröffentlichte unter dem Pseudonym „Peter Welf“ Gedichte und Übersetzungen. Als Kritiker der österreichischen Sexualjustiz trat er in den 1950er Jahren unter seinem Klarnamen in unterschiedlichen Foren in Erscheinung.
Offenbar war Wolfgang Benndorf kein Autor, der explizit für Humanitas schrieb. Unbekannt ist, ob die Redaktion in Kontakt mit ihm stand und ihn um Erlaubnis für den Wiederabdruck seiner Beiträge gebeten hatte.
Veröffentlichungen
Benndorf, Wolfgang: Tausendundeine Sittlichkeitsaffäre (Blick über die Grenze: Österreich), in: Humanitas 1954 (Jg. 2), Nr. 1 (Januar), S. 24-27 [siehe auch den etwas früheren Abdruck in Die Gefährten (Jg. 2), November, S. 16-20].
Benndorf, Wolfgang: Österreichische Tragödie [Nachdruck aus Neue Zeit vom 20.12.1953], in: Humanitas 1954 (Jg. 2), Nr. 2 (Februar), S. 69 [siehe auch den etwas früheren Wiederabdruck in Der Kreis 1954 (Jg. 22), Nr. 1, S. 8 und die etwa zeitgleiche Verwendung in Die Gefährten (Jg. 3), Januar/Februar, S. 6-7].
Benndorf, Wolfgang: Karl Kraus und Mürzzuschlag, in: Humanitas 1954 (Jg. 2), Nr. 7 (Juli), S. 215-219 [siehe auch den etwa zeitgleichen Abdruck in Die Gefährten (Jg. 3), Juni/Juli, S. 22-27.
Weiterführende Literatur
Benndorf, Wolfgang (1956): Unvernunft und Unheil im Sexualstrafrecht. § 129 öStG (§ 175 dStGB) im Lichte der Tatsachen. Wien: Sensen-Verlag (43 Seiten).
H., W. (1957): Auf dem Wege zum neuen österreichischen Strafgesetz, in: Der Kreis (Jg. 25), Nr. 7 (Juli), S. 7.
Rolf [d.i. Meier, Karl] (1959): Ein Vorkämpfer in Österreich starb zu früh, in: Der Kreis (Jg. 27), Nr. 5 (Mai), S. 9.
Treiblmayr, Christopher (2016): „… mit dem heutigen Begriffe der Menschenrechte unvereinbar.“ Zum Engagement der Österreichischen Liga für Menschenrechte für Homosexuelle, in: Mitteilungen der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft, Nr. 55/56. S. 50-65.
Tschadek, [Otto] (1954): [Über Justiz]. Auszug aus der offiziellen „Parlamentskorrespondenz“: Sitzung des Finanz- und Budgetausschusses vom 11. November 1953 (Österreich, Nationalrat), in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 1 (Januar), S. 30.
Wüstinger, Alice (2023): Fürsprecher der Homophilen, in: Brunner, Andreas, Sebastian Felten und Hannes Sulzenbacher (Hrsg.): Queer Vienna. Einblicke in ein Bewegungsarchiv (Æther, 8), Zürich: intercom Verlag, online hier.
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Berner, Dieter (Bergarbeiter aus Duisburg)
Zur Biografie
Die Lebensdaten und nähere Angaben zum Lebensweg von Dieter Berner haben sich noch nicht ermitteln lassen. Berner war offenbar Bergarbeiter und bezeichnete sich als „Vertrauensmann der Gesellschaft für Menschenrechte in Nordrhein-Westfalen”. Anfang der 1950er Jahre lebte er als Lehrhauer vermutlich in Duisburg-Hamborn. Er war auch Mitglied der Bremer Internationalen Freundschaftsloge (IFLO), in deren Namen er sich in seinen Veröffentlichungen gelegentlich äußerte.
Als Mitarbeiter der deutschsprachigen „Homophilenpresse“ der frühen Nachkriegszeit schrieb Berner offenbar unter wechselnden Namen. Vermutlich gingen auch diverse Artikel unter den Kürzeln „B. D.“ und „dt“ sowie den beiden Namen „Dieter“ und „[B. R.] René“ auf ihn zurück. Bei „B. R. René“ handelt es sich um ein Anagramm seines Nachnamens. Nach einer Selbstaussage saß „B. R. René“ im September 1952 wegen eines Verstoßes gegen den § 175 StGB in einem Gefängnis ein.
Dieter Berner schrieb am 11. August 1953 einen Brief an den bundesdeutschen Justizminister Thomas Dehler (1897–1967) in Bonn und bat ihn um eine persönliche Unterredung in Sachen § 175 StGB. Sein Brief wurde allerdings abschlägig behandelt.
Der Aktivist und Mitarbeiter von Humanitas Dieter Berner aus Duisburg war nicht identisch mit dem Arzt und Historiker Dr. Dieter Berner (1934–2005), der ab etwa 1989 auch Mitarbeiter der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft war.
Veröffentlichungen
B., D. [d.i. vermutlich Berner, Dieter] (1953): Deutschland vor den Wahlen (Aus der Arbeit der IFLO – Bremen), in: Humanitas (Jg. 1), Nr. 2 (August), S. 2-3.
Berner, Dieter (1954): Paragraph 175 StGB. – ein rechtliches und medizinisches Problem, in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 1 (Januar), S. 8-12.
Berner, D[ieter] (1954): „7 Tage“ sieht nach England … (Blick über die Grenze: Zur Lage in Großbritannien), in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 2 (Februar), S. 54-57.
Berner, D[ieter] (1954): Nochmals Großbritannien – Schweiz – Ägypten (Blick über die Grenze), in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 3 (März), S. 83-84.
Berner, Dieter (1954): [Rezension zu:] Laserstein: Angeklagter, stehen Sie auf!, in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 4 (April), S. 128-130.
René, B. R. [d.i. vermutlich Berner, Dieter] (1953): Aus dem Dschungel der Paragraphen. Das Bundesverfassungsgericht zu den §§ 175, 175 a StGB, in: Der Weg zu Freundschaft und Toleranz (Jg. 3), Nr. 1 (Januar), S. 25-27. [Mit einem Zusatz von „Dieter, – IFLO“.]
René, B. R. [d.i. vermutlich Berner, Dieter] (1953): Gustav Aschenbach. Versuch einer Deutung, in: Der Weg zu Freundschaft und Toleranz (Jg. 3), Nr. 4 (April), S. 23-27.
René, B. R. [d.i. vermutlich Berner, Dieter] (1953): Homoerotik – Schicksal und Aufgabe, in: Humanitas (Jg. 1), Nr. 2 (August), S. 1.
René [d.i. vermutlich Berner, Dieter] (1953): Heimliche Freundschaften [Rezension zu dem gleichnamigen Buch von Roger Peyrefitte], in: Der Weg zu Freundschaft und Toleranz (Jg. 3), Nr. 5 (Mai), S. 28.
Renée [d. i. vermutlich Berner, Dieter] (1953): Freundschaft des Alltags (Gedicht), in: Der Weg zu Freundschaft und Toleranz (Jg. 3), Nr. 9 (September), [S. 21].
René, B. R. [d.i. vermutlich Berner, Dieter] (1953): BILD hätte besser geschwiegen … [Brief], in: Humanitas (Jg. 1), Nr. 5 (November), [S. 12]. [Für B. R. René wird als Ort „Duisburg“ angegeben.]
dt [d.i. vermutlich Berner, Dieter] (1953): Die Urteilsbegründung des Hattinger Freispruchs [Abschrift der Gesellschaft für Menschenrechte, Vertrauensmann Nordrhein-Westfalen, Duisburg-Hamborn, 1.8.1953], in: Humanitas (Jg. 1), Nr. 3 (September), S. 1-3. [Mit einer Druckfehlerberichtigung in Humanitas 1953 (Jg. 1), Nr. 4 (Oktober), S. 7.]
dt [d.i. vermutlich Berner, Dieter] (1953): Die Akten sind noch nicht geschlossen … (Zum Hattinger Urteil), in: Humanitas (Jg. 1), Nr. 4 (Oktober), S. 6.
dt [d.i. vermutlich Berner, Dieter] (1953): Das ausländische Homosexualstrafrecht, in: Humanitas (Jg. 1), Nr. 5 (November), [S. 3-5]. [Mit einer redaktionellen Berichtigung in: Humanitas 1953 (Jg. 1), Nr. 6 (Dezember), S. 16.]
dt [d.i. vermutlich Berner, Dieter]: Rechtsschutzarbeit (Aus der Gesellschaft für Menschenrechte), in: Humanitas 1953 (Jg. 1), Nr. 5 (November), [S. 11].
Weitere Archivalien
Die Anfrage Dieter Berners an Thomas Dehler findet sich hier online. Sie ist (mitsamt einer Kopie des Antwortschreibens) im Bundesarchiv Koblenz unter der Signatur BArch B 141/4073 [Unzucht. Homosexualität. Eingaben, Anfragen (1953), Blätter 121-122, externe Zählung S. 245-246] archiviert.
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Biederich, Paul Hugo (Dr. jur., Rechtsanwalt) geb. 31.12.1907 (Danzig, heute Gdańsk, Polen) gest. 26.4.1968 (West-Berlin)
Zur Biografie


1938 wurde Paul Hugo Biederich vermutlich erstmals wegen homosexueller Beziehungen verhaftet und noch im selben Jahr wegen Verstoßes gegen den Paragrafen 175 RStGB verurteilt. Seine Zugehörigkeit zur Gestapo und zur SS wurde dabei als strafverschärfend bewertet. Im Mai 1949 saß Paul Hugo Biederich wegen eines Vorwurfs nach § 175 StGB in Hamburg erneut in Untersuchungshaft.
Nach 1945 gehörte Paul Hugo Biederich zu den namhaftesten Anwälten Homosexueller in der Bundesrepublik Deutschland. Im Herbst 1949 gründete er zusammen mit dem Hamburger Geschäftsmann Oskar Kertscher eine nicht eingetragene Arbeitsgemeinschaft zur Abschaffung des Paragrafen 175 StGB. Wenig später zog Biederich nach Frankfurt am Main, wo er Hans Giese, der im Jahr zuvor nach dem Vorbild Magnus Hirschfelds sein Institut für Sexualforschung gegründet hatte, als Rechtsbeistand diente.
Als Hans Giese 1950 die erste „Sexualwissenschaftliche Arbeitstagung“ in Frankfurt ausrichtete und sich dabei zunehmender Kritik ausgesetzt sah, übernahm Biederich die Führung des 1949 ebenfalls von Giese gegründeten neuen Wissenschaftlich-humanitären Komitees (WhK), das unter seinem Vorsitz jedoch bald bedeutungslos wurde. Auch die Beziehungen zwischen Oskar Kertscher und Paul Hugo Biederich waren im Zuge von Biederichs Umzug nach Frankfurt merklich abgekühlt. Auch zwischen Giese und Biederich kam es bald zu erheblichen Spannungen und schließlich zu einem Zerwürfnis.
In einem Bericht zum Frankfurter Kongress des International Committee for Sexual Equality (ICSE) von 1952 heißt es, Biederich habe sich in seinem Vortrag gegen ein Rundschreiben des west-deutschen Justizministers Thomas Dehler (1897–1967, FDP) ausgesprochen, das in Fällen, in denen eine Bestrafung wegen homosexuellen Verkehrs vorliege, Polizeiaufsicht empfahl. Ein solches Vorgehen widerspreche den demokratischen Grundsätzen der Erneuerung der Justiz in der Bundesrepublik.
Belegt ist, dass Paul Hugo Biederich, der in den frühen 1950er Jahren mehrere Veröffentlichungen zur Homosexualität vorlegte, in dem Grundsatzprozess zur Strafbarkeit der Homosexualität vor dem Bundesverfassungsgericht 1957 mit Oskar Kertscher zeitweise einen der beiden Beschwerdeführer vertrat. 1966 zog Paul Hugo Biederich aus Hamburg-Rahlstedt nach Berlin-Wilmersdorf, er starb zwei Jahre später in Berlin-Wedding.
Veröffentlichungen (Auswahl)
Biederich, Paul Hugo (1950): Paragraph 175. Die Homosexualität. Regensburg/Wien: F. Decker.
Biederich, Paul Hugo (1951): Entgegnung auf die Schrift „Das dritte Geschlecht“ des Amtsgerichtsrats R. Gatzweiler, Bonn. Hamburg: Grieger.
Biederich, Paul Hugo und Leo Dembicki (1951): Die Sexualität des Mannes. Darstellung und Kritik des Kinsey-Report. Regensburg/Wien: Verlag für Sexualliteratur Decker.
Biederich, P[aul] H[ugo] (1953): Anti-Gatzweiler, in: Humanitas (Jg. 1), Nr. 6 (Dezember), S. 4-10.
Weiterführende Literatur
Anonym (1952): Dieser Kongresz, in: Periodical Newsletter, [Nr. 8] (Oktober 1952), S. 15-17, hier S. 17 [siehe hier auch S. 6].
Liebeknecht, Moritz (2020): Wissen über Sex. Die Deutsche Gesellschaft für Sexualforschung im Spannungsfeld westdeutscher Wandlungsprozesse (Hamburger Beiträge zur Sozial- und Zeitgeschichte, 60). Göttingen: Wallstein.
Lorenz, Gottfried (2016): Dr. Paul Biederich: SS-Mann und Schwulenaktivist, in: Lorenz, Gottfried: Diskriminieren – Kriminalisieren – Eliminieren: Studien zur Geschichte der Homosexualität in Hamburg vor und nach 1945 (Studien zur Zeitgeschichte, 96). Hamburg: Verlag Dr. Kovač, S. 7-48.
Wolfert, Raimund (2015): Homosexuellenpolitik in der jungen Bundesrepublik. Kurt Hiller, Hans Giese und das Frankfurter Wissenschaftlich-humanitäre Komitee (hirschfeld-lectures, 8). Göttingen: Wallstein Verlag.
Wolfert, Raimund (2017): „Was mich angeht, ich werde als ganz ungebrochenes Exemplar der Gattung Mensch in die Grube steigen.“ Otto Hug (1905–1965), ein Lebensbild, auf: LSBTTIQ in Baden und Württemberg.
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Burkhardt, Rudolf (d.i. Jung, Rudolf)
Hinter dem Pseudonym „Rudolf Burkhardt“ verbarg sich der Schriftsteller und Übersetzer Rudolf Jung (1907–1972).
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Buse, Felix (Dr. jur., Amtsgerichtsrat) geb. 2.5.1901 (Montabaur) gest. 23.7.1997 (Lindenberg, Allgäu)
Zur Biografie
Zum Lebensweg von Dr. Felix Buse haben sich bislang nur wenige Angaben ermitteln lassen. Buse wurde am 2. Mai 1901 in Montabaur (Westerwald) geboren. 1926 legte er an der Universität in Frankfurt/Main seine rechtswissenschaftliche Dissertation unter dem Titel „Das literarische und musikalische Urheberrecht nach geltendem Rechte und seine Stellung zum Rundfunk“ vor. Vermutlich war Buse nicht homosexuell. Er war zweimal verheiratet, ab 1929 mit Elisabeth Wilhelmine Gorka (1901–1964) und ab 1966 mit Irmgard Hellwig (geb. 1909).
Anfang 1945 zog Elisabeth Wilhelmine Buse zusammen mit ihrer Tochter Dorris von Gelsenkirchen nach Winz-Niederbonsfeld, einem Stadtteil von Hattingen in Westfalen. Ihr Mann Felix Buse befand sich da in englischer Kriegsgefangenschaft, aus der er im September 1945 entlassen wurde. Im Sommer 1947 ließ sich die Familie in Hattingen, Grünstraße 36, nieder. Zwanzig Jahre später zog Felix Buse, nunmehr zusammen mit seiner zweiten Frau, nach Simmerberg-Siebers im bayerisch-schwäbischen Landkreis Lindau (Bodensee).
In der frühen Nachkriegszeit war Felix Buse neben Botho Laserstein (1901–1955) Mitglied der Hamburger Gesellschaft für Menschenrechte (GfM). In Humanitas veröffentlichte er vier Beiträge, von denen jedoch zwei nachweislich Nachdrucke aus juristischen Fachzeitschriften waren.
Felix Buse starb am 23. Juli 1997 in Lindenberg im Allgäu, vermutlich im dortigen Krankenhaus.
Veröffentlichungen
Buse, Felix (1926): Das literarische und musikalische Urheberrecht nach geltendem Rechte und seine Stellung zum Rundfunk (207 S.). Frankfurt, Rechtswissenschaftliche Dissertation vom 28.7.1926.
Buse, Felix (1951): Das geltende Strafrecht im Lichte der Gegenwart [bibliographische Angaben noch lückenhaft: Juristische Rundschau, Nr. 11, 17].
Buse, [Felix] (1953): Ist der Paragraph 175 StGB noch anwendbar?, in: Humanitas (Jg. 1), Nr. 6 (Dezember), S. 3-4.
Buse, F[elix] (1954): Wider den Geist der Verneinung und des Zwanges, in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 1 (Januar), S. 3-5.
Buse, F[elix] (1954): Gleichberechtigung und Homosexualität [Nachdruck aus Neue juristische Wochenschrift Nr. 51-52, Dez. 1953], in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 2 (Februar), S. 41-44.
Buse, F[elix] (1954): Vom Wesen und Wert der Strafe [Nachdruck aus Juristische Wochenschau], in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 9 (September), S. 274-276.
Weiterführende Literatur
Ahland, Frank (Hrsg.) (2016): Zwischen Verfolgung und Selbstbehauptung. Schwul-lesbische Lebenswelten an Ruhr und Emscher im 20. Jahrhundert. Berlin: Vergangenheitsverlag.
Arias Viebahn, Anna; Arias Meneses, Pablo (2024): Verfolgung und Emanzipation von LSBTQ+ Menschen in Hagen. Ein langer und leidvoller Weg. In: Hagener Heimatbund e.V. (Hg.): HagenBuch 2025. Impulse zur Stadt, Heimat- und Kunstgeschichte. Redaktionelle Leitung: Michael Eckhoff. Hagen i. W.: ardenkuverlag, S. 225–246.
Dt. (1953): Im Namen des Rechtes! In: Humanitas. Monatsschrift für Menschlichkeit und Kultur (Jg. 1), Nr. 3, S. 2–3.
Gyburc-Hall, Larion (1954): Recht und Gerechtigkeit, in: Der Weg zu Freundschaft und Toleranz (Jg. 4), Nr. 3 (März), S. 94-96.
Nies, Stefan; Berude, Wolfgang D. (2020): Come out, Essen! 100 Jahre lesbisch-schwule Emanzipation. Herausgegeben von der Aidshilfe Essen und der Stiftung Ruhr Museum, Essen. Essen: Selbstverlag.
Pery (1953): § 175 nicht mehr strafbar, Sensationelles Urteil in Hattingen (Ruhr) / Salomo braucht nicht zu sterben, in: Der Weg zu Freundschaft und Toleranz (Jg. 3), Nr. 8 (August), S. 28.
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Clasen, Leo (ehemaliger Häftling im KZ Sachsenhausen) geb. 26.6.1906 (Neumünster) gest. 1972 (vermutlich Flensburg)
Zur Biografie
Leo Clasen wurde am 26. Juni 1906 in Neumünster geboren und besuchte nach der Volksschule das Gymnasium (Holstenschule) in seiner Heimatstadt, das er um 1930 mit dem Abitur abschloss. Anschließend arbeitete er unter anderem als Steward auf Handelsschiffen, immatrikulierte sich dann aber an den Universitäten in Tübingen und Kiel, um Medizin zu studieren. Das Staatsexamen legte er 1936 ab. Auch danach ging er zeitweise wieder zur See.
Wegen homosexueller Handlungen, die im nationalsozialistischen Deutschland mit Strafe belegt waren, wurde Leo Clasen ab 1936 mehrfach nach § 175 RStGB zu Haftstrafen verurteilt, zunächst vom Amtsgericht Hamburg (1936), dann vom Landgericht Kiel (1937) und schließlich erneut vom Amtsgericht Hamburg (1940). Die zuletzt verhängte Strafe von 15 Monaten Gefängnis unter Anrechnung von 4 Monaten Untersuchungshaft verbüßte er als sogenannter „B/Ver“ („Berufsverbrecher“) zunächst in der Strafanstalt Hamburg Fuhlsbüttel und im Emslandlager Neusustrum (Lager V). Im Februar 1941 wurde er in das KZ Sachsenhausen überstellt, wo er bis Mai 1945 inhaftiert war (Häftlingsnummer 36 051). Nach eigenen Angaben trug er dabei einen roten und einen rosa Winkel.
Weil Clasen zehn Semester Medizin studiert hatte, wurde er im KZ Sachsenhausen ab Anfang 1943 als Pfleger bzw. „Häftlingsarzt“ im Krankenbau eingesetzt, in dem unter anderem Häftlinge mit Ruhr, Fleckfieber und Tuberkulose lagen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Clasen wegen homosexueller Handlungen erneut festgenommen. So saß er vom 21. bis zum 27. November 1946 in Hamburg in Untersuchungshaft ein. Ab 1954 veröffentlichte Clasen unter dem Pseudonym „L. D. Classen von Neudegg“ in der Hamburger „Homophilenzeitschrift“ Humanitas einen siebenteiligen Erfahrungsbericht, in dem er den Lageralltag und die Misshandlungen von Homosexuellen im KZ Sachsenhausen – unter anderem in Form von medizinischen Menschenversuchen – beschrieb. Es handelte sich um eines der ersten schriftlichen Zeugnisse über die Erfahrungen sogenannter „Rosa-Winkel-Häftlinge“ während des „Dritten Reichs“. 1984 wurden die Texte Clasens unter dem Titel „Rosa Winkel. Schwule im KZ. Quälende Erinnerungen“ auszugsweise erneut veröffentlicht.
Leo Clasen wurde am 2. Februar 1947 vom Komitee ehemaliger politischer Gefangener als Mitglied in die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) aufgenommen (hier mit dem Geburtsdatum: 26.6.1909), doch wurde sein Mitgliedsausweis bereits wenige Monate später wieder eingezogen. Clasens Vorstrafen wegen „Vergehen nach § 175 und Zersetzung der Wehrkraft“ galten der VVN als „nicht tragbar“.
Leo Clasen veröffentlichte 1953 und 1954 auch Erzählungen und Gedichte in Zeitschriften wie Dein Freund und Hellas. Er starb 1972 vermutlich in Flensburg.
Veröffentlichungen
Clasen, Leo (1982): „Herzlich willkommen“. Ein Bericht aus der Strafkompanie des Klinkerwerkes Sachsenhausen, in: Der Appell. Mitteilungsblatt der ehemaligen Häftlinge, deren Angehörigen und Hinterbliebenen der Konzentrationslager Oranienburg, Sachsenhausen und der Ursprungs- und Nebenlager, Nr. 98 (Dezember), S. 3-4.
Classen von Neudegg, L. D. [d.i. Clasen, Leo] (1954): Die Dornenkrone. Ein Tatsachenbericht aus der Strafkompanie Sachsenhausen (Schicksale), in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 2 (Februar), S. 58-60.
Classen von Neudegg, L. D. [d.i. Clasen, Leo] (1954): Betrachtung … zum Menschen, in: Dein Freund. Zeitschrift für Freundschaft und Verständigung (Jg. 1), Nr. 1 (März), S. 6-7.
Classen [von] Neudegg, L. D. [d.i. Clasen, Leo] (1954): Ein Blick zurück … (Schicksale), in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 3 (März), S. 85-86.
Classen von Neudegg, L. D. [d.i. Clasen, Leo] (1954): Aus meinem Tagebuch 1939–1945: KZ Oranienburg, in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 5 (Mai), S. 163-164.
Classen von Neudegg, L. D. [d.i. Clasen, Leo] (1954): Versuchsobjekt Mensch. Aus meinem Tagebuch 1939 bis 1945 (KZ Oranienburg), in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 7 (Juli), S. 225.
Classen von Neudegg, L. D. [d.i. Clasen, Leo] (1954): Ecce homo – oder Tore zur Hölle. Aus meinem KZ-Tagebuch, in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 12 (Dezember), S. 359-360.
Classen von Neudegg, L. D. [d.i. Clasen, Leo] (1955): Aus meinem KZ-Tagebuch, in: Humanitas (Jg. 3), Nr. 1 (Januar), S. 385-386.
Classen von Neudegg, L. D. [d.i. Clasen, Leo] (1955): Rückblick in die Nacht. Aus meinem KZ-Tagebuch, in: Humanitas (Jg. 3), Nr. 2 (Februar), S. 428-429.
Classen von Neudegg, L. D. [d.i. Clasen, Leo] (1984): Rosa Winkel. Schwule im KZ. Quälende Erinnerungen. In: Fassbinder, Egmont (Hrsg.): Klappentexte. Sterben (Klappentexte, 4). Berlin: Verlag rosa Winkel, S. 17-19 [Nachdruck aus Humanitas, 1954/55].
Neudegg, L. C. v. [d.i. Clasen, Leo] (1953): Die Vermählung zu Altis, in: Hellas (Jg. 1), Nr. 3 (Dezember), S. 90-92.
Neudegg, L. C. v. [d.i. Clasen, Leo] (1954): Lucius und Luca, in: Hellas (Jg. 2), Nr. 3 (März), S. 85-86.
Neudegg, L. C. v. [d.i. Clasen, Leo] (1954): Tonatiuh. Eine indianische Erzählung, in: Hellas (Jg. 2), Nr. 4 (April), S. 120-122.
Neudegg, L. C. von [d.i. Clasen, Leo] (1954): Die „Dame“ mit dem Zeichen: Th! Eine heitere Geschichte, in: Hellas (Jg. 2), Nr. 4 (April), S. 130-131.
Neudegg, L. C. von [d.i. Clasen, Leo] (1954): Kleiner Reisebrief aus Paris, in: Hellas (Jg. 2), Nr. 5 (Mai), S. 155-158.
Neudegg, L. C. von [d.i. Clasen, Leo] (1954): Daß wir uns trafen [Gedicht], in: Hellas (Jg. 2), Nr. 5 (Mai), S. 172.
Neudegg, L. C. von [d.i. Clasen, Leo] (1954): Der sterbende Soldat, in: Hellas (Jg. 2), Nr. 6 (Juni), S. 201-203.
Weiterführende Literatur
Hergemöller, Bernd-Ulrich (2010): Clasen, Leo („Classen von Neudegg, Leo D.“), in: ders. (Hrsg.): Mann für Mann. Biographisches Lexikon zur Geschichte von Freundesliebe und mannmännlicher Sexualität im deutschen Sprachraum (Bd. 1). Berlin/Münster: Lit, S. 237.
Lorenz, Gottfried (2013). Töv, di schiet ik an. Beiträge zur Hamburger Schwulengeschichte (Gender-Diskussion, 20). Berlin: Lit, S. 346-347.
Müller, Joachim und Andreas Sternweiler (2000): Homosexuelle Männer im KZ Sachsenhausen. Hgg. vom Schwulen Museum Berlin. Berlin: Verlag rosa Winkel.
Zastrau, Eberhard (2007): Funktionshäftlinge mit dem rosa Winkel im Krankenrevier (Rede aus Anlass des 62. Jahrestages der Befreiung des KZ Sachsenhausen am 22. April 2007), online hier.
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Classen von Neudegg, L. D. (d.i. Clasen, Leo)
Bei „L. D. Classen von Neudegg“ handelte es sich um ein Pseudonym von Leo Clasen (1906–1972).
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Daniel, Karl W. O. (Dr. med., Neurologe, Psychiater aus Karlsruhe)
Zur Biografie
Über den Arzt Dr. med. Karl W. O. Daniel haben sich bislang nur wenige Angaben ermitteln lassen. Daniel praktizierte Anfang der 1950er Jahre als Facharzt für Neurologie und Psychiatrie unter der Adresse Hans-Thomas-Straße 15a in Karlsruhe. Bis Anfang der 1980er Jahre war er als Nervenarzt unter verschiedenen Anschriften in der Stadt tätig. Der letzte ermittelte Adressbucheintrag erfolgte im Jahr 1983, doch die anschließende Durchsicht der standesamtlichen Sterbebücher von Karlsruhe für die Jahre 1982 bis 1985 war nicht erfolgreich. Auch eine Meldekarte mit näheren biografischen Angaben zu seiner Person konnte nicht ermittelt werden, was den Schluss zulässt, dass Karl W. O. Daniel zwar seine Praxis in Karlsruhe hatte, aber nicht in der Stadt wohnte.
Im Februar 1954 reichte die Hamburger „Arbeitsgemeinschaft zur Pflege der Humanität“ dem Bonner Justizministerium fünf Gutachten von Paul-Hugo Biederich (1907–1968), Karl W. O. Daniel, Rudolf Klimmer (1905–1977) und Willhart S. Schlegel (1912–2001) zum „Problem der Homosexualität“ ein. Das Gutachten Daniels vom Dezember 1952 versandte die Arbeitsgemeinschaft in Form einer Abschrift ohne Unterschrift und ohne Angabe eines Ortes.
Veröffentlichungen
Daniel, [Karl W. O.] (1953): Männliche und weibliche Homosexualität. Eine vergleichende Untersuchung (Der Arzt spricht!), in: Humanitas (Jg. 1), Nr. 5 (November), [S. 5-6].
Weiterführende Literatur
Daniel, Dr. med. [Karl W. O.] (1952): Gutachten zur Frage: Sind homoerotische bzw. homosexuelle Beziehungen zwischen Männern einerseits und zwischen Frauen andererseits medizinisch gleich zu bewerten? (Maschinenschriftliche Abschrift eines Gutachtens vom Dezember 1952), online hier [unter der Signatur: BArch B 141/4074, externe Blattzählung S. 115-117].
Turni, Franz (1954): Die Macht der Einbildung. Viersen: Verlag Gerhard Meixner, S. 26, online hier.
Wolfert, Raimund (2025): Erwin Haarmann (1915–1972). Annäherungen an einen „kämpferischen Typ“, den man zur Strecke bringen wollte. In: Mitteilungen der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft Nr. 75/76 (November), S. 78-103.
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Dieckhoff, Albrecht Diedrich [Freiherr von] (Dr. jur., Rechtsanwalt) geb. 25.12.1896 (Hamburg) gest. 11.10.1965 (Hamburg)
Zur Biografie
Albrecht Diedrich Dieckhoff wurde am 25. Dezember 1896 in Hamburg geboren. Nach dem Kriegsabitur, das er 1914 ablegte, nahm er als Freiwilliger am Ersten Weltkrieg teil, und erst Anfang der Zwanziger Jahre legte er die erste und zweite juristische Staatsprüfung ab. Den Doktortitel erwarb er 1926. Zwei Jahre später wurde er als Rechtsanwalt in Hamburg zugelassen. Er spezialisierte sich zunächst auf das ausländische Gesellschafts-, Handels- und Steuerrecht.
Im November 1933 wurde Albrecht Diedrich Dieckhoff Mitglied der SS, und am 1. Mai 1937 trat er auch der NSDAP bei. Ab August 1939 war Dieckhoff dann wieder Soldat und nahm aktiv am Zweiten Weltkrieg teil, bis er im April 1945 in Kriegsgefangenschaft geriet. 1939 war er von Franz Joseph II. (1906–1989), dem Fürsten von und zu Liechtenstein, in den erblichen Freiherrenstand erhoben worden, weil er zuvor das Fürstentum vor der Einbeziehung in das „Großdeutsche Reich“ bewahrt hatte.
Nach Abschluss des Entnazifizierungsverfahrens wurde Albrecht Diedrich Dieckhoff wieder als Rechtsanwalt mit eigener Kanzlei in Hamburg zugelassen. Er war verheiratet und hatte vier Kinder, die zwischen 1936 und 1941 geboren wurden. Gleichwohl etablierte er sich in der Nachkriegszeit zu einem der umtriebigsten und „homosexuellenfreundlichsten“ Rechtsanwälte der Hansestadt. 1954 veröffentlichte er einen Beitrag über das „Sittenrecht im Common Law“, und drei Jahre später legte er eine Übersetzung des Griffin-Reports der englischen katholischen Kirche vor. Weitere Übersetzungen, Veröffentlichungen und Vorträge zum Thema Homosexualität folgten.
Albrecht Diedrich Dieckhoff fungierte auch als Rechtsvertreter der Gesellschaft für Menschenrechte (GfM) und der Internationalen Freundschaftsloge (IFLO) in Bremen sowie anderer Initiativen der bundesdeutschen „Homophilenbewegung“. Außerdem war er Gründer des Hamburger Griffin-Verbandes, der die Straffreiheit einvernehmlicher gleichgeschlechtlicher Handlungen unter Erwachsenen in Deutschland vorsah. Am 15. Februar 1960 äußerte sich Dieckhoff neben den Ärzten Hans Giese (1920–1970) und Rudolf Klimmer (1905–1977) in der Sendung „Die Homosexualität“ des Bayrischen Rundfunks, in der eine grundlegende Reform des bundesdeutschen Sexualstrafrechts eingefordert wurde. Ein Jahr später legte Dieckhoff eine kommentierte Übersetzung des Buches Against the Law von Peter Wildeblood (1923–1999) vor, und noch 1967 war er mit zwei Beiträgen in dem Buch Das große Tabu. Zeugnisse und Dokumente zum Problem der Homosexualität des Konstitutionsbiologen Willhart S. Schlegel (1912–2001) vertreten.
In der Zeitschrift Humanitas gingen vermutlich auch die Beiträge, die unter dem Pseudonym „Dr. jur. Nikodemus Neumann“ erschienen, auf Albrecht Diedrich Dieckhoff zurück. Wie dieser soll „Neumann“ ein „bekannter Straf- und Völkerrechtler“ gewesen sein. 1958 trat „Neumann“ ebenfalls auf dem fünften Kongress des International Committee for Sexual Equality (ICSE) in Brüssel (Belgien) als Vertreter des von Dieckhoff gegründeten Griffin-Verbandes auf.
Albrecht Diedrich Dieckhoff starb am 11. Oktober 1965 in Hamburg.
Veröffentlichungen (Auswahl)
Dieckhoff, Albr[echt] D. (1954): Sittlichkeit und „Common Law“ [A-B], in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 4 (April), S. 112-118.
Dieckhoff, Albr[echt] D. (1954): Sittlichkeit und „Common Law“ (C-I), in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 5 (Mai), S. 154-161.
Dieckhoff, Albr[echt] D. (1954): „Comics“ – ganz und gar nicht komisch, in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 11 (November), S. 330-331.
Dieckhoff, Albr[echt] D. (1955): Strafaussetzung und Strafzweck, in: Humanitas (Jg. 3), Nr. 1 (Januar), S. 394.
Dieckhoff, Albrecht D. (1956): Der Griffin Report (nebst rechtsvergleichenden Erläuterungen aus dem englischen, deutschen, österreichischen, schweizerischen, brasilianischen und dänischen Strafrecht). Hamburg: R. v. Decker’s Verlag, G. Schenk.
Dieckhoff, Albrecht D. (1961): Wer wirft den ersten Stein? Bericht zum Interim Report der Anglikanischen Hochkirche, dem Griffin Report der englischen Katholiken und dem Wolfenden Report des Britischen Regierungsausschusses für die deutschsprachigen Protestanten veranlaßt durch den Vorsitzenden des Hamburger Protestantenvereins und benannt Der Protestanten-Bericht (nebst vollständiger Übersetzung des Griffin Report). In Zusammenarbeit mit Karl Knop und hrsg. von Hannes Kaufmann. Schmiden bei Stuttgart: Franz Decker Verlag Nachf.
Weiterführende Literatur
Hergemöller, Bernd-Ulrich (2010): Dieckhoff, Albrecht (von), in: ders. (Hrsg.): Mann für Mann. Biographisches Lexikon zur Geschichte von Freundesliebe und mannmännlicher Sexualität im deutschen Sprachraum (Bd. 1). Berlin/Münster: Lit, S. 257-259.
Lorenz, Gottfried (2010): Hamburg als Homosexuellenhauptstadt der 1950er Jahre. Die Homophilen-Szene und ihre Unterstützer für die Abschaffung des § 175 StGB, in: Pretzel, Andreas und Volker Weiß (Hrsg.): Ohnmacht und Aufbegehren. Homosexuelle Männer in der frühen Bundesrepublik. Hamburg: Männerschwarm Verlag, S. 117-151.
Prien, Wolf (1965): Ein ehrenvolles Andenken [über Albrecht D. Dieckhoff], in: Der Weg (Jg. 15), Nr. 8, S. 192.
Schlegel, Willhart S. Hrsg. (1967): Das große Tabu. Zeugnisse und Dokumente zum Problem der Homosexualität. München: Rütten & Loening,
Wildeblood, Peter (1961): Vom Gesetz geächtet. Übersetzt und erläutert von Rechtsanwalt Dr. Albrecht D. Dieckhoff (Hamburg). Schmiden bei Stuttgart: Franz Decker Verlag Nachf.
Wolfert, Raimund (2016): Rund um die Bremer Pfingsteingabe. In: Mitteilungen der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft (Nr. 55/56), S. 40-49.
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Dolenga, Ernst von
Bislang haben sich keine Angaben zur Identität und zum Lebensweg von Ernst von Dolenga ermitteln lassen. Sein Name wurde in Humanitas auch als „Ernst von Dolenge“ wiedergegeben.
Veröffentlichungen
Dolenga, Ernst von (1954): Fest der Wiedergeburt, in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 12 (Dezember), S. 355-356.
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Driess, Ernst Ludwig (Aktivist, Psychiatriekritiker) geb. 2.11.1903 (Darmstadt) gest. 30.12.1969 (Darmstadt)
Zur Biografie


Ernst Ludwig Driess wurde wegen gleichgeschlechtlicher Kontakte mit Jugendlichen zwischen 14 und 19 Jahren 1936 zum ersten Mal kriminalisiert und im Jahr darauf zu einer Zuchthausstrafe verurteilt. Im Zuge einer Hausdurchsuchung wegen „Führerbeleidigung“ und „Zersetzung der Wehrkraft“ kamen 1944 erneut Fälle „sexueller Vergehen“ ans Licht, und Driess wurde zum zweiten Mal zu einer Zuchthausstrafe verurteilt. Zwar gelang ihm im Frühjahr 1945 die Flucht aus einem nationalsozialistischen Lager, dennoch war er fortan ein gezeichneter Mensch. Nachdem er 1945 die Nachprüfung der zwei während der NS-Zeit gegen ihn verhängten Strafen beantragt hatte, musste er zudem eine „Reststrafe“ von anderthalb Jahren in der Landesstrafanstalt Bruchsal (Baden-Württemberg) verbüßen.
Nach einem weiteren „Vorfall“, bei dem Driess gleichgeschlechtliche Kontakte nachgewiesen werden konnten, wurde er im Herbst 1947 als geistig Gesunder für über drei Jahre in die Heil- und Pflegeanstalt Philippshospital in Goddelau bei Darmstadt eingewiesen. Driess behauptete später, er habe sich allein durch das Vertiefen in Arbeit und durch mitmenschliche Hilfe vom Anstaltsalltag unter „Geisteskranken und Schwachsinnigen“ ablenken können.
Nach seiner Entlassung tat sich Ernst Ludwig Driess in der bundesdeutschen Presse vor allem anonym als Psychiatriekritiker hervor, er arbeitete aber auch für den Schweizer Kreis und andere Blätter der deutschsprachigen „Homophilenbewegung“. Seine Denkschrift, die er im Philippshospital ausgearbeitet hatte, sollte unter dem Titel „Sexualprobleme stehen zur Diskussion“ in Buchform erscheinen, doch lehnten alle angeschriebenen Verlage das Manuskript ab, so dass es heute als verschollen gelten muss. Der einzige Teil des Buchinhalts, der gedruckt vorliegt, ist ein Vorwort von Otto Hug (1905–1965), das 1950 als Artikel im Kreis Aufnahme fand.
Die Frankfurter Zeitschrift Die Gefährten, die 1952 von Heinz Meininger als Vereinszeitschrift des Vereins für humanitäre Lebensgestaltung (VhL) ins Leben gerufen wurde, ging in Teilen auf Denkanstöße und Pläne Ernst Ludwig Driess‘ zurück, und auch der Titel „Humanitas“ der Zeitschrift der Bremer bzw. Hamburger Gesellschaft für Menschenrechte (GfM) fußte auf einem Vorschlag Driess‘. Nach eigenen Angaben war Driess ebenso eine zentrale treibende Kraft hinter Heinz Meininger und sorgte so dafür, dass der 1952er Kongress des International Committee for Sexual Equality (ICSE) überhaupt in Frankfurt ausgetragen wurde. Am ersten internationalen Kongress des ICSE, der 1951 in Amsterdam stattfand, hatte Driess nicht teilnehmen können, weil die deutschen Behörden ihm aufgrund seiner Vorstrafen einen Auslandspass verweigerten.
Im Spätsommer 1952 führte die Polizei erneut eine Hausdurchsuchung bei Driess durch, weil sie kritische Flugblätter zu einem damals stattfindenden Psychiatrieprozess vermutete, Infolgedessen konnte Ernst Ludwig Driess nur am ersten und am vierten Tag des ICSE-Kongresses in Frankfurt teilnehmen. Vom Kongressauftakt, den Hermann Weber und Eric Thorsell bestritten, zeigte er sich enttäuscht. Angetan war er aber von den Beiträgen der Rechtsanwälte Eduard Seidl und Joseph Klibansky. Gleichwohl urteilte er in einem privaten Brief wenig später resigniert: „ […] es war eigentlich nur eine Tagung von Menschen, die sich über organisatorische Fragen berieten und ein kleines Pflänzchen mit Wasser begossen, damit es nicht zugrunde geht. Ob es wachsen kann, wird erst die Zukunft beweisen.“
Veröffentlichungen
[Driess, Ernst Ludwig:] (1951): Tagebuch aus einem Irrenhaus, in: Das grüne Blatt vom 14.1., 21.1., 28.1., 4.2., 11.2. und 18.2.1951 [Artikel in sechs Teilen].
Driess, Ernst Ludwig (1951): Die deutschen Sittengesetze, ihre Widersprüche und deren Ursachen. Auszug aus einem Vortrag, gehalten auf der „International Conference for Sexual Equality“ an Pfingsten 1951 in Amsterdam, in: Report of the First International Congress for Sexual Equality (I.C.S.E.), Whitsuntide 1951, Amsterdam, Holland, S. 30-32; online hier.
Driess, Ernst Ludwig (1952): Falsche Moral. Die deutschen Sittengesetze, ihre Widersprüche und deren Ursache, in: freond (Jg. 2), Nr. 9, S. 4-6.
Weiterführende Literatur
[Hug, Otto:] (1950): Ein neues Buch von Ernst Driess, Darmstadt, wartet auf seinen Verleger, in: Der Kreis (Jg. 18), Nr. 12, S. 34-35.
Led [d.i. vermutlich Driess, Ernst Ludwig] (1953): Ich bin ein „armer Irrer“! (Vorsicht!), in: Humanitas (Jg. 1), Nr. 5, [S. 8-9].
Wolfert, Raimund (2019): Emanzipationsbestrebungen in der Tradition Magnus Hirschfelds. Das Beispiel Ernst Ludwig Driess, in: Initiative Queer Nations (Hrsg.): Jahrbuch Sexualitäten, S. 71-96.
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Dumont, Francis (franz. Literaturwissenschaftler)
Francis Dumont war allem Anschein nach ein französischer Literaturwissenschaftler, der nicht originär für Humanitas schrieb. In der Zeitschrift kam 1955 ein einziger Beitrag Dumonts zum Abdruck. Er handelte von dem französischen Schriftsteller Jean Genet (1910–1986) und war bereits sieben Jahre zuvor erstmals auf Deutsch erschienen. Ergänzt wurde der Neuabdruck des Artikels von Francis Dumont in Humanitas durch eine Zeichnung Jean Genets von Charles Grieger (1903–1972).
Veröffentlichungen
Dumont, Francis (1955): Die tollen Streiche des Jean Genet, in: Humanitas (Jg. 3), Nr. 2 (Februar), S. 421-424 [Nachdruck aus Die Quelle. Zeitschrift für Theater, Musik, Film 1948 (Jg. 2), Nr. 4 (Juli/August), S. 37-40].
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Eggersbaum, Dieter-Klaus von
Bislang haben sich noch keine biografischen Angaben zu dem Autor Dieter-Klaus von Eggersbaum ermitteln lassen, und es kann nicht entschieden werden, ob es sich überhaupt um einen Klarnamen oder ein Pseudonym handelte. Der einzige Beitrag des Autors in Humanitas erschien in der letzten Ausgaben der Zeitschrift.
Veröffentlichungen
Eggersbaum, Dieter-Klaus von (1955): Unbekannte Soldaten dreier Weltkriege, in: Humanitas (Jg. 3), Nr. 2 (Februar), S. 430-435.
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Fabian, Bodo
Bislang haben sich keine Angaben zur Identität und zum Lebensweg von „Bodo Fabian“ ermitteln lassen. Möglicherweise handelte es sich bei dem Namen um ein Pseudonym. „Bodo Fabian“ war der Autor eines Essays unter dem Titel „Das ethische Problem in der Gegenwart“, das 1953 und 1954 in drei Teilen in Humanitas erschien.
Veröffentlichungen
Fabian, Bodo (1953): Das ethische Problem in der Gegenwart (I), in: Humanitas (Jg. 1), Nr. 6 (Dezember), S. 14-15.
Fabian, Bodo (1954): Das ethische Problem in der Gegenwart (II), in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 1 (Januar), S. 22-24.
Fabian, Bodo (1954): Das ethische Problem in der Gegenwart (III), in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 3 (März), S. 75-77.
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Feith, Walter
Bislang haben sich keine näheren Angaben zur Biografie und zum Lebensweg von „Walter Feith“ ermitteln lassen. Nicht ausgeschlossen werden kann, dass es sich bei dem Namen um ein Pseudonym handelte. In Humanitas veröffentlichte „Walter Feith“ nur einen einzigen Beitrag. Demnach hatte er 1954 einen Vortrag von Botho Laserstein (1901–1955) in Düsseldorf besucht.
Veröffentlichungen
Feith, Walter (1954): Heinrich Heine als Geheimagent europäischer Regierungen, in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 6 (Juni), S. 182-184.
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Gerhard, Kurt (Mitglied der Berliner Gesellschaft für Reform des Sexualrechts)
Zur Biografie
An dem Brüsseler Kongress des International Committee for Sexual Equality (ICSE) von 1958 nahm ein Mitglied der Berliner Gesellschaft für Reform des Sexualrechts (GfRdS) teil. Nach handschriftlichen Aufzeichnungen von Dermot Mack lautete sein Name Kurt Gerhard. Gerhard fungierte auch als Beisitzer des ICSE. Über seine Identität und Biografie haben sich noch keine Angaben ermitteln lassen. Das Berliner Adressbuch von 1957 kennt vier Männer namens Kurt Gerhard.
Möglicherweise war „Gerhard“ aber auch gar kein Familienname, sondern ein zweiter Vorname. Nicht ausgeschlossen ist, dass es sich bei dem Namen um ein Pseudonym handelte.
Kurt Gerhard veröffentlichte 1955 einen Artikel in der Hamburger „Homophilenzeitschrift“ Humanitas, in dem er sich mit der Rolle des Pädagogen als „Prügelknabe“ auseinandersetzte.
Veröffentlichungen
Gerhard, Kurt (1955): Der Lehrer als Prügelknabe, in: Humanitas (Jg. 3), Nr. 2 (Februar), S. 424-427.
Weiterführende Literatur
Anonym (1958): Vorläufige Tagesordnung der 8. Jahresversammlung des ICSE in Brüssel, online hier.
Anonym (1958): Brief minutes of the business session of the I.C.S.E. at Brussels, 1958, online hier.
Pretzel, Andreas (2001): Berlin – „Vorposten im Kampf für die Gleichberechtigung der Homoeroten“. Die Geschichte der Gesellschaft für Reform des Sexualrechts e.V. 1948–1960 (Hefte des Schwulen Museums, 3). Berlin: Verlag rosa Winkel.
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Giese, Hans (Dr. med. et phil., Arzt) geb. 26.6.1920 (Frankfurt/Main) gest. 21. oder 22.7.1970 (Saint-Paul-de-Vence, Frankreich)
Zur Biografie


1941 trat Hans Giese in die NSDAP ein. Da er aufgrund eines Herzfehlers nicht zur Wehrmacht eingezogen wurde, konnte er sein Studium während des Zweiten Weltkriegs fortsetzen. 1943 wurde er zum Dr. phil. und 1946 zum Dr. med. promoviert. Titel seiner medizinischen Dissertation war „Die Formen männlicher Homosexualität“.
1949 gründete Hans Giese in seiner Privatwohnung in Kronberg (Taunus) das Institut für Sexualforschung, das er noch im selben Jahr nach Frankfurt verlegte. Von hier aus beteiligte sich Giese an der Gründung der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung (DGfS) und organisierte den ersten sexualwissenschaftlichen Kongress in der Bundesrepublik Deutschland. Die 1952 von Giese begründete Schriftenreihe „Beiträge zur Sexualforschung“ existiert heute noch.
Hans Giese verfasste selbst zahlreiche Nachschlagewerke und Handbücher zur Sexualwissenschaft, durch die er sich rasch zu dem „einflussreichsten Sexualwissenschaftler der Adenauer-Zeit“ im deutschen Sprachraum profilieren konnte. Er hielt wechselnde Beziehungen als kennzeichnend für den Mann und forderte eine feste Eheform auch für „Homophile“. Für derartige langandauernde Verhältnisse forderte er gesellschaftliche Anerkennung, da er überzeugt war, die gesellschaftliche Ausgrenzung und Aberkennung der Homosexualität führe zu Unbeständigkeit und Neurosen und schade damit der „Volksgesundheit“. Privat war Giese mit dem Schauspieler August Engert (1918–1969) verbunden, den er 1950 kennen gelernt hatte und der zum Teil an der Erstellung seiner Publikationen beteiligt war. Engerts Name wurde dabei aber nicht genannt.
Hans Giese bemühte sich 1949 zunächst, Magnus Hirschfelds Wissenschaftlich-humanitäres Komitee (WhK) neu zu gründen, verwarf die Pläne aber nach kurzer Zeit und distanzierte sich fortan von der nicht-akademisch motivierten „Homophilenbewegung“ seiner Zeit. 1959 zog er mit seinem Institut für Sexualforschung nach Hamburg, wobei sich seine jüngeren Assistenten im Lauf der 1960er Jahre zunehmend von Gieses Positionen distanzierten und sich durch andere Schwerpunktsetzungen selbst einen Namen machten.
Ende 1970 sollte Hans Giese eigentlich eine Gastprofessur an der Universität in Prag (Tschechien) wahrnehmen, doch dazu kam es nicht mehr. Während eines Urlaubs an der französischen Mittelmeerküste verunglückte Giese im Sommer 1970 in der Nähe von Saint-Paul-de Vence tödlich. Die Umstände seines Todes sind bis heute ungeklärt.
Veröffentlichungen (Auswahl)
Giese, Hans (1953): Zweck und Sinn der Eingabe, in: Humanitas (Jg. 1), Nr. 1 (Juli), S. 2-3.
Giese, Hans (1953): Unterschiede in der homosexuellen Beziehung des Mannes und der Frau, in: Bericht des dritten internationalen Kongresses fur sexuelle Gleichberechtigung (I.C.S.E.), 12.–14. September 1953 Amsterdam, S. 30-50, online hier.
Giese, Hans (1953): Unterschiede in der homosexuellen Beziehung des Mannes und der Frau, in: Die Gefährten (Jg. 2), Oktober, S. 2-6.
Giese, Hans (1954): Differences in the Homosexual Relations of Man & Woman, in: International Journal of Sexology (Jg. 7), Nr. 4, S. 225-227 [Übersetzung aus dem Deutschen von M. R. von Dach].
Giese, Hans. Hrsg. (1955): Die Sexualität des Menschen. Handbuch der medizinischen Sexualforschung (1. Aufl.). Stuttgart: Enke.
Giese, Hans (1958): Der homosexuelle Mann in der Welt. Stuttgart: Ferdinand Enke.
Weiterführende Literatur
Dannecker, Martin (1997): Der unstillbare Wunsch nach Anerkennung. Homosexuellenpolitik in den fünfziger und sechziger Jahren, in: Grumbach, Detlef (Hrsg.): Was heißt hier schwul? Politik und Identitäten im Wandel. Hamburg: MännerschwarmSkript-Verlag, S. 27-44.
Dannecker, Martin (2009): Hans Giese (1920–1970). In: Sigusch, Volkmar und Günter Grau (Hrsg.): Personenlexikon der Sexualforschung. Frankfurt am Main/New York: Campus, S. 226-235.
Kühl, Richard (2023): Giese, Hans, in: Frankfurter Personenlexikon.
Liebeknecht, Moritz (2018): Sexualwissenschaft als Lebenswerk. Zur Biografie Hans Gieses (1920–1970), in: Initiative Queer Nations (Hrsg.): Jahrbuch Sexualitäten (Jg. 3), S. 111-132.
Liebeknecht, Moritz (2020): Wissen über Sex. Die deutsche Gesellschaft für Sexualforschung im Spannungsfeld westdeutscher Wandlungsprozesse (Hamburger Beiträge zur Sozial- und Zeitgeschichte, 60). Göttingen: Wallstein Verlag.
Sigusch, Volkmar (2008): Geschichte der Sexualwissenschaft. Frankfurt am Main/New York: Campus, S. 391-429.
Wolfert, Raimund (2015): Homosexuellenpolitik in der jungen Bundesrepublik. Kurt Hiller, Hans Giese und das Frankfurter Wissenschaftlich-humanitäre Komitee (hirschfeld-lectures, 8). Göttingen: Wallstein Verlag.
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Grieger, Charles [eigentlich Karl] (Künstler, Verleger) geb. 6.9.1903 (Berlin) gest. 1972 (Hamburg)
Zur Biografie


Grieger besuchte unter anderem die renommierte Reimann-Schule in Berlin-Schöneberg und die Modezeichenschule von Antonie Feldmann-Kufahl am Kurfürstendamm, bevor er als fester Karikaturist beim Sächsischen Volksblatt in Zwickau (1926/27) und für andere Presseorgane tätig wurde. Er fertigte auch einen Zeichentrickfilm an, musste dann auf Anraten seines Augenarztes aber vorübergehend seinen Beruf aufgeben.
In den 1930er Jahren hat Grieger mutmaßlich für einige Zeit als Grafiker in Bochum gelebt und dort auch eigene Arbeiten ausgestellt. Diese Angaben haben sich aber noch nicht verifizieren lassen. Es heißt, nach 1939 habe Grieger Kriegsdienst geleistet, aber auch hierfür fehlen noch die amtlichen Belege. Belegt ist, dass Grieger 1937 von Berlin aus als Karikaturist einen Antrag auf Vollmitglied in die Fachgruppe Gebrauchsgraphiker der Reichskammer der bildenden Künste gestellt hat. Zu dem Zeitpunkt wollte er seine Leihbücherei in der Moabiter Kirchstraße 15 verkaufen. Offenbar stand Grieger schon zur Zeit des Zweiten Weltkriegs in Verbindung mit dem späteren Kölner Galeristen Rolf Bjerke (1911–1993), der die norwegische Staatsbürgerschaft besaß und dem illegalen Widerstand in der Domstadt angehörte. Nach 1945 konnte Grieger in der Galerie Bjerkes in Köln-Nippes eine Ausstellung bestreiten.
Charles Grieger lebte ab 1947 in Hamburg, wo er in den folgenden Jahren zu einem umtriebigen Verleger der deutschen „Homophilenbewegung“ avancierte. Zusammen mit seinem Lebenspartner, dem Holzbildschnitzer Gustav Leue (1910–um 2000), arbeitete er in dem von Rudolf Ihne aufgebauten Verlag „Die Freundschaft“ mit. Hier erschien ab März 1951 zunächst Griegers erste „homophile“ Zeitschrift: PAN. Literarische Monatsblätter der Freundschaft. Nachdem Ihne seinen Verlag einstellen musste, gründete Charles Grieger im Sommer 1951 seinen eigenen Verlag, in dem ab September desselben Jahres die Zeitschriften Die Freunde [im Mai 1952 umbenannt in freond] und Das kleine Blatt erschienen. Später kam auch die „Monatsschrift für Frauenfreundschaft“ Wir Freundinnen hinzu, und für eine gewisse Zeit war ein eigenständiges Mitteilungsblatt für Transvestiten geplant, das dann aber offenbar doch nicht in Druck ging. Grieger verlegte auch eine Reihe von belletristischen Werken, zum Teil im Taschenformat, sowie die bibliophile Reihe PAN Sonderdrucke, in der mindestens zwei historische „homophile“ Erzählungen in einer Neuauflage erschienen.
Als Charles Grieger mit Verbotsanträgen unter anderem der Hamburger Oberpostdirektion konfrontiert wurde, wurde er durch den Hamburger Rechtsanwalt Friedrich Franz Reinhard (1915–1985) vertreten. Zusammen mit Johannes Dörrast (ca. 1910–nach 1955) gab Grieger Ende 1951 die Entgegnung auf die Schrift ‚Das Dritte Geschlecht‘ des Amtsgerichtsrates R. Gatzweiler des Juristen Paul Hugo Biederich (1907–1968) heraus. Im Nachwort zu der Schrift bezeichneten sich Dörrast und Grieger als „Vorstandsmitglieder“ des Internationalen Komitees für sexuelle Gleichberechtigung (ICSE), das 1951 in Amsterdam gegründet worden war.
Charles Grieger arbeitete vorübergehend auch mit dem Verleger Christian Hansen Schmidt (1909–1962) und dessen Redakteur Erwin Haarmann zusammen. Für die letzten beiden Ausgaben der Zeitschrift Humanitas entwarf er die Titelabbildungen (Signatur „gri“), und noch später (1956) war er an der Entwicklung und am Entstehen der Zeitschrift Zwischen den Anderen beteiligt. Außerdem dürfte er in den 1950er Jahren mit dem Hamburger Verleger Gerhard Prescha (1909–1996) zusammengearbeitet haben, dessen Zeitschrift der neue ring in Layout und Aufmachung an frühere Arbeiten von Charles Grieger erinnern. 1953 gestaltete Grieger auch die Schrift Gesellschaftswidrige Handlungen im Common Law des Hamburger Rechtsanwalts Albrecht D. Dieckhoff (1896–1965).
Der Verlag Charles Grieger wurde am 31. März 1958 aus dem Hamburger Handelsregister gelöscht. Über die Tätigkeiten und Lebensumstände Griegers und seines Lebensgefährten Gustav Leue nach diesem Datum ist heute kaum etwas bekannt.
Veröffentlichungen
Grieger, Charles (1955): [Abbildung auf der Titelseite], in: Humanitas (Jg. 3), Nr. 1 (Januar), [S. 381].
Grieger, Charles (1955): [Abbildung auf der Titelseite], in: Humanitas (Jg. 3), Nr. 2 (Februar), [S. 409].
Grieger, Charles (1955): Zeichnung von Jean Genet, in: Humanitas (Jg. 3), Nr. 2 (Februar), S. 420.
Weiterführende Literatur
Haarmann, Erwin (1954): Aus dem Zeitgeschehen der deutschen homoerotischen Bewegung. Charles Grieger, Mensch und Künstler, in: Hellas (Jg. 2), Nr. 4, S. 132-136.
Pretzel, Andreas. Hrsg. (2002): NS-Opfer unter Vorbehalt. Homosexuelle Männer in Berlin nach 1945 (Berliner Schriften zur Sexualwissenschaft und Sexualpolitik, 3). Münster, Hamburg, London: Lit, S. 307-309.
Reger, Gerd (1955): Gedanken zur Titelzeichnung, in: Humanitas (Jg. 3), Nr. 2 (Februar), S. 411.
Steinle, Karl-Heinz (2017): Charles Grieger: Künstler und Verleger der Homophilenbewegung, in: Küppers, Carolin und Rainer Marbach (Hrsg.): Communities, Camp und Camouflage. Bewegung in Kunst und Kultur (Geschichte der Homosexuellen in Deutschland nach 1945, 6). Hamburg: Männerschwarm Verlag, S. 177-205.
Wolfert, Raimund (2020): Gerhard Prescha (1909–1996), ein Verleger der deutschen „Homophilenbewegung“, in: Mitteilungen der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft, Nr. 65/66, S. 59-69.
Wolfert, Raimund (2025): Erwin Haarmann (1915–1972). Annäherungen an einen „kämpferischen Typ“, den man zur Strecke bringen wollte, in: Mitteilungen der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft, Nr. 75/76, S. 78-103.
Weitere Archivalien
Im Berliner Landesarchiv ist unter der Signatur A Rep. 243-04 Nr. 2704 eine Personalakte zu Karl [„Charles“] Grieger aus dem Bestand der „Reichskammer der bildenden Künste, Landesleitung Berlin“ [1933–1945] überliefert. Die Unterlagen auf den Blättern 1408-1484 (Mikrofilm 49) stammen aus den Jahren 1936 bis 1938.
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Gyburc-Hall, Larion (d.i. Schmitz, Werner)
Haarmann, Erwin (Aktivist, Redakteur) geb. 15.4.1915 (Lüdenscheid) gest. 13.9.1972 (Hagen)
Zur Biografie


Von 1941 bis 1945 war Erwin Haarmann Abteilungsleiter in einem Lüdenscheider Gießereinunternehmen. Er beendete das Arbeitsverhältnis nach Kriegsende aber auf eigenen Wunsch und machte sich als Kaufmann selbstständig. Von seiner religiösen Grundeinstellung hatte er sich offenbar nicht gelöst. Haarmann wurde Mitglied der SPD und hielt 1947 einen Vortrag unter dem Titel „Christentum und Sozialismus“. Dessen Leitgedanken wurden wenig später auch veröffentlicht.
Anfang der 1950er Jahre wurde Erwin Haarmann in seiner Heimatstadt wegen gleichgeschlechtlicher Handlungen kriminalisiert. Im Zuge dessen zog er nach Hamburg, wo er ein umfangreiches Engagement im Rahmen der bundesdeutschen „Homophilenbewegung“ und im Kampf gegen den § 175 StGB entwickelte, der männliche Sexualkontakte mit Strafe belegte.
Haarmann ging eine besonders fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Verleger Christian Hansen Schmidt (1909–1962) ein, mit dem er offenbar auch zusammenwohnte. Die beiden übernahmen sukzessive zentrale Arbeitsbereiche der Bremer „Homophilenvereinigung“ Internationale Freundschaftsloge (IFLO) und verlegten sie nach Hamburg.
Die von Haarmann und Schmidt zu diesem Zweck etablierte Hamburger Gesellschaft für Menschenrechte (GfM) war zeitweise die führende deutsche „Homophilenorganisation“ der 1950er Jahre, auch wenn über die Zahl ihrer Mitglieder und ihr Aktivitätsniveau heute so gut wie keine Angaben vorliegen. Zentrales Betätigungsfeld und Sprachrohr der Organisation war die Zeitschrift Humanitas (1953–1955), die in einer finanziellen „Mischkalkulation“ durch ihr „Schwesterprojekt“, die Zeitschrift Hellas, ermöglicht und abgesichert wurde.
Die Gesellschaft für Menschenrechte verstand sich als eine parteipolitisch und religiös nicht gebundene „Vereinigung von demokratisch gesinnten Menschen, die sich für die Verwirklichung und Weiterentwicklung der Menschenrechte im öffentlichen und privaten Leben“ einsetzte. Sie forderte die „unbedingte Gleichbehandlung“ aller Menschen ohne Unterscheidung nach ihrer sozialen, nationalen, rassischen und geschlechtlichen „Herkunft, Zugehörigkeit und Einstellung“. Den heute einzig bekannten Teilen ihrer Satzung nach nannte sie die Worte „homosexuell“ oder „Homosexualität“ nicht, und insofern kann sie als ein für ihre Zeit typischer „Tarnverein“ verstanden werden.
Belegt ist, dass die Gesellschaft für Menschenrechte um 1954 mehrere Arbeitsgemeinschaften betrieb, so etwa eine theologische, eine juristisch-medizinische, eine pädagogische und eine literarisch-künstlerische. Mit medizinisch-juristischen Befragungen war zudem ein „Institut für soziologische Forschungen“ betraut, das der Gesellschaft für Menschenrechte angegliedert war und dessen Vorsitz der Jurist Botho Laserstein (1901–1955) übernahm.
Als Vorsitzender der Gesellschaft für Menschenrechte und Leiter des GfM-Sekretariats entwickelte Erwin Haarmann um 1954 eine ausgedehnte Reisetätigkeit, in deren Folge sich mehrere Gruppen von „Homophilen“ im gesamten Bundesgebiet der GfM anschlossen. Es bildeten sich sogenannte „Kreise“ in Städten wie Hamburg, Berlin, Essen, Hannover und Bremen.
Als Erwin Haarmann 1954 die im Jahr zuvor vom Landgericht Hagen gegen ihn verhängte Haftstrafe in Hamburg absitzen musste, kamen die beiden Zeitschriftenprojekte der GfM, Humanitas und Hellas, praktisch in Bedrängnis. Finanziell verschärft wurde die Krise auch durch Beschlagnahmungen und Verbotsanträge der Hamburger Staatsanwalt nach dem damals geltenden „Schmutz- und Schundgesetz“ gegen beide Zeitschriften. Wenig später wurde Erwin Haarmann als Vorsitzender der Gesellschaft für Menschenrechte durch Botho Laserstein abgelöst.


Erwin Haarmann galt als Redakteur und zentraler Macher der Hamburger Gesellschaft für Menschenrechte als unbequeme Persönlichkeit. Bei einigen seiner Weggefährten erhielt er den Beinamen „Diktator“, anderen galt er als „kämpferischer Typ“, den man zur Strecke bringen wollte. Offenbar war besonders der Aachener Literaturwissenschaftler Werner Schmitz (1919–1981), der in den 1950er Jahren unter dem Pseudonym „Larion Gyburc-Hall“ für etliche Zeitschriften der deutschen „Homophilenbewegung“ schrieb, Haarmann in Freundschaft zugetan.
Erwin Haarmann starb am 13. September 1972, unweit seiner Geburtsstadt Lüdenscheid, im westfälischen Hagen.
Veröffentlichungen
Haarmann, Erwin (1947): Christentum und Sozialismus. Leitgedanken aus dem Vortrag von Erwin Haarmann (Bildungsvorträge der Sozialdemokratischen Partei Lüdenscheid). Lüdenscheid: Sozialdemokratische Partei [8 Seiten].
Haarmann, Erwin (1953): Angst …, in: Humanitas (Jg. 1), Nr. 4 (Oktober), S. 5-6.
Haarmann, Erwin (1953): Strich und Trümmer, in: Humanitas (Jg. 1), Nr. 5 (November), [S. 6-8].
Ha[armann, Erwin] (1953): Operationsverbot, in: Humanitas (Jg. 1), Nr. 6 (Dezember), S. 13.
Haarmann, Erwin (1954): Die Würde der Menschennatur, in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 1 (Januar), S. 17-20.
Haarmann, Erwin (1954); Moral und Seele – eine Betrachtung über den Menschen unserer Zeit, in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 2 (Februar), S. 48-51.
Haarmann, Erwin (1954): Humanität und Toleranz, in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 3 (März), S. 74.
Haarmann, Erwin (1954): Der Weg zum Menschen, in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 6 (Juni), S. 179-181.
Haarmann, Erwin (1954): Die Menschenrechte sind unteilbar, in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 9 (September), S. 291.
Haarmann, Erwin (1954): 08/15 – und sein Fazit, in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 11 (November), S. 328-329.
Ha[armann, Erwin] (1954): Bilanz über ein Jahr Arbeit der GfM, in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 11 (November), S. 346-348.
Haarmann, Erwin (1955): Schuld und Mitschuld, in: Humanitas (Jg. 3), Nr. 1 (Januar), S. 383.
Haarmann, Erwin (1955): Helden-Leistung [Gedicht], in: Humanitas (Jg. 3), Nr. 2 (Februar), S. 414.
Weiterführende Literatur
Gyburc-Hall, Larion [d.i. Schmitz, Werner] (1954): Dein wahrer Freund. Erwin Haarmann in Freundschaft und Dankbarkeit, in: Hellas (Jg. 2), Nr. 4, S. 117-119.
Pretzel, Andreas. Hrsg. (2002): NS-Opfer unter Vorbehalt. Homosexuelle Männer in Berlin nach 1945 (Berliner Schriften zur Sexualwissenschaft und Sexualpolitik, 3). Münster, Hamburg, London: Lit, S. 325-327 und weitere.
Schlüter, Bastian, Karl-Heinz Steinle und Andreas Sternweiler (2009): Eberhardt Brucks. Ein Grafiker in Berlin. Berlin: Schwules Museum, hier S. 171-180.
Werres, Johannes (1954): Ein beachtliches Referat. Recht und Menschlichkeit [über einen Vortrag Erwin Haarmanns in Essen], in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 10 (Oktober), S. 309-311.
Werres, Johannes (1990): Als Aktivist der ersten Stunde. Meine Begegnungen mit homosexuellen Gruppen und Zeitschriften, in: Capri. Zeitschrift für schwule Geschichte (Jg. 3), Nr. 1, S. 33–51.
Wolfert, Raimund (2025): Erwin Haarmann (1915–1972). Annäherungen an einen „kämpferischen Typ“, den man zur Strecke bringen wollte, in: Mitteilungen der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft, Nr. 75/76, S. 78-103.
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Hagen, Hartwig bzw. W. (offenbar Dr. med., Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten)
Bislang hat sich nicht ermitteln lassen, ob es sich bei den beiden Autoren „Hartwig Hagen“ und „W. Hagen“ um ein und dieselbe Person handelte. Der Name lässt auch an das Pseudonym „Hagen Hartmann“ denken, hinter dem sich ein Nürnberger Arzt mit den Initialen „Dr. W. M.“ verborgen haben dürfte. In Humanitas veröffentlichte „W. Hagen“ auch unter der Rubrik „Der Arzt spricht“, und bei der Gelegenheit wurde er als Facharzt für Venerologie ausgegeben.
Veröffentlichungen
Hagen, Hartwig (1954): Eros und die männliche Gesellschaft – eine zeitgeschichtliche Betrachtung, in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 3 (März), S. 81-83.
Hagen, W. (1954): Geschlechtsumwandlung (Der Arzt spricht), in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 1 (Januar), S. 15-17.
Hagen, W. (1954): Homoerotik im Kindesalter, in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 6 (Juni), S. 184-186.
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Hartmann, Hagen (Dr. med., Arzt aus Nürnberg)
Zur Biografie
Bislang hat sich nicht ermitteln lassen, wer sich hinter dem Pseudonym „Hagen Hartmann“ verbarg – und offenbar bediente sich der Autor in Humanitas nicht nur dieses einen Pseudonyms, sondern nannte sich bei anderen Veröffentlichungen auch „Werner Bäumer“. Als „Hagen Hartmann“ gab er an, ausgebildeter Arzt zu sein und in Nürnberg zu leben. Ein Arzt dieses Namens hat sich in der historischen Einwohnermeldekartei der Stadt Nürnberg aber bislang nicht ermitteln lassen.
Möglicherweise bringt aber ein redaktioneller Fehler in der Schweizer „Homophilenzeitschrift“ Der Kreis noch auf die Spur des Autors. Denn ein Artikel, den dieser als „Werner Bäumer“ in Humanitas veröffentlichte, erschien zeitgleich auch unter dem Pseudonym „Hagen Hartmann“ im Kreis, hier allerdings mit dem wohl unbeabsichtigten Zusatz, bei dem Autor handele es sich eigentlich um „Dr. W. M.“ aus Nürnberg. Nach dem Nürnberger Adressbuch gab es 1954 drei Ärzte in der Stadt, auf die die Initialen „W. M.“ zutreffen, zwei Allgemeinärzte und einen Augenarzt.
„Hagen Hartmann“ nahm am 4. und 5. Dezember 1954 neben Erwin Haarmann (1915–1972), Botho Laserstein (1901–1855) und „Bob Angelo“ (d.i. Niek Engelschman, 1913–1988) aus Amsterdam ebenfalls an einer „Verwaltungsratssitzung und Arbeitstagung“ der Hamburger Gesellschaft für Menschenrechte (GfM) in Frankfurt am Main teil.
Veröffentlichungen
Bäumer, Werner [d.i. Hartmann, Hagen] (1954): Wissenschaft, Populärwissenschaft, Pseudowissenschaft, in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 10 (Oktober), S. 306-308.
Bäumer, Werner [d.i. Hartmann, Hagen] (1954): Schönheit und Unsterblichkeit, in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 12 (Dezember), S. 361-362.
Bäumer, Werner [d.i. Hartmann, Hagen] (1955): Die Schweiz und die Fremdenlegion, in: Humanitas (Jg. 3), Nr. 1 (Januar), S. 387-390.
Hartmann, Hagen (1954): Irritierbare Erotik, in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 2 (Februar), S. 45-47.
Hartmann, Hagen (1954): Die Jungen – wo sollen sie beginnen?, in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 8 (August), S. 245-247.
Hartmann, Hagen (1954): Jugendliche Homoeroten in der ärztlichen Sprechstunde, in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 9 (September), S. 286-289.
Hartmann, Hagen (1954): Strichjungen – psychologisch betrachtet, in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 11 (November), S. 336-340.
Hartmann, Hagen (1954): Schönheit und Unsterblichkeit, in: Der Kreis (Jg. 22), Nr. 12 (Dezember), S. 10-11. [Hier mit dem redaktionellen Zusatz, bei dem Autor des Artikels handele es sich eigentlich um „Dr. W. M.“ aus Nürnberg.]
Weiterführende Literatur
Wolfert, Raimund (2025): Erwin Haarmann (1915–1972). Annäherungen an einen „kämpferischen Typ“, den man zur Strecke bringen wollte. In: Mitteilungen der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft, Nr. 75/76, S. 78-103.
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Heedfeld, Hans-Otto (Dr. phil.)
Bislang haben sich keine Angaben zur Identität und zum Lebensweg von „Hans-Otto Heedfeld“ ermitteln lassen. Offenbar handelte es sich bei dem Namen um ein Pseudonym. In Humanitas hat „Hans-Otto Heedfeld“ nur einen Beitrag veröffentlicht.
Veröffentlichungen
Heedfeld, Hans-Otto (1954): Homosexualität, Inversion, Homoerotik und Homophilie, in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 12 (Dezember), S. 373-375.
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Henry, Frank (Priester)
Bislang haben sich keine Angaben zur Identität und zum Lebensweg von „Frank Henry“ ermitteln lassen. Offenbar handelte es sich bei dem Namen um ein Pseudonym. In Humanitas hat „Frank Henry“ nur einen Beitrag veröffentlicht. Er wurde dabei als Priester bezeichnet.
Veröffentlichungen
Henry, Frank (1954): Der Mann in der Theologie, in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 3 (März), S. 78-80.
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Heynold, Blida
Bislang hat sich nicht ermitteln lassen, wer sich hinter dem Pseudonym „Blida Heynold“ verbarg.
Veröffentlichungen
Heynold, Blida (1953): Der liebe Gott ging ins Auktionslokal (Die gute Tat), in: Humanitas (Jg. 1), Nr. 1 (Juli), S. 7.
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Hössli, Heinrich (Putzmacher, Schriftsteller) geb. 6.8.1784 (Glarus, Schweiz) gest. 24.12.1864 (Winterthur, Schweiz)
Die Zeitschrift Humanitas rekurrierte nun in wenigen Fällen auf die wissenschaftliche und emanzipatorische Literatur zur Homosexualität, die vor 1933 entstanden war. Magnus Hirschfeld wurde abgesehen von dem etwas entstellten Motto in der ersten Ausgabe von Humanitas kaum genannt. Neben einem kurzen Text von Albert Moll (1862–1939) bildete ein Beitrag des Schweizers Heinrich Hössli ein Unikum.
Veröffentlichung (in Humanitas)
Hössli, Heinrich (1953): Gedanken eines Schweizers über die Männerliebe, in: Humanitas (Jg. 1), Nr. 1 (Juli), S. 6 [siehe auch: Hössli, Heinrich (1947): Gedanken über die Männerliebe, in: Der Kreis (Jg. 15), Nr. 12 (Dezember), S. 4].
Weiterführende Literatur
Hergemöller, Bernd-Ulrich. Hrsg. (2010): Mann für Mann. Biographisches Lexikon zur Geschichte von Freundesliebe und männlicher Sexualität im deutschen Sprachraum (Bd. 1). Berlin/Münster: Lit, S. 558-560.
Karsch, Ferdinand (1903): Der Putzmacher von Glarus Heinrich Hössli, ein Vorkämpfer der Männerliebe. Ein Lebensbild. Leipzig: Max Spohr [Nachdruck New York: Arno Press 1975].
Thalmann, Rolf. Hrsg. (2014): „Keine Liebe ist an sich Tugend oder Laster.“ Heinrich Hössli (1784–1864) und sein Kampf für die Männerliebe. Zürich: Chronos.
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Hurrelmann, Hans (Fischhändler) geb. 30.10.1910 (Bremen) gest. 11.5.1995 (Bremen)
Zur Biografie


Nach Angaben von Herbert Schmidt (1927–2014) war Hurrelmann die treibende Kraft hinter der Bremer Internationalen Freundschaftsloge (IFLO), deren Gründungsversammlung im September 1951 er auch einberief. Die Vorstandssitzungen fanden bei ihm zu Hause statt. Offiziell galt Hurrelmann nur als „zweiter Vorsitzender“ der IFLO nach Friedrich Rickel (1914–2008), und offenbar nannte er sich in dieser Funktion „J. Baumgärtel“. In gelegentlichen Veröffentlichungen soll er sich des Pseudonyms „R. Walter“ bedient haben, gemeint war aber offenbar „R. Wolter“. In „homophilen“ Kreisen in Bremen wurde Hans Hurrelmann „Aletta“ genannt, und er galt als mutiger und „herzensguter” Mensch. In rechtlichen Fragen kannte er sich nicht gut aus, wie er überhaupt kein Intellektueller gewesen sei: „Er war ein Original und hatte eine gewissen Narrenfreiheit. […] Er hat alles nicht so ernst genommen.“
Hans Hurrelmann hatte schon in den 1920er Jahren Kontakte zur Bremer Ortsgruppe im Bund für Menschenrecht (BfM) unterhalten, die sich unter anderem im „Hotel Germania“ (An der Weide 17) traf. Die Mitgliederlisten der Ortsgruppe wurden nach Hurrelmann rechtzeitig vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten vernichtet, so dass in der Stadt niemand wegen seiner Mitgliedschaft Nachteile erlitt. Nach 1933 erfolgte die (illegalen) Treffen weiter privat.
In der frühen Nachkriegszeit engagierte sich Hans Hurrelmann in der bundesdeutschen „Homophilenbewegung“ auch über den Zusammenbruch der IFLO um 1957 hinaus. 1956 hatten Hurrelmann und Rickel Kontakt mit Kurt Hiller (1885–1972) in Hamburg aufgenommen, und noch als Hiller um den Jahreswechsel 1962/63 einen erneuten Versuch unternahm, das Wissenschaftlich-humanitäre Komitee (WhK) in Hamburg neu zu gründen, war Hurrelmann einer der ersten zwölf angeschriebenen und eingeladenen Interessenten. Hurrelmann gehörte bis mindestens 1967 als Beisitzer dem Vorstand des WhK Hillers an.
Hans Hurrelmann engagierte sich in den 1950er und 1960er Jahren politisch für die SPD und trat auch als Mitbegründer eines Kultur- und Nachbarschaftszentrums im Stadtteil Buntentor von Bremen hervor. Befreundet war er unter anderem mit Henning Scherf (geb. 1938), dem mehrmaligen Senator (unter anderem für Jugend und Soziales) und späteren Bürgermeister und Präsidenten des Senats der Freien Hansestadt Bremen.
Als Hurrelmann am 11. Mai 1995 im Alter von 84 Jahren in einem Altersheim starb, erschienen in der Bremer Tagespresse mehrere Traueranzeigen, die belegten, wie bekannt und geschätzt er in der Stadt war. Der Bremer Landesverband der SPD etwa ließ verlauten: „Wir haben ihn alle geliebt und in unser Herz geschlossen. […] Bremen und die Sozialdemokratie wird durch seinen Tod ärmer sein.“ Henning Scherf teilte noch 2012 in einem privaten Brief mit: „Hans war der erste schwule Mensch in meinem Leben. Wir mochten ihn alle sehr gern.“
Veröffentlichungen
H[urrelmann], H[ans] (1953): IFLO-Nachrichten, in: Humanitas (Jg. 1), Nr. 1 (Juli), S. 8.
H[urrelmann], H[ans] (1953): IFLO-Nachrichten, in: Humanitas (Jg. 1), Nr. 2 (August), S. 8.
Hurrelmann, Hans (1953): Staatsraison oder Menschenrecht – ?, in: Humanitas (Jg. 1), Nr. 6 (Dezember), S. 15.
Wolter, Reinhard (1953): Das Problem der Homosexualität in der amerikanischen Armee während des letzten Krieges, in: Der Weg zu Freundschaft und Toleranz (Jg. 3), Nr. 4 (April), S. 12-14 [bei der Namensform „R. Wolter“ handelt es sich möglicherweise um einen Schreibfehler, gemeint dürfte „R. Walter“ gewesen sein].
Wolter, Reinhard (1954): Ein „Kirchlicher Bericht“ und einige Fragen, in: Der Weg zu Freundschaft und Toleranz (Jg. 4), Nr. 5 (Mai), S.183-184.
Wolter, R[einhard] (1954): Erklärung, in: Der Weg (Jg. 4), Nr. 6 (Juni), S. 227.
Wolter, Reinhard (1954): Roman einer Freundschaft [über Walter Baxter: Blick gnädig herab], in: Der Weg zu Freundschaft und Toleranz (Jg. 4), Nr. 7 (Juli), S. 260.
Weiterführende Literatur
Lautmann, Rüdiger (1984): Der Zwang zur Tugend. Die gesellschaftliche Kontrolle der Sexualitäten (Edition Suhrkamp NF 189). Frankfurt am Main: Suhrkamp, S. 156-180 (hier genannt mit dem Kürzel „H. Hu.“).
Wolfert, Raimund (2012): Zur Geschichte der Internationalen Freundschaftsloge (IFLO). Ein Nachtrag, in: Mitteilungen der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft, Nr. 49, S. 38-51.
Wolfert, Raimund (2025): Erwin Haarmann (1915–1972). Annäherungen an einen „kämpferischen Typ“, den man zur Strecke bringen wollte, in: Mitteilungen der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft, Nr. 75/76, S. 78-103.
Wolfert, Raimund (2025): Zeugnisse einer vergangenen „Clubkultur“. Eine Fotostrecke aus dem Umfeld der Bremer Internationalen Freundschaftsloge (IFLO), in: Mitteilungen der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft, Nr. 75/76, S. 75-77.
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Jung, Rudolf [Alexander] (Schriftsteller, Übersetzer) geb. 8.1.1907 (Bad Laasphe) gest. 18.1.1972 (Zollikon, Schweiz)
Zur Biografie


Um 1940 soll Rudolf Jung wegen eines Vergehens gegen § 175 StGB verurteilt und inhaftiert worden sein. 1942 wurde er zum Kriegsdienst an der Waffe eingezogen, und kurz vor Kriegsende geriet er in amerikanische Gefangenschaft, wodurch er in die USA gelangte. Nach eigenen Angaben kam Jung über Beziehungen nach Hollywood, wo er zusammen mit anderen deutschsprachigen Emigranten für Metro-Goldwyn-Meyer Filmideen entwickelte, die auf Stoffen aus der deutschsprachigen Literatur basierten.
Nach seiner Rückkehr nach Deutschland wurde Rudolf Jung zunächst in Bremen als Übersetzer für die Alliierten tätig, doch zog er schon wenig später in die Sowjetische Besatzungszone. In Jena wurde er 1948 im Alter von über dreißig Jahren von der Witwe Minna Hermine Minette Burkhardt geb. Gutmann an Kindes statt angenommen, woraus sich Jungs späteres „Pseudonym“ Burkhardt erklärt. Zudem sich er um diese Zeit erneut wegen eines Verstoßes gegen den § 175 StGB angeklagt worden sein, doch entzog er sich der Verhaftung und Verurteilung durch Flucht nach England. Von 1950 bis 1955 arbeitete er als Lektor am Institut für deutsche Sprache der Universität in Bristol.
Ab etwa 1951 war Rudolf Jung Mitarbeiter der Schweizer „Homophilenzeitschrift“ Der Kreis, wobei er sich meist der Namensform „Rudolf Burkhardt“ bediente. Er schrieb aber auch als „R. Young“ und „Christian Graf“ Kurzgeschichten, Gedichte, Essays und Rezensionen. Auch die beiden Beiträge, die „Burkhardt“ alias Jung in der Hamburger Zeitschrift Humanitas veröffentlichte, waren zunächst im Kreis erschienen. Vermutlich sind sie mit seinem Einverständnis in der Zeitschrift nachgedruckt worden, doch hielt er sich wenig später in seiner Kritik an den Geschäftspraktiken von Christian Hansen Schmidt (1909–1962) und Erwin Haarmann (1915–1972), den beiden Machern von Humanitas, kaum zurück: „Völlige Undurchsichtigkeit in der Geschäftsführung der ‚Humanitas‘, die Anklagen gegenseitigen Betruges, der Kampf um die Zeitschrift um jeden Preis, selbst auf den hin, die Zeitschrift des anderen anonym bei der Polizei zu verdächtigen, Vorwürfe unsauberer Geschäftsführung, die Frage […] woher bei Neugründungen von Zeitschriften das Adressenmaterial kommt – so könnte man diese unerfreuliche Liste noch endlos weiterführen, wenn nicht hinter diesen hässlichen Machtkämpfen (und dem Willen, den anderen unschädlich zu machen) die traurige und fast nicht wieder gutzumachende Tatsache stünde, dass die Bewegung in Deutschland durch diese Machenschaften einen Schlag erhalten hat, von dem sie sich in Jahren nicht mehr erholen wird.“
1955 zog Rudolf Jung in die Schweiz und ließ sich in Zürich nieder, wo er auf Betreiben des Buchhändlers Kurt Stäheli eine Arbeitserlaubnis erhielt. Stäheli, der als homosexueller Mann Abonnent des Kreis war, hatte sich auf den Verkauf englischsprachiger Fachbücher und Literatur spezialisiert und konnte so gut argumentieren, dass Jungs englischen Sprachkenntnisse für dessen Tätigkeit in der Buchhandlung unabdingbar seien. Privat freundete sich Rudolf Jung mit „Rolf“ (Karl Meier, 1897–1974), dem Herausgeber des Kreis an und wurde dessen Sekretär und engster Mitarbeiter. Bis 1967 war er neben Meier sogar der einzige Autor des Kreis, der für seine Tätigkeiten vergütet wurde. 1966 gelang ihm ebenfalls die Einbürgerung in die Schweiz.
Rudolf Jung starb am 18. Januar 1972 in Zollikon im Schweizer Kanton Zürich. Bis zu seinem Tod unterhielt er aber auch eine Zweitwohnung in Berlin, die er zusammen mit seinem Adoptivsohn bewohnte.
Veröffentlichungen (Auswahl)
Burkhardt, Rudolf [d.i. Jung, Rudolf] (1953): James Barr. Bildnis eines amerikanischen Dichters, in: Humanitas (Jg. 1), Nr. 2 (August), S. 6-7 [vgl. Young, R.: James Barr. Profile of an American Author, in: Der Kreis (Jg. 21), Nr. 5 (Mai), S. 31-32].
Burkhardt, Rudolf [d.i. Jung, Rudolf] (1953): Ein Buch mit zwei Gesichtern. Bemerkungen zu dem Roman „Look down in Mercy“ von Walter Baxter, in: Hellas (Jg. 1), Nr. 3 (Dezember), S. 106-108.
Burkhardt, Rudolf [d.i. Jung, Rudolf] (1954): Neue Bücher aus England, in: Hellas (Jg. 2), Nr. 2 (Februar), S. 67-68.
Burkhardt, Rudolf [d.i. Jung, Rudolf] (1954): Anglikanische Kirche zur Homosexualität, in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 6 (Juni), S. 189-190 [vgl. Burkhardt, Rudolf: Ein Hoffnungsschimmer aus England?, in: Der Kreis (Jg. 22), Nr. 4 (April), S. 51-52].
Burkhardt, Rudolf [d.i. Jung, Rudolf] (1957): My Very Life Began …, in: Der Kreis (Jg. 25), Nr. 12 (Dezember), S. 46-54.
Burkhardt, Rudolf [d.i. Jung, Rudolf] [1957]: Der Sturm bricht los. Der Streit über den Wolfenden-Report in England. Ein Report über einen Report. Kommentare und Übersetzungen. Zürich: Der Kreis.
J[ung], R[udolf] (1955): Offener Brief an meine deutschen Kameraden, in: Der Kreis (Jg. 23), Nr. 10 (Oktober), S. 15-16.
Weiterführende Literatur
Hergemöller, Bernd-Ulrich (2010): Jung, Rudolf („Burkhardt, Rudolf“), in: ders. (Hrsg.): Mann für Mann. Biographisches Lexikon zur Geschichte von Freundesliebe und mannmännlicher Sexualität im deutschen Sprachraum (Bd. 1). Berlin/Münster: Lit, S. 616-617.
Lifka, Erich (1980): Rudolf Jung-Burkhardt – Sein Leben und Werk, in: Hohmann, Joachim S. (Hrsg.): Der Kreis. Erzählungen und Fotos. Frankfurt/M., Berlin: Foerster Verlag, S. 261-265.
Ostertag, Heinz (2005): Rudolf Jung / Rudolf Burkhardt, auf: schwulengeschichte.ch.
Steinle, Karl-Heinz (1999): Der Kreis. Mitglieder, Künstler, Autoren (Hefte des Schwulen Museums, 2). Berlin: Verlag rosa Winkel.
Steward, Samuel Morris [1980]: Chapters from an Autobiography. San Francisco: Grey Fox Press.
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Klimmer, Rudolf (Dr. med., Arzt, Sexualforscher) geb. 17.5.1905 (Dresden) gest. 26.7.1977 (Wuppertal)
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Während des Nationalsozialismus wurde Rudolf Klimmer 1938 und 1940 wegen sogenannter „widernatürlicher Unzucht“ zu Gefängnisstrafen verurteilt. Zudem erhielt er Berufsverbot. 1939 wurde er vom Deutschen Ärztegerichtshof für einen Zeitraum von fünf Jahren „von weiterer behandelnder Tätigkeit in der öffentlichen Fürsorge“ ausgeschlossen, und am 14. Mai 1941 wurde ihm von der Universität Leipzig sein Doktortitel aberkannt. In der Folge wurde Klimmer in der medizinischen Forschung der Schering AG in Berlin tätig, wo er mit der Entwicklung neuer Medikamente betraut war.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs eröffnete Rudolf Klimmer in Dresden zunächst eine eigene Praxis für Nerven- und Gemütskrankheiten, und 1950 wurde er zum Chefarzt der Nervenklinik an der Poliklinik Dresden-Löbtau ernannt.
Sein Engagement gegen den § 175 des deutschen Strafgesetzbuches, der zunächst noch in der von den Nationalsozialisten verschärften Form von 1935 in Kraft war, begann Rudolf Klimmer 1947. Er richtete einen Antrag an den Landesvorstand Sachsen der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) und plädierte für die Abschaffung des „Homosexuellenparagrafen“. Der Antrag wurde indes vom Zentralkomitee der SED in Berlin abgelehnt. Ab 1950 schrieb Klimmer zudem mehrere Beiträge für die Zeitschrift Neue Justiz, in denen er sich für die Entkriminalisierung der Homosexualität aussprach, und 1954 wandte er sich mit einem persönlichen Schreiben an Walter Ulbricht (1893–1973), den stellvertretenden Ministerpräsidenten der DDR in der Regierung Otto Grotewohl, in dem er diesen aufforderte, sich mit der „Frage der Homosexualität“ zu beschäftigen.
Als Rudolf Klimmer keine Druckerlaubnis für sein Manuskript Die Homosexualität als biologisch-soziologische Zeitfrage erhielt, ließ er das Buch 1958 illegal in Hamburg drucken. Zehn Jahre später wurde der § 175 in der DDR reformiert, aber dies erfolgte nicht unter Verweis auf die Forschungsergebnisse und Thesen Klimmers, sondern auf die des tschechischen Sexualwissenschaftler Kurt Freunds (1914–1996), der auch bereits zu entsprechenden Gesetzesänderungen in der Tschechoslowakei beigetragen hatte. Klimmer erreichte aber immerhin, dass der neue § 151 in der DDR keine Mindeststrafe umfasste und auch eine Bewährungsstrafe möglich war.
Rudolf Klimmer war – offenbar aus Utilitätsgründen – von 1943 bis 1948 verheiratet. Ab etwa 1954 lebte er zusammen mit seinem Lebensgefährten Armin Schreier, den er offiziell als seinen Stiefsohn ausgab. Nach dem Eintritt ins Rentenalter konnte Rudolf Klimmer mehrfach in die Bundesrepublik Deutschland einreisen, und während einer solchen Reise verstarb er am 26. Juli 1977 bei Verwandten in Wuppertal.
Veröffentlichungen (Auswahl)
Klimmer, Rudolf (1953): Homosexualität und Strafbarkeit (Der Arzt hat das Wort), in: Humanitas (Jg. 1), Nr. 6 (Dezember), S. 11-14.
Klimmer, Rudolf (1954): Zur Neufassung der Strafbestimmungen, in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 1 (Januar), S. 21-22.
Klimmer, Rudolf (1954): Ist die Homosexualität psychogenetisch oder anlagebedingt? [I.], in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 10 (Oktober), S. 317-318 [Nachdruck aus Der Nervenarzt, 1949].
Klimmer, Rudolf (1954): Ist die Homosexualität psychogenetisch oder anlagebedingt? II., in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 11 (November), S. 341-344 [Nachdruck aus Der Nervenarzt, 1949].
Klimmer, Rudolf (1954): Ist die Homosexualität psychogenetisch oder anlagebedingt? III., in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 12 (Dezember), S. 370-372 [Nachdruck aus Der Nervenarzt, 1949].
Klimmer, Rudolf (1955): Ist die Homosexualität psychogenetisch oder anlagebedingt? IV., in: Humanitas (Jg. 3), Nr. 1 (Januar), S. 404-405 [Nachdruck aus Der Nervenarzt, 1949].
Klimmer, Rudolf (1955): Ist die Homosexualität psychogenetisch oder anlagebedingt? V., in: Humanitas 1955 (Jg. 3), Nr. 2 (Februar), S. 436-438 [Nachdruck aus Der Nervenarzt, 1949].
Klimmer, Rudolf (1958): Die Homosexualität als biologisch-soziologische Zeitfrage. Hamburg: Kriminalistik [2. Auflage 1961, 3. Auflage 1965].
Weiterführende Literatur
Grau, Günter (1998): Ein Leben im Kampf gegen den Paragraphen 175. Zum Wirken des Dresdner Arztes Rudolf Klimmer 1905–1977, in: Herzer, Manfred (Hrsg.): 100 Jahre Schwulenbewegung. Dokumentation einer Vortragsreihe in der Akademie der Künste. Berlin: Verlag rosa Winkel, S. 47-64.
Grau, Günter (2009): Rudolf Klimmer, in: Sigusch, Volkmar und Günter Grau (Hrsg.): Personenlexikon der Sexualforschung. Frankfurt am Main: Campus, S. 360-366.
Hergemöller, Bernd-Ulrich (2010): Klimmer, Rudolf, in: ders. (Hrsg.): Mann für Mann. Biographisches Lexikon zur Geschichte von Freundesliebe und mannmännlicher Sexualität im deutschen Sprachraum (Bd. 1). Berlin/Münster: Lit, S. 663-664.
Zinn, Alexander (o.J.): Rudolf Klimmer. Arzt und Sexualwissenschaftler, online hier.
Weitere Archivalien
Die Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft hat 2022 von Günter Grau einen Teilnachlass des Dresdner Arztes und Sexualforschers Rudolf Klimmer (1905–1977) übernommen.
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Körner, Erich (Prof. Dr., Generalsekretär der ÖLfM) geb. 21.11.1922 (Leoben, Österreich) gest. 16.8.1985 (Wien, Österreich)
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Von 1964 bis zu seinem Tod war Erich Körner Generalsekretär der Österreichischen Liga für Menschenrechte in Wien, ab 1985 auch deren Ehrenpräsident. Ab 1964 fungierte er zudem als Chefredakteur der Vierteljahreszeit der Organisation, Das Menschenrecht – offizielles Organ der Österreichischen Liga für Menschenrechte. Erich Körner war auch in etlichen anderen Organisationen und Redaktionen seiner Zeit ehrenamtlich tätig, so im Roten Kreuz, dem Verband sozialistischer Studenten und im Grazer Abwehr – Monatsblätter für demokratisches Österreichertum. Der Professorentitel wurde ihm 1973 verliehen. Erich Körner starb am 16. August 1985 in Wien.
In einem Nachruf schrieb dessen Weggefährte und Nachfolger als Generalsekretär der Österreichischen Liga für Menschenrechte Feliks J. Bister (geb. 1939), Körners Persönlichkeit habe aus einem radikalen Nonkonformismus gelebt. Körner sei kein „bequemer Bekannter und Freund“, aber ein „ruheloser Eiferer für die Sache der LIGA“ gewesen, der „als solcher mit seiner Umgebung notgedrungen in Konflikt geraten musste“. Da Körner selbst einen „oft zwanzigstündigen Arbeitstag“ hatte, konnte kaum jemand seinen Erwartungen entsprechen.
Bister zitierte Körner auch mit den Worten: „An gegebene Unzulänglichkeiten aber sollten wir uns nicht gewöhnen, sondern sie immer wieder offen aufzeigen. Damit beschmutzen wir keineswegs unser eigenes Nest, sondern helfen mit, es sauber zu machen! Ein aufrichtiges Bekenntnis zu den unteilbaren Menschenrechten muß aber denknotwendig ein ebensolches zu den sie erst ermöglichenden und sie sichernden Menschenpflichten einschließen.“
Veröffentlichungen
Körner, Erich (1952): Dringende Rechtsreformen, in: Das Menschenrecht. Offizielles Organ der Österreichischen Liga für Menschenrechte (Jg. 8), Nr. 11/12 (November/Dezember), S. 3-4.
Körner, Erich (1953): Dringende Rechtsreformen (Fortsetzung), in: Das Menschenrecht. Offizielles Organ der Österreichischen Liga für Menschenrechte (Jg. 9), Nr. 1/2 (Januar/Februar), S. 1-3.
Körner, Erich (1953): Die Situation in Österreich, in: Der Weg zu Freundschaft und Toleranz (Jg. 3), Nr. 3 (März), S. 23-26.
Körner, Erich (1953): Dringende Rechtsreformen in Oesterreich, in: Der Kreis (Jg. 21), Nr. 4 (April), S. 5-8.
Körner, Erich (1953): Die Strafbarkeit der homosexuellen Betätigung in Oesterreich, in: Der Kreis (Jg. 21), Nr. 5 (Mai), S. 2-3.
Körner, Erich (1953): Dringende Rechtsreform [Teil 1], in: Humanitas (Jg. 1), Nr. 1 (Juli), S. 4-5 [Nachdruck aus Das Menschenrecht, Januar 1953].
Körner, Erich (1953): Dringende Rechtsreform (Teil 2), in: Humanitas (Jg. 1), Nr. 2 (August), S. 6 [Nachdruck].
Weiterführende Literatur
fjb [d.i. Bister, Feliks J.) (1985): Abschied von einem Anwalt der Menschenrechte. Worte des Gedenkens, in: Das Menschenrecht. Offizielles Organ der Österreichischen Liga für Menschenrechte (Jg. 40), Nr. 3 (Folge 202), S. 2.
Treiblmayr, Christopher (2016): „… mit dem heutigen Begriffe der Menschenrechte unvereinbar.“ Zum Engagement der Österreichischen Liga für Menschenrechte für Homosexuelle, in: Mitteilungen der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft, Nr. 55/56, S. 50-65.
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Kruhm, August (Journalist) geb. 26.8.1892 (Frankfurt/Main) gest. 12.3.1973 (Frankfurt/Main)
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August Kruhm wurde am 26. August 1892 in Frankfurt/Main geboren. Nach dem Besuch der Klinger-Oberrealschule ließ er sich zum Kaufmann ausbilden. Er arbeitete einige Zeit im hessischen Kassel, bevor er im Ersten Weltkrieg zum Militärdienst eingezogen wurde. Nach dem Tod seines Stiefvaters übernahm er 1926 dessen Reparaturgeschäft für Waagen und führte es bis 1939 weiter.
Schon in jungen Jahren hatte August Kruhm angefangen zu schreiben, und früh wurde er freier literarischer Mitarbeiter für eine Reihe von Zeitungen und Zeitschriften. Er schrieb Musikkritiken und mehr als 30 Hörspiele für den Rundfunk. Sein literarisches Debüt legte er 1925 mit einem Gedichtband vor.
August Kruhm war bereits in den 1920er Jahren Mitglied im Wissenschaftlich-humanitären Komitee (WhK) Magnus Hirschfelds, und er war eng mit dem Frankfurter Vereinsaktivisten Hermann Weber (1882–1955) und dessen Freund Paul Dalquen (1893–1975) befreundet. Zur Zeit des Zweiten Weltkriegs wurde Kruhm zweimal verhaftet und zu Gefängnisstrafen verurteilt – ein Mal, weil ihm ein Verstoß gegen den § 175 RStGB zum Verhängnis wurde, und das andere Mal, weil er sich „im staatsabträglichen Sinne“ geäußert haben soll.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war Kruhm zunächst Feuilletonredakteur der Frankfurter Rundschau, wechselte aber bald in das Archiv der Zeitung. Nach Angaben von Kollegen und Freunden suchte er nie das Rampenlicht und lebte „zurückgezogen zwischen seinen Büchern, Schallplatten und vielfältigen Erinnerungsstücken“.
Im Rahmen der „Homophilenbewegung“ der Nachkriegszeit betätigte sich August Kruhm nachweislich ab 1948. Er schrieb Artikel für die Schweizer „Homophilenzeitschrift“ Der Kreis und später auch für die Die Gefährten, die Frankfurter Mitgliederzeitschrift des Frankfurter Vereins für humanitäre Lebensgestaltung (VhL). Hierbei veröffentlichte er seine Beiträge – was für seine Zeit ungewöhnlich ist – zum Teil unter seinem Klarnamen und oft mit der zusätzlichen Ortsangabe „Frankfurt am Main“.
August Kruhm starb am 12. März 1973, ein halbes Jahr nach seinem 80. Geburtstag, in seiner Heimatstadt Frankfurt/Main.
Veröffentlichungen (Auswahl)
Kruhm, August (1955): Goethe und Humanitas, in: Humanitas (Jg. 3), Nr. 1 (Januar), S. 384.
Kruhm, August (1955): Organstörungen und Perversionen im Liebesleben / Enthülltes Paris [unter der Rubrik „Neue Bücher“], in: Humanitas (Jg. 3), Nr. 2 (Februar), S. 438-439.
Weiterführende Literatur
K., A. [= August Kruhm?] (1952): Sittlichkeitsbegriff und Rechtsempfinden. 2. Internationaler Kongress für sexuelle Gleichberechtigung, in: Der Kreis 1952 (Jg. 20), Nr. 9 (September), S. 4-5.
Wolfert, Raimund (2017): „Musik ist kein Strohhalm, der zerbricht …”. August Kruhm (1892–1973), eine bio-bibliographische Skizze. In: Mitteilungen der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft Nr. 57, S. 47-51.
Wolfert, Raimund (2020): Kruhm, August. In: Frankfurter Personenlexikon.
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Laserstein, Botho (Dr. jur., Rechtsanwalt, Richter und Publizist) geb. 31.7.1901 (Chemnitz) gest. 9.3.1955 (Düsseldorf)
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Eine Konstante im Leben Botho Lasersteins war der Kampf für ein neues Sexualstrafrecht, den er als Jurist und Publizist weitgehend isoliert ausfocht. In Humanitas widmete sich Laserstein ab 1954 darüber hinaus auch der Todesstrafe und ihrer möglichen Wiedereinführung in der jungen Bundesrepublik Deutschland. Einen ersten Artikel zum Thema Homosexualität und Erpressung veröffentlichte er schon 1952 in der Hamburger Zeitschrift Die Freunde. Dabei bezeichnete er sich selbst als „normalgeschlechtlichen Juristen“. Als Laserstein im Herbst 1934 Magnus Hirschfeld (1868–1935) in dessen französischen Exil besuchte, trug er sich mit den Worten in Hirschfelds Gästebuch ein: „Dr. Magnus Hirschfeld, dem Löser so vieler wissenschaftlicher Rätsel, dem Mann, der der materialistischen Weltanschauung in der Medizin Bahn brach, in Verehrung und Freundschaft“.
Botho Laserstein war seit 1927 mit Ilse [Ruth Erna] Chodziesner (1907–1943) verheiratet und wurde 1929 Vater einer Tochter, die den Namen Inge-Lore erhielt. Während Botho Laserstein sich in einem französischen Kloster versteckt hielt, wurden seine Frau und seine Tochter am 7. Dezember 1943 im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz ermordet. Zehn Jahre später wurde Botho Laserstein erneut Vater, diesmal eines Sohnes, der unehelich geboren wurde, bei einem Pastorenehepaar aufwuchs und erst als Erwachsener den Namen Laserstein annahm.


Nachdem Laserstein 1954 im Verlag von Christian Hansen Schmidt (1909–1962) die Broschüre Strichjunge Karl mit vermeintlich realistischen Schilderungen aus dem Strichjungen-Milieu veröffentlicht hatte, wurde er im Februar 1955 aus dem Staatsdienst entlassen. Seiner beruflichen Existenz beraubt, ersuchte er in der Benediktiner-Abtei Maria Laach in der Eifel um Aufnahme. Als ihm diese verweigert wurde, nahm er sich am 9. März 1955 das Leben.
Veröffentlichungen (Auswahl)
Laserstein, Botho (1953): Warum man Ihnen mißtraut, Herr Adenauer, in: Vox. Stimme freier Menschen, Nr. 2 (März), S. 54-57.
Laserstein, Botho (1954): Laßt uns wieder etwas töten! Für und wider die Todesstrafe (I), in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 4 (April), S. 107-111.
Laserstein, Botho (1954): Von Strichjungen und anderen Erpressern [Nachdruck aus Botho Lasersteins Angeklagter, stehen Sie auf!], in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 4 (April), S. 130-131.
Laserstein, Botho (1954): Laßt uns wieder etwas töten! Für und wider die Todesstrafe (II/III), in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 5 (Mai), S. 143-153.
Laserstein, Botho (1954): Strichjunge Karl. Ein internationaler kriminalistischer Tatsachenbericht aus dem Reich der Liebe, die ihren Namen nicht nennt (I), in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 6 (Juni), S. 194-205.
Laserstein, Botho (1954): Strichjunge Karl. Ein internationaler kriminalistischer Tatsachenbericht aus dem Reich der Liebe, die ihren Namen nicht nennt (II), in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 7 (Juli), S. 126-237.
Laserstein, Botho (1954): Strichjunge Karl. Ein internationaler kriminalistischer Tatsachenbericht aus dem Reich der Liebe, die ihren Namen nicht nennt (Schluß), in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 8 (August), S. 253-264.
Laserstein, Botho (1954): Kirche und Todesstrafe, in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 9 (September), S. 276-279.
Laserstein, Botho (1954): Der Schrei nach der Todesstrafe, in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 9 (September), S. 280-285.
Laserstein, Botho (1954): Prügelstrafe? – nicht ungefährlich!, in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 10 (Oktober), S. 303-305.
Laserstein, Botho (1954): Fort mit dem Strafregister!, in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 11 (November), S. 332-335.
Laserstein, Botho (1954): Neue Stimmen zur Todesstrafe, in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 12 (Dezember), S. 363-368.
Laserstein, Botho (1955): Justiz, wie sie im Buche steht, in: Humanitas (Jg. 3), Nr. 1 (Januar), S. 391-393.
Laserstein, Botho (1994): Strichjunge Karl. Ein internationaler kriminalistischer Tatsachenbericht aus dem Reich der Liebe, die ihren Namen nicht nennt [Reprint der Erstausgabe von 1954]. Berlin: Janssen Verlag.
Weiterführende Literatur
Bergemann, Hans, Ralf Dose und Marita Keilson-Lauritz. Hrsg. (2019): Magnus Hirschfelds Exil-Gästebuch. Berlin/Leipzig: Hentrich & Hentrich, S. 123.
Berner, Dieter (1954): [Rezension zu:] Laserstein: Angeklagter, stehen Sie auf!, in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 4 (April), S. 128-130.
Feith, Walter (1954): Heinrich Heine als Geheimagent europäischer Regierungen, in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 6 (Juni), S. 182-184.
Gyburc-Hall, Larion [d.i. Schmitz, Werner] (1954): Mut zur Gerechtigkeit und Menschlichkeit [Besprechung von Botho Lasersteins Strichjunge Karl], in: Der Kreis (Jg. 22), Nr. 8 (August), S. 4-6.
Wenker, Loy, Jack Argo (d.i. Werres, Johannes) und Rolf (d.i. Meier, Karl) (1955): Dr. jur Botho Laserstein †, in: Der Kreis (Jg. 23), Nr. 5 (Mai), S. 3-6.
Wolfert, Raimund (2018): Botho Laserstein und sein verzweifelter Kampf gegen menschliche Dummheit und Rohheit. Thomas Husemann-Laserstein im Gespräch, in: Mitteilungen der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft, Nr. 60 (Juni), S. 21-34.
Wolfert, Raimund (2020): Botho Laserstein: Anwalt und Publizist für ein neues Sexualstrafrecht. Berlin/Leipzig: Hentrich & Hentrich.
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Led (d.i. vermutlich Driess, Ernst Ludwig)
Bei dem Autor, der sich im Rahmen einer Veröffentlichung in der „Homophilenzeitschrift“ Humanitas des Kürzels „Led“ bediente, handelte es sich vermutlich um den Darmstädter Aktivisten und Psychiatriekritiker Ernst Ludwig Driess (1903–1969).
Veröffentlichungen
Led (1953): Ich bin ein „armer Irrer“! (Vorsicht!), in: Humanitas (Jg. 1), Nr. 5 (November), [S. 8-9].
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Lienhardt, Heribert
Bislang haben sich keine Angaben zur Identität und zum Lebensweg von „Heribert Lienhardt“ ermitteln lassen. Vermutlich handelte es sich bei dem Namen um ein Pseudonym. Aus einer Veröffentlichung „Lienhardts“ in Humanitas geht lediglich hervor, dass der Autor in Kontakt mit dem Hamburger „Arbeitskreis für Demokratische Rechtsreform“ stand. Auch über diesen Arbeitskreis liegen heute so gut wie keine Angaben vor. Anfang Oktober 1952 machte er eine Eingabe zur Aufhebung des § 175 StGB an das Bundesjustizministerium in Bonn. Sie mündete jedoch in kein konkretes Gesetzesvorhaben. In Hamburger Adressbüchern von Anfang der 1950er Jahre lässt sich der Name „Heribert Lienhardt“ nicht nachweisen.
Veröffentlichungen
Lienhardt, Heribert (1954): Rechtsgleichheit und Gleichberechtigung des Mannes im Strafrecht (Ein aktuelles Problem), in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 1 (Januar), S. 13-14.
Lienhardt, Heribert (1954): Verführung und Jugendschutz. Zur kriminalpolitischen Kritik des Strafrechts, in: Humanitas 1954 (Jg. 2), Nr. 2 (Februar), S. 35-40. [Mit einer redaktionellen Berichtigung in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 3 (März), S. 102.]
Lienhardt, Heribert (1954): Ein Wort zur Amnestiefrage, in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 6 (Juni), S. 206.
Weiterführende Literatur
Schäfer, Christian (2006): „Widernatürliche Unzucht“ (§§ 175, 175a, 175b, 182 a.F. StGB). Reformdiskussion und Gesetzgebung seit 1945 (Juristische Zeitgeschichte, Abt. 3, Bd. 26). Berlin: Berliner Wissenschafts-Verlag, S. 82.
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Lyrr, Eric (d.i. vermutlich Schmitz, Werner)
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Bislang haben sich keine gesicherten Angaben zur Identität und zum Lebensweg von „Dr. phil. Eric Lyrr“ ermitteln lassen. Bei dem Namen handelte es sich offenbar um ein Pseudonym. Auch in der Zeitschrift Vox (Stimme freier Menschen), in der „Eric Lyrr“ veröffentlichte, wurde er ohne weitere Hinweise etwa auf seinen Wohnort und seinen Beruf lediglich mit dem Titel „Dr.“ ausgewiesen.
Vermutlich handelte es sich bei „Eric Lyrr“ um ein weiteres Pseudonym von „Larion Gyburc-Hall“ (d.i. Schmitz, Werner, 1919–1981). Jedenfalls benutzte „Gyburc-Hall“ den Namen „Lyrr“ 1952 in einer „Weihnachtserzählung“ in der Zeitschrift freond. Sein Träger war ein gealterter, emeritierter Professor, der sein gleichgeschlechtliches Begehren zeit seines Lebens unterdrückt hatte. Die Erzählung kam noch 1967 in der Schweizer „Homophilenzeitschrift“ Der Kreis zum Wiederabdruck.
An den Literaturwissenschaftler Dr. phil. Werner Schmitz alias „Larion Gyburc-Hall“ lässt auch die Abrechnung „Eric Lyrrs“ mit dem italienischen Schriftsteller „Curzio Malaparte“ (d.i. Curt Erich Suckert, 1898–1957) in Humanitas denken. Einen Monat vor „Lyrr“ hatte auch „Gyburc-Hall“ 1954 im Schweizer Kreis „Ohfreigen für Curzio Malaparte“ ausgeteilt.
Veröffentlichungen
Lyrr, Eric (1953): Wir werden wieder marschieren … aber wofür?, in: Vox. Stimme freier Menschen, Nr. 3 (April), S. 102-105.
Lyrr, Eric (1953): Mehr Mut, in: Vox. Stimme freier Menschen, Nr. 4 (Juni), S. 154-156.
Lyrr, Eric (1953): Fest des Friedens, in: Humanitas (Jg. 1), Nr. 6 (Dezember), S. 1-3.
Lyrr, Eric (1954): Ausblick, in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 1 (Januar), S. 6-8.
Lyrr, Eric (1954): Herr Malaparte und wir – eine Abrechnung, in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 3 (März), S. 95-100.
Weiterführende Literatur
[Anonym] (1954): Marschieren wir bald wieder?, in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 10 (Oktober), S. 315.
[Gyburc-Hall,] Larion [d.i. Schmitz, Werner] (1952): … entzünden möcht’ ich alle Lichter …, in: freond (Jg. 2), Nr. 19 (Dezember), S. 30-32.
Gyburg-Hall [sic], Larion [d.i. Schmitz, Werner] (1954): Ohrfeigen für Curzio Malaparte, in: Der Kreis (Jg. 22), Nr. 2 (Februar), S. 2-5.
Gyburc-Hall, Larion [d.i. Schmitz, Werner] (1967): Entzünden möcht’ ich alle Lichter, in: Der Kreis (Jg. 35), Nr. 11 (November), S. 6-10.
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Massow, Adam-Werner von (Dr. jur., Rechtsanwalt) geb. 30.10.1901 (Gnesen, heute Gniezno, Polen)
Zur Biografie
Bislang haben sich nur wenige Angaben zur Identität und zum Lebensweg des Rechtsanwalts „Dr. jur. A. W. von Massow“ ermitteln lassen, der in Humanitas nur einen Beitrag veröffentlichte. Offenbar handelte es sich um Adam-Werner von Massow, der am 22. Juni 1922 unter dem Titel „Der Besitzwechsel während der Ersitzungszeit, nach römischem, gemeinem und bürgerlichem Recht“ seine staatswissenschaftliche Dissertation an der Universität in Greifswald vorgelegt hatte.
Adam-Werner von Massov wurde am 30. Oktober 1901 als Sohn eines Oberleutnants und dessen Frau in Gnesen (heute Gniezno, Polen) geboren, besuchte die Gymnasien in Breslau (heute Wrocław, Polen), Königsberg (Kaliningrad), Allenstein (Olsztyn) und Potsdam und legte 1918 die Notreiferprüfung an der Ritterakademie in Brandenburg an der Havel ab. 1918 trat er in den Kriegsdienst im Garde Schützenbataillon ein, wurde nach einem kurzen Aufenthalt an der Westfront aber wieder aus diesem entlassen.
Adam-Werner von Massow studierte Rechtswissenschaft an den Universitäten in Berlin, Rostock, Leipzig, Freiburg (im Breisgau) und Greifswald. 1939 war er als Rechtsanwalt in Stettin (heute Szczecin, Polen) tätig. Seine Zulassung zur Rechtsanwaltschaft wurde 1954 in Hamburg gelöscht; die Gründe hierfür sind nach wie vor unbekannt.
Veröffentlichungen
Massow, A. W. von (1953): Das Fundament der Strafjustiz, in: Humanitas (Jg. 1), Nr. 6 (Dezember), S. 10-11.
Weitere Archivalien
Eintrag im Hamburgischen Justizverwaltungsblatt (HmbJVBL), 1954 (Jg. 28), Nr. 3, S. 28, online hier.
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Moll, Albert (Prof. Dr., Nervenarzt, Sexualwissenschaftler) geb. 4.5.1872 (Lissa, heute Leszno, Polen) gest. 23.11.1939 (Berlin)
Die Zeitschrift Humanitas rekurrierte nun in wenigen Fällen auf die wissenschaftliche und emanzipatorische Literatur zur Homosexualität, die vor 1933 entstanden war. Magnus Hirschfeld wurde abgesehen von dem etwas entstellten Motto in der ersten Ausgabe von Humanitas kaum genannt. Neben einem kurzen Text von Heinrich Hössli (1784–1864) bildete der Auszug aus einem längeren Beitrag von Albert Moll ein Unikum – allerdings handelte es sich auch hier lediglich um einen Nachdruck einer Äußerung, die wenige Monate zuvor unter anderen Titeln in der Schweizer „Homophilenzeitschrift“ Der Kreis und in Der Weg (zu Freundschaft und Toleranz) veröffentlicht worden war.
Veröffentlichungen (Auswahl)
Moll, Albert (1953): Wir fordern Gehör in der Welt!, in: Der Kreis (Jg. 21), Nr. 4 (April), S. 1.
Moll, Albert (1953): Nur einen Augenblick Gehör!, in. Der Weg (Jg. 3), Nr. 8 (August), S. 6.
Moll, Albert (1954): „Agitation der Homosexuellen!“, in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 1 (Januar), S. 18.
Weiterführende Literatur
Sigusch, Volkmar (1995): Albert Moll und Magnus Hirschfeld. Über ein problematisches Verhältnis vor dem Hintergrund unveröffentlichter Briefe Molls aus dem Jahr 1934, in: Zeitschrift für Sexualforschung, Nr. 8, S. 122-159.
Sigusch, Volkmar (2008): Geschichte der Sexualwissenschaft. Frankfurt am Main / New York: Campus, S. 197-233.
Sigusch, Volkmar (2009): Albert Moll (1862–1939), in: ders. und Günter Grau (Hrsg.): Personenlexikon der Sexualforschung. Frankfurt am Main / New York Campus, S. 511-521.
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Neumann, Nikodemus (Dr. jur., Straf- und Völkerrechtler aus Hamburg)
Zur Biografie
Bis heute hat sich nicht ermitteln lassen, wer sich hinter dem Namen „Nikodemus Neumann“ verbarg. Vermutlich handelte es sich um ein Pseudonym und war durch das Kürzel „N. N.“ (Nomen nominandum) motiviert, das sich aus seinen Initialen ergibt.
„Nikodemus Neumann“ hat in den 1950er Jahren mehrere Beiträge für die Hamburger „Homophilenzeitschrift“ Humanitas geschrieben, und bei der Gelegenheit wurde er als „bekannter Straf- und Völkerrechtler“ bezeichnet. 1958 trat „Neumann“ auf dem Brüsseler Kongress des International Committee for Sexual Equality (ICSE) als Vertreter des Hamburger Griffin-Verbandes auf. Dieser wurde von Dr. Albrecht D. Dieckhoff (1896–1965) gegründet, und es liegt nahe anzunehmen, dass „Nikodemus Neumann“ eben identisch mit Dieckhoff war oder zumindest aus dessen direktem Umfeld stammte. Wie Dieckhoff benutzte „Neumann“ den Titel „Dr. jur.“ In seinen beiden letzten Veröffentlichungen in Humanitas bezog er sich zudem explizit auf Dieckhoff.
Über den Griffin-Verband, der sich für die Straffreiheit einvernehmlicher gleichgeschlechtlicher Handlungen unter Erwachsenen einsetzte, liegen heute nur wenige Angaben vor. Erster Vorsitzender war der Hamburger Gastwirt Fritz Schwenke, dessen Lebensdaten auch noch nicht ermittelt sind, und als Sekretär fungierte „L. Ahrens“ mit der Anschrift „Dorotheenstraße 123, Hamburg 39“. 1958 beantragte „Nikodemus Neumann“ für den Griffin-Verband die Aufnahme in das ICSE, doch wurde der Antrag vorerst abgelehnt, da über die Gruppierung seinerzeit kaum etwas bekannt war und man erst sehen wollte, wie sie arbeitete.
Eine Person namens „L. Ahrens“ unter der Anschrift „Dorotheenstraße 123“ in Hamburg lässt sich über die städtischen Adressbücher von 1958 nicht nachweisen. Fritz Schwenke war ab 1962 wieder Besitzer und Betreiber des Hamburger „Homosexuellenlokals“ Stadtcasino am Großneumarkt, das er 1949 selbst gegründet hatte.
Veröffentlichungen (Auswahl)
Neumann, Nikodemus (1954): Menschenrechtskonvention und erotische Freiheit, in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 3 (März), S. 71-73.
Neumann, Nikodemus (1954): Ehe und Personenstandsgesetz, in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 4 (April), S. 119-120.
Neumann, Nikodemus (1954): Die Laster und der Staat, in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 5 (Mai), S. 162-163.
Neumann, Nikodemus (1954): Warum immer noch nicht Europa?, in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 12 (Dezember), S. 369.
Neumann, Nikodemus (1955): Ausweichhandlungen und Gleichheit der Geschlechter, in: Humanitas (Jg. 3), Nr. 1 (Januar), S. 399-403. [Mit Fußnoten, die sich auf den Beitrag „Gesellschaftswidrige Handlungen gegen die Sittlichkeit im ‚Common Law‘“ (1954) von Albrecht D. Dieckhoff beziehen, der einzigen zitierten Quelle.]
Neumann, Nikodemus (1955): Bereich und Grenzen humanitärer Ziele, in: Humanitas (Jg. 3), Nr. 2 (Februar), S. 418-419. [In einer Fußnote bezieht sich „Nikodemus Neumann“ erneut auf Albrecht D. Dieckhoffs „Gesellschaftswidrige Handlungen gegen die Sittlichkeit im ‚Common Law‘“.]
Neumann, Nikodemus (1957): § 175 StGB weiterhin umstritten. Warnung vor Überbewertung des Karlsruher Entscheids, in: Der Weg (Jg. 7), Nr. 8 (August), S. 229-230.
Weiterführende Literatur
Anonym [d.i. vermutlich Mack, Dermot] (1958): Den internasjonale kongress [Norwegisch], S. 4, online hier.
Anonym (1960): Mein ist die Rache, spricht der Herr, in: Der Weg (Jg. 10), Nr. 6 (Juni), S. 141-142.
Anzeige des Hamburger Stadtcasino (1962), in: Der Kreis (Jg. 30), Nr. 1 (Januar), S. 37 und weitere.
Lorenz, Gottfried (2010): Hamburg als Homosexuellenhauptstadt der 1950er Jahre. Die Homophilen-Szene und ihre Unterstützer für die Abschaffung des § 175 StGB, in: Pretzel, Andreas und Volker Weiß (Hrsg.): Ohnmacht und Aufbegehren. Homosexuelle Männer in der frühen Bundesrepublik (Geschichte der Homosexuellen in Deutschland nach 1945, 1). Hamburg: Männerschwarm Verlag, S. 117-151, hier S. 140.
Prien, Wolf (1965): Ein ehrenvolles Andenken [über Albrecht D. Dieckhoff], in: Der Weg (Jg. 15), Nr. 8 (August), S. 192.
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Nieburg, Günther
Bislang haben sich noch keine gesicherten Angaben zur Identität und zum Lebensweg von Günther Nieburg ermitteln lassen. In Humanitas veröffentlichte er nur einen Artikel.
Veröffentlichungen
Nieburg, Günther (1954): Lügen haben kurze Beine …. Eine gewissenlose Reportage, in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 1 (Januar), S. 27-30.
mehr …Ortloff, Konstantin [Berthold] (Journalist) geb. 28.9.1913 (Würzburg) gest. 13.2.2003 (Würzburg)
Zur Biografie


Ortloff benutzte bei seinen Veröffentlichungen verschiedene Akronyme und Pseudonyme (so etwa: „korf“, „Foltro“ bzw. „Ffoltro“, was dem Namen Ortloff rückwärts gelesen entspricht, „Harry Stein“ und „Oliver Masturba“). Aber er verfasste – was für seine Zeit ungewöhnlich ist – auch auffallend viele seiner Beiträge unter seinem Klarnamen, wobei er allenfalls seinen Vornamen mit „K.“ abkürzte. Gleichzeitig baute er in seine Texte immer wieder auch Bezüge zu seiner Heimatstadt Würzburg ein. Für viele Vertreter der nachkommenden Generation der „Schwulen“ galt Ortloff gleichwohl als „Vielschreiber von Homo-Story-Banalitäten“.
Konstantin Ortloff hatte einen jüngeren Bruder, Ludwig Ortloff (1921–1941) der ebenfalls homosexuell war, zur Zeit des Nationalsozialismus nach § 175 RStGB kriminalisiert wurde und 1941 im KZ Mauthausen (Österreich) ums Leben kam. Ortloff behauptete später, der gewaltsame Tod seines Bruders sei die zentrale Begebenheit gewesen, die ihn veranlasst habe, sich überhaupt als „Homopublizist“ zu engagieren. Auffallend ist aber, dass er die Verurteilung und die anschließende KZ-Haft seines Bruders in seinen Publikationen nie explizit thematisiert hat. In Humanitas veröffentlichte Konstantin Ortloff 1953 nur einen einzigen Beitrag.
Noch um 1970 verstand sich Konstantin Ortloff als Linker, der mit den etablierten politischen Parteien der Bundesrepublik Deutschland haderte. Erhebliche Vorbehalte hatte er insbesondere gegenüber der SPD. Ende der 1990er Jahre distanzierte sich Ortloff dann aber deutlich von seinem früheren politischen Engagement. Nicht nur vom Thema Homosexualität wollte er nun nichts mehr wissen. Er bekannte auch, dass er jetzt mit dem rechtsextremen Politiker, Journalist und Autor Franz Xaver Schönhuber (1923–2005), dem Mitbegründer und Bundesvorsitzenden der Partei Die Republikaner, sympathisiere. In dessen Sinne schreibe er Leserbriefe, unter anderem an den Stern und Nation & Europa.
Veröffentlichungen (Auswahl)
Ortloff, K[onstantin] (1953): Warum?, in: Humanitas (Jg. 1), Nr. 3 (September), S. 7.
Ortloff, K[onstantin] (1954): Der Boxer, in: Der Weg zu Freundschaft und Toleranz (Jg. 4), Nr. 10 (Oktober), S. 355.
Ortloff, Konstantin (1982): Sprachlos war die Liebe nie. Skizzen einer dunklen Zeit, in: Hohmann, Joachim S. (Hrsg.): Keine Zeit für gute Freunde. Homosexuelle in Deutschland 1933–1969. Ein Lese- und Bilderbuch. Berlin: Foerster 1982, S. 43-49.
Ortloff, Konstantin (1982): Von vielem enttäuscht, in: Hohmann, Joachim S. (Hrsg.): Keine Zeit für gute Freunde. Homosexuelle in Deutschland 1933–1969. Ein Lese- und Bilderbuch. Berlin: Foerster 1982, S. 188-189.
Weiterführende Literatur
Wolfert, Raimund (2024): In memoriam Ludwig Ortloff (1921–1941). In: Mitteilungen der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft, Nr. 73/74, S. 38-39.
Wolfert, Raimund (2024): Konstantin Ortloff (1913–2003), ein zwiespältiger Autor der deutschsprachigen Homophilenbewegung. Eine biografische Skizze, in: Mitteilungen der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft, Nr. 73/74, S. 39-51.
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Pfeiffer, Hanns
Bislang haben sich noch keine gesicherten Angaben zur Identität und zum Lebensweg von Hanns Pfeiffer ermitteln lassen. In Humanitas veröffentlichte er nur einen Artikel.
Veröffentlichungen
Pfeiffer, Hanns (1955): Ein Künstler für das Menschentum. Frans Masereel und sein Werk, in: Humanitas (Jg. 3), Nr. 2 (Februar), S. 412-413.
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Pommerening, Horst (Dr. jur., Rechtsanwalt) geb. 31.8.1919 (Breslau, heute Wrocław, Polen) gest. 1970 (unbekannter Ort)
Zur Biografie
Zum Lebensweg von Dr. Horst Pommerening haben sich bislang nur wenige Angaben ermitteln lassen. Pommerening wurde am 31. August 1919 in Breslau (heute Wrocław, Polen) geboren. 1942 legte er an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Frankfurt/Main unter dem Titel „Grundlagen und Wesen der Neutralitätspolitik der Vereinigten Staaten“ seine Dissertation vor. Offenbar lebte Pommerening auch in der frühen Nachkriegszeit im Raum Frankfurt. Im Zuge eines Studienaufenthaltes in den USA erwarb er sich gute Englischkenntnisse und veröffentlichte auch im American Journal of International Law.
Um 1950 engagierte sich Horst Pommerening im Umfeld des Frankfurter Arztes Hans Giese (1920–1970) für eine Reform des § 175 StGB. Er war neben den „Homosexuellenanwälten“ Erich Schmidt-Leichner (1910–1983) und Alf bzw. John Adolf Block (1908–?) Mitglied in der Frankfurter „Gesellschaft für Bürgerrechte“. Diese sprach sich 1951 in einem Kurzmemorandum, das sie dem hessischen Ministerpräsidenten überreichte, für die Reform des Paragrafen und ein Ende aller einschlägigen Verfahren aus.
Die „Eingabe an die Gesetzgebenden Organe in Bonn betr. §§ 175, 175a StGB“, die 1953 nebst Äußerungen von Hans Giese und Horst Pommerening in Humanitas abgedruckt wurde, sollte ursprünglich um weitere Ausführungen ergänzt werden. Doch ließ die Zeitschrift in der Folgeausgabe (Nr. 2/1953, S. 6 verlauten, man sei aus verlagsrechtlichen Gründen nicht mehr in der Lage, den Beitrag fortzusetzen.
Später trat Pommerening in den diplomatischen Dienst der Bundesrepublik Deutschland ein. Bis 1961 war er Konsul am Generalkonsulat der BRD in der britischen Kronkolonie Hongkong, und ab demselben Jahr Leiter des Konsulats in Belo Horizonte (Brasilien). 1968 legte er eine Studie zum chinesisch-sowjetischen Grenzkonflikt vor.
Horst Pommerening schied im Dezember 1970 durch Suizid aus dem Leben.
Veröffentlichungen
Pommerening, Horst (1949): [Rezension zu:] Deutschlands Rechtslage. By Rolf Stödter [auf Englisch], in: The American Journal of International Law (Jg. 43), Nr. 3 (Juli), S. 609.
Pommerening, Horst (1950): Ergebnis der Arbeitstagung vom 11. April 1950, in: Zeitschrift für Sexualforschung (Jg. 1), Nr. 3/4, S. 316-326 [siehe auch: Pommerening, Horst: Ergebnis der Arbeitstagung vom 11.4.1950, in: Humanitas 1953 (Jg. 1), Nr. 1 (Juli), S. 3].
Pommerening, Horst (1951): Der Einfluss der Grundrechte des Bonner Grundgesetzes auf die praktische Polizeiarbeit. Polizei und Meinungs-, Versammlungs- und Vereinsfreiheit. Zwei Vorträge. Frankfurt/Main: [Arbeitsgemeinschaft des kommunalen Polizeichefs in Hessen] .
Pommerening, Horst (1968): Der chinesisch-sowjetische Grenzkonflikt. Das Erbe der Ungleichen Verträge. Olten & Freiburg (im Breisgau): Walter.
Weiterführende Literatur
[Anonym] (1950): Eingabe an die Gesetzgebenden Organe des Bundes in Bonn betr. §§ 175, 175a StGB, in: Zeitschrift für Sexualforschung (Jg. 1), Nr. 3/4, S. 311-332.
Koppel, Thomas Paul (1972): Sources of change in West German Ostpolitik. The grand coalition, 1966–1969 [PhD diss., University of Wisconsin].
Pommerening, Horst (1949): Bericht über die Erfahrungen während eines Studienaufenthaltes bei der Bundesverwaltung der Vereinigten Staaten, in: Hessisches Ministerium für Erziehung und Volksbildung (Hrsg): Die politischen Wissenschaften an den deutschen Universitäten und Hochschulen. Wiesbaden: Hessisches Ministerium für Erziehung und Volksbildung, S. 113-116.
Pommerening, Horst (1950): Die Rechtslage des Lehrstandes. Referat anläßlich der Vertreterversammlung des Landesverbandes Hessen der GEW am 2. April 1950 in Marburg, in: Archiv der Sozialen Demokratie (AdsD), Bonn, GEW-Hauptvorstand, 3/040012.
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Reger, Gerd
Bislang haben sich noch keine gesicherten Angaben zur Identität und zum Lebensweg von Gerd Reger ermitteln lassen. In Humanitas veröffentlichte er nur einen kurzen Artikel. Nicht ausgeschlossen werden kann, dass es sich bei „Gerd Reger“ um ein Pseudonym von Charles [Karl] Grieger handelte, zumal sich sein Beitrag einer Zeichnung Griegers widmete.
Veröffentlichungen
Reger, Gerd (1955): Gedanken zur Titelzeichnung, in: Humanitas (Jg. 3), Nr. 2 (Februar), S. 411.
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Reinhard, Friedrich Franz (Dr. jur., Rechtsanwalt) geb. 12.10.1915 (Hamburg) gest. 27.10.1985 (Hamburg)
Zur Biografie
Friedrich Franz Reinhard ist nach wie vor einer der großen Unbekannten der deutschsprachigen „Homophilenbewegung“, obwohl er sich über einen Zeitraum von etwa dreißig Jahren für die Belange Homosexueller einsetzte – offenbar ohne selbst homosexuell zu sein. Einen ersten Beitrag leistete er im Juni 1952, als er im Namen des Bundes für Menschenrechte in Köln einen Brief an Theodor Heuss (1884–1963), den ersten Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland schrieb, der in der Zeitschrift Die Gefährten abgedruckt wurde. Bereits in den frühen 1950er Jahren war Reinhard einer der führenden Rechtsvertreter homosexueller Männer, Vereinigungen und Zeitschriften – so etwa des Verlags von Charles Grieger (1903–1972) – in Hamburg, und auch in den 1960er Jahren trat er mehrfach als engagierter Aktivist gegen den § 175 StGB, der mannmännliche Sexualkontakte in der Bundesrepublik Deutschland mit Strafe belegt, in Erscheinung.
So arbeitete Friedrich Franz Reinhard um 1962 mit Kurt Hiller (1885–1972) zusammen, verfasste dann aber in Abgrenzung von diesem gemeinsam mit dem Kunsthistoriker Christian Adolf Isermeyer (1908–2001) eine eigene Petition gegen den „Homosexuellenparagrafen“ und sandte sie samt einer umfangreichen Liste von Unterschriften an die Abgeordneten des Deutschen Bundestags. Die „Isermeyer-Petition“ wurde auch 1968 aus Anlass der anstehenden Beratungen zur Strafrechtsreform einzelnen Bundestagsabgeordneten erneut zugesandt. 1963 war Reinhard neben Willhart S. Schlegel (1912–2001), Hans-Joachim Schoeps (1909–1980) und anderen auch mit einem Beitrag in dem Symposionsband Der homosexuelle Nächste prominent vertreten. Zu diesem Zeitpunkt war er auch Mitglied der 1948 (neu) gegründeten Gesellschaft für Konstitutionsforschung in Tübingen.
Ab 1969 fungierte Reinhard als „Hausjurist“ der Hamburger Internationalen Homophilen-Weltorganisation (IHWO) und regte noch 1971 deren Vorstand an, eine Petition zur Streichung des § 175 StGB an die Strafrechtskommission des Deutschen Bundestags und an den Bundespräsidenten Dr. Gustav Heinemann (1899–1976) zu senden. Noch 1979 wandte sich Reinhard im Namen eines Mandanten an das Bezirksamt Hamburg-Mitte sowie den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags und bezeichnete die damals praktizierte Überwachung von Besuchern öffentlicher Toiletten mit Hilfe von Einwegspiegeln als Verstoß gegen die in Artikel 1 des Grundgesetzes garantierte Unantastbarkeit der Würde des Menschen.
Auch noch nach der ersten Hamburger „Stonewall-Demonstration“ im Juni 1980 und der damit in Zusammenhang stehenden Hamburger „Spiegelaffäre“ – der Aktivist, Schauspieler und Theatermacher Corny Littmann (geb. 1952) hatte in Zusammenarbeit mit einigen anderen und in Anwesenheit von Fotografen mit einem Hammer einen Spiegel in einer öffentlichen Toilette am Hamburger Jungfernstieg zerschlagen (weitere folgten), dahinter kam ein geheimer Raum zum Vorschein, aus dem das Geschehen im Toilettenraum von polizeilicher Seite beobachtet werden konnte – erschien Reinhards Adresse auf einem Flugblatt des Hamburger Lesben- und Schwulengruppenverbundes (HLSV) und der Zeitschrift Du & Ich.
Friedrich Franz Reinhard wurde 1915 als Sohn eines Bäckermeisters und dessen Frau in Hamburg geboren. bis 1938 leistete er zwei Jahre Wehrdienst, immatrikulierte sich dann an der Hansischen Universität in Hamburg, wurde aber von 1941 bis 1945 wieder zur Wehrmacht einberufen. 1944 wurde er zum Assessor ernannt, und nach seinem Studium in Hamburg und Berlin legte er 1946 seine Dissertation unter dem Titel „Die Verfassungsstreitigkeiten innerhalb eines Landes nach Art. 19 der RV vom 11.8.1919. Ein Beitrag zur prozessualen Behandlung“ an der Universität in Hamburg vor. Als Rechtsanwalt wurde er erstmals 1948 tätig. Die Auflösung der Hamburger Gesellschaft für Menschenrechte (GfM) am 31. Dezember 1955 wurde durch ihn bekannt gegeben.
Friedrich Franz Reinhard starb am 27. Oktober 1985 in Hamburg-Altona.
Veröffentlichungen
Reinhard, [Friedrich Franz] (1952): An den Herrn Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland [zur Gründung des Bundes für Menschenrechte in Köln, 29. Juni 1952], in: Die Gefährten (Jg. 1), Nr. 4 (August), S. 23.
Reinhard, Fr[iedrich] Fr[anz] (1953): Gleichheit der Geschlechter. Der 31. März 1953, in: Vox. Stimme freier Menschen, Nr. 2 (März), S. 68-72.
Reinhard, Fr[iedrich] F[ranz] (1953): Ein politisches Problem, in: Humanitas (Jg. 1), Nr. 5 (November), [S. 1-2].
Reinhard, Fr[iedrich] F[ranz] (1954): Das neue Gnadenrecht, in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 2 (Februar), S. 44.
Reinhard, [Friedrich Franz] (1956): Bekanntmachung [über die Auflösung der Gesellschaft für Menschenrechte]. Deutsche Club-Nachrichten, in: Der Ring (Jg. 2), Nr. 1 (Januar), S. 27.
Reinhard, Friedrich Franz (1963): Homosexualität. Erfahrungen der forensischen Praxis, in: Bianchi, Hermanus [u.a.]: Der homosexuelle Nächste. Ein Symposion (Stundenbücher, 31). Hamburg: Furche-Verlag, S. 259-272.
Weiterführende Literatur
Bianchi, Hermanus [u.a.] (1963): Der homosexuelle Nächste. Ein Symposion (Stundenbücher, 31). Hamburg: Furche.
Lorenz, Gottfried (2010): Hamburg als Homosexuellenhauptstadt der 1950er Jahre. Die Homosexuellenszene und ihre Unterstützer für die Abschaffung des § 175 StGB, in: Pretzel, Andreas und Volker Weiß (Hrsg.): Ohnmacht und Aufbegehren. Homosexuelle Männer in der frühen Bundesrepublik (Edition Waldschlösschen, 9). Hamburg: Männerschwarm Verlag, S. 117-151, hier vor allem S. 146-147.
Rosenkranz, Bernhard und Gottfried Lorenz (2005): Hamburg auf anderen Wegen. Die Geschichte des schwulen Lebens in der Hansestadt. Hamburg: lambda.
Wolfert, Raimund (2009): „Gegen Einsamkeit und ‚Einsiedelei‘“. Die Geschichte der Internationalen Homophilen Welt-Organisation. Hamburg: Männerschwarm.
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René, B. R. (d.i. vermutlich Berner, Dieter)
Bei dem Autor, der in der frühen Nachkriegszeit in der deutschsprachigen „Homophilenpresse“ unter Verwendung des Namens „B. R. René“ veröffentlichte, dürfte es sich um Dieter Berner gehandelt haben. Das Pseudonym B. R. René ist ein Anagramm des Familiennamens Berner.
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Rickel, Friedrich (Vertreter, Lagerverwalter) geb. 21.3.1914 (Bremen) gest. 4.2.2008 (Bremen)
Zur Biografie


Rickel engagierte sich früh in der sozialistischen Jugendbewegung und wurde als Mitglied einer antifaschistischen Organisation bereits im März 1933 verhaftet und wegen vermeintlichen Landfriedensbruchs zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. 1936 wurde er ein zweites Mal verhaftet und wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach der Haftverbüßung wurde er in das Strafbataillon 999 einberufen, und im Mai 1945 geriet er auf der griechischen Insel Rhodos in britische Kriegsgefangenschaft. Erst 1947 konnte er aus einem Internierungslager in Ägypten in seine Heimatstadt zurückkehren.
Ende der 1940er Jahre lernte Rickel seinen späteren Lebenspartner Günter Lieder (1929–2011) kennen. Die Ehe, die er 1941 aus Opportunitätsgründen eingegangen war und aus der eine Tochter hervorging, wurde 1953 geschieden. Rickel wurde 1948 Mitglied der SPD und fungierte in den 1950er Jahren als Erster Vorsitzender der Internationalen Freundschaftsloge (IFLO), die am 22. September 1951 gegründet worden war. Anders als die ihr übergeordnete Gesellschaft für Menschenrechte (GfM), die zunächst den Namen „Weltbund für Menschenrechte“ trug, hatte die IFLO ein dezidiert „homophiles“ Profil. Sie sollte ihren überwiegend männlichen Mitgliedern ein Hort der Geselligkeit, Unterhaltung und des Gedankenaustausches sein und organisierte Feiern, Vorträge und Diskussionsabende, die in einer leerstehenden Etage des Hotels „Zur Schleifmühle“ (Außerhalb der Schleifmühle 67) stattfanden. Dienstags gab es einen sogenannten „Damenabend“ in einem separaten Raum.


1953 verstummte die IFLO in der Zeitschrift Der Weg für einen Zeitraum von mehr als einem Jahr. In der Zwischenzeit konzentrierte sie sich auf die Konzeption und Herausgabe einer eigenen Zeitschrift, die als „offizielles Organ der Gesellschaft für Menschenrechte“ erschien: Humanitas. Als Redakteure fungierten Friedrich Rickel und „J. Baumgärtel“ – vermutlich ein Pseudonym von Hans Hurrelmann (1910–1995) –, doch bereits zum Jahresende 1953 ging die redaktionelle Verantwortung in die Hände von Erwin Haarmann (1915–1972) und Christian Hansen Schmidt (1909–1962) in Hamburg über. Hansen Schmidt hatte den Alleinvertrieb der Zeitschrift im Oktober 1953 übernommen. Mit eigenen namentlich gezeichneten Beiträgen in Humanitas trat Friedrich Rickel nie in Erscheinung.
Die Bremer IFLO geriet nach dem Wechsel von Humanitas von Bremen nach Hamburg in eine tiefe Krise. Sie versuchte vorübergehend, mit dem Frankfurter Verein für humanitäre Lebensgestaltung (VhL) zu fusionieren, doch warb die „IFLO-Sektionsleitung Nord“ ab Sommer 1954 wieder um eigene Mitglieder im alten „Bundesorgan” der IFLO Der Weg. Friedrich Rickel zog sich ab 1957 aus der aktiven Mitarbeit in der IFLO zurück. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Organisation noch immer etwa 50 Mitglieder. Der Vereinsnachlass der IFLO ging vermutlich bei einer Sturmflut Anfang der 1960er Jahre verloren.
Friedrich Rickel starb am 4. Februar 2008 in Bremen. Die Beziehung zu seinem Lebenspartner Günter Lieder hielt er bis zu seinem Tod aufrecht. Das Freundespaar bemühte sich nie um die staatliche Registrierung ihrer Partnerschaft, was nach Inkrafttreten des Lebenspartnerschaftsgesetzes im Herbst 2001 möglich gewesen wäre, da Rickel erklärter Gegner der sogenannten „Homo-Ehe“ war. Die Urne Günter Lieders wurde 2011 gleichwohl im Grab Friedrich Rickels beigesetzt.
Mit eigenen, namentlich gezeichneten Artikeln in Humanitas trat Friedrich Rickel nicht in Erscheinung.
Weiterführende Literatur
Wolfert, Raimund (2011): Mehr als tanzen, tunten, schwuchteln, sich bewundern lassen. Die Internationale Freundschaftsloge (IFLO) im Kampf gegen ein „törichtes“ Gesetz, in: Mitteilungen der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft Nr. 48 (Dezember 2011), S. 29-52.
Wolfert, Raimund (2012): Zur Geschichte der Internationalen Freundschaftsloge (IFLO). Ein Nachtrag, in: Mitteilungen der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft Nr. 49 (August 2012), S. 38-51.
Wolfert, Raimund (2025): Zeugnisse einer vergangenen „Clubkultur“. Eine Fotostrecke aus dem Umfeld der Bremer Internationalen Freundschaftsloge (IFLO). In: Mitteilungen der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft Nr. 75/76 (November 2025), S. 75-77.
mehr …Ritter, Erich (Dr. phil., Journalist) geb. 3.8.1880 (Berlin) gest. 13.8.1956 (West-Berlin)
Zur Biografie
Erich Ritter hatte Volkswirtschaft studiert und 1917 in Zusammenarbeit mit seinem Doktorvater, dem Nationalökonomen Gustav von Schmoller (1838–1917), eine Dissertation unter dem Titel „Die öffentliche Elektrizitätsversorgung in Deutschland“ vorgelegt. In einer Traueranzeige wurde er 1956 durch seinen Bruder Kurt Ritter gleichwohl als „Dr. phil.“ ausgewiesen. Auch in seiner Sterbeurkunde wurde vermerkt, dass Ritter Schriftsteller und „Doktor der Philosophie“ war.
Erich Ritter heiratete im Sommer 1920, doch wurde die Ehe schon im Folgejahr nach einem rechtskräftig gewordenen Urteil vor dem Berlin Landgericht I wieder geschieden. Um diese Zeit wurde Ritter als Journalist unter anderem in „Wolffs Telegrafenbüro“ tätig. Er erhielt aber noch 1933 die Entlassung, weil er nicht in die NSDAP eintreten wollte. 1934 wurde er nach etlichen Monaten der Arbeitslosigkeit freier Mitarbeiter des Neuköllner Tageblatts.
Erich Ritter unterhielt auch im nationalsozialisitschen Deutschland intime Kontakte zu jungen Männern, so etwa zu Werner Hiller (1916–nach 1969), der als „blonde Venus“ bekannt war. Ab Dezember 1934 wurde Ritter von einem früheren Sexualpartner über einen Zeitraum von drei Jahren erpresst, und nach einer Reise zusammen mit einem anderen Freund in die Schweiz 1936 wurde er von einem Schweizer Studenten, der die beiden in einer Jugendherberge in Zürich beobachtet hatte, bei der Gestapo denunziert. Trotz tagelanger Verhöre gelang es Ritter, die Anschuldigungen konsequent abzustreiten, und sein Rechtsanwalt erwirkte in der anschließenden Gerichtsverhandlung, dass er freigesprochen wurde.
Auch in der Nachkriegszeit wurde nach § 175 StGB gegen Erich Ritter ermittelt, und 1951 wurde er zu fünf Monaten Haft verurteilt. Er stand um diese Zeit brieflich auch in Kontakt mit Magnus Hirschfelds ehemaligem Mitarbeiter Kurt Hiller (1885–1972) in London, den er von vor 1933 kannte, und engagierte sich in der Berliner Gesellschaft für Reform des Sexualrechts (GfRdS), hielt sich dabei aber wohl aus Altersgründen weitgehend im Hintergrund. Noch 1949 war es aber gerade Ritter gewesen, der beim Berliner Magistrat einen Antrag auf Gründung eines neuen Wissenschaftlich-humanitären Komitess (WhK) einreichte. Der Antrag scheiterte am Einspruch von Oberbürgermeister Ernst Reuter (1889–1953).
Mit Werner Hiller war Erich Ritter bis 1955 befreundet, als dieser nach über 20 Jahren „einen Strich“ unter ihre Freundschaft zog. Um diese Zeit wurde er auch ein letztes Mal persönlich von Kurt Hiller in Berlin besucht. Ein knappes Jahr später las Werner Hiller zufällig eine Traueranzeige Erich Ritters in der Berliner Morgenpost. Er teilte dies am 3. September 1956 brieflich Kurt Hiller mit, der im Jahr zuvor nach Deutschland zurückgekehrt war und sich in Hamburg niedergelassen hatte.
Veröffentlichungen
Ritter, Erich (1954): Ein Licht in der Finsternis (Blick über die Grenze), in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 6 (Juni), S. 187-189.
Weiterführende Literatur
Pretzel, Andreas (2001): Berlin – „Vorposten im Kampf für die Gleichberechtigung der Homoeroten“. Die Geschichte der Gesellschaft für Reform des Sexualrechts e.V. 1948–1960 (Hefte des Schwulen Museums, 3). Berlin: Verlag rosa Winkel, S. 6-8 (und weitere).
Traueranzeige von Dr. phil. Erich Ritter, aufgegeben von dessen Bruder Kurt Ritter, in: Berliner Morgenpost vom 15. August 1956 (Jg. 59, Nr. 190), S. 5.
Wolfert, Raimund (2014): Zwischen den Stühlen – die deutsche Homophilenbewegung der 1950er Jahre. In: Bundesstiftung Magnus Hirschfeld (Hrsg.): Forschung im Queerformat. Aktuelle Beiträge der LSBTI*-, Queer- und Geschlechterforschung (Queer Studies, 6). Bielefeld: transcript Verlag, S. 87-104, hier S. 91-92.
Wolfert, Raimund (2018): „Ich gewinne mehr und mehr den Eindruck, dass es unmöglich ist, eine seriöse Organisation mit vorwiegend oder ausschließlich HS-Mitgliedern aufzubauen.“ Werner Becker (1927–1980) und sein Beitrag zur homosexuellen Emanzipation um 1950, in: Mitteilungen der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft Nr. 60 (Juni 2018), S. 35-56.
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Schmidt, Christian Hansen (Verleger) geb. 25.1.1909 (Flensburg) gest. 7.9.1962 (Hamburg)
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Wie Charles Grieger (1903–1972), Gerhard Prescha (1909–1996) und andere war auch Christian Hansen Schmidt als Verleger in den 1950er Jahren den Nachstellungen durch Polizei, Justiz und Bundespost sowie die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften ausgesetzt. 1954 wurden zwei Ausgaben von Humanitas unter Verweis auf das „Schmutz- und Schundgesetz“ von der Hamburger Staatsanwaltschaft vorübergehend beschlagnahmt. Als die Behörden dann wenig später Hellas, das „Schwesterprojekt“ der Zeitschrift, in ihr Blickfeld nahmen und verboten, geriet der Verlag Christian Hansen Schmidt-Verlag in eine erhebliche Schieflage, die letztlich in die Einstellung auch von Humanitas und den Konkurs mündete.
Dem vorausgegangen waren erhebliche Auseinandersetzungen auch juristischer Art zwischen dem Verleger Rolf Putziger (1926–1977) und Christian Hansen Schmidt. Putziger hatte in Der Weg (zu Freundschaft und Toleranz) seine Leser vor „minderwertigen Nachahmungen“ seiner Zeitschrift gewarnt, worin Hansen Schmidt einen Angriff auf seine Zeitschrift Hellas sah. Vor dem Landgericht Hamburg konnte er durch eine einstweilige Verfügung erwirken, dass Putziger die Verbreitung seiner abfälligen Äußerung unter Androhung einer Geld- oder Haftstrafe untersagt wurde. Putziger musste auch die Kosten des Verfahrens tragen. Öffentlich kritisiert wurde Christian Hansen Schmidt damals unter anderem von „Reinhard Wolter“, einem Pseudonym, hinter dem sich vermutlich der Bremer Gründer der Internationalen Freundschaftsloge (IFLO) Hans Hurrelmann (1910–1995) verbarg. Auch Rudolf Jung (1907–1972) hielt sich im Schweizer Kreis nicht mit Kritik an der „undurchsichtigen“ Geschäftsführung der Zeitschrift Humanitas und damit Christian Hansen Schmidts zurück.
Christian Hansen Schmidt hatte ursprünglich eine Ausbildung zum Opern- und Konzertsänger gemacht. Von ihm sind keine namentlich gezeichneten Beiträge in Humanitas erschienen. Als Herausgeber der Zeitschrift bediente er sich des Pseudonyms „Christian Schmieden“. Nach dem Zusammenbruch seines Verlags betrieb Hansen Schmidt ab Herbst 1955 zusammen mit seinem Geschäftspartner Erwin Haarmann das Hamburger Szenelokal „Bronzekeller“ (Neustädter Straße 27-29), das in unmittelbarer Nachbarschaft zur Wohnung der beiden lag.
Das Haus in der Neustädter Straße 48 in Hamburg, das über längere Zeit Christian Hansen Schmidt und seinem Mitarbeiter, dem Redakteur Erwin Haarmann als Wohnadresse diente, war nicht nur Sitz des Christian Hansen Schmidt-Verlages, sondern auch der Gesellschaft für Menschenrechte (GfM). Es wurde 1958 abgerissen und durch einen eingeschossigen Neubau ersetzt.
Christian Hansen Schmidt starb am 7. September 1962 in Hamburg-Eimsbüttel.
Weiterführende Literatur
J., R. [d.i. Jung, Rudolf] (1955): Offener Brief an meine deutschen Kameraden, in: Der Kreis (Jg. 23), Nr. 10 (Oktober), S. 15-16.
Lorenz, Gottfried (2010): Hamburg als Homosexuellenhauptstadt der 1950er Jahre. Die Homosexuellenszene und ihre Unterstützer für die Abschaffung des § 175 StGB, in: Pretzel, Andreas und Volker Weiß (Hrsg.): Ohnmacht und Aufbegehren. Homosexuelle Männer in der frühen Bundesrepublik (Edition Waldschlösschen, 9). Hamburg: Männerschwarm Verlag, S. 117-151.
Rosenkranz, Bernhard und Gottfried Lorenz (2005): Hamburg auf anderen Wegen. Die Geschichte des schwulen Lebens in der Hansestadt. Hamburg: Lambda Edition.
Rosenkranz, Bernhard, Ulf Bollmann und Gottfried Lorenz (2009): Homosexuellenverfolgung in Hamburg 1919–1969. Hamburg: Lambda Edition.
Schlüter, Bastian, Karl-Heinz Steinle und Andreas Sternweiler (2008): Eberhardt Brucks. Ein Grafiker in Berlin. Berlin: Schwules Museum.
Wolfert, Raimund (2020): Gerhard Prescha (1909–1996), ein Verleger der deutschen „Homophilenbewegung“, in: Mitteilungen der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft, Nr. 65/66, S. 59-69.
Wolfert, Raimund (2022): Zwischenspiel. Anmerkungen zu einem Kapitel aus der ungeschriebenen Geschichte der „Homophilenzeitschrift“ Der Weg, in: Mitteilungen der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft, Nr. 69/70, S. 62-68.
Wolfert, Raimund (2025): Erwin Haarmann (1915–1972). Annäherungen an einen „kämpferischen Typ“, den man zur Strecke bringen wollte, in: Mitteilungen der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft (Nr. 75/76), S. 78-103.
Wolter, R[einhard] (1954): Erklärung, in: Der Weg (Jg. 4), Nr. 6, S. 227 [Bei der Namensform „R. Wolter“ handelt es sich offenbar um einen Schreibfehler, gemeint dürfte „R. Walter“ gewesen sein].
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Schmieden, Christian (d.i. Schmidt, Christian Hansen)
Schmitz, Werner (Dr. phil., Literaturwissenschaftler) geb. 10.3.1919 (Saarlouis) gest. 14.3.1981 (Aachen)
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Werner Schmitz wohnte in der frühen Nachkriegszeit in Aachen und bezeichnete sich als eine „durch und durch anti-militaristische Natur“. Auf dem 1953er Kongress des ICSE in Amsterdam sprach er über das Thema „Gesellschaftszwang und Volksgesundheit“. Laut einem Zeitungsbericht betonte er, dass die demokratische Gesellschaft, die auf das Wohlergehen ihrer Bürger bedacht sein sollte, die Minderheit der „Homophilen“ zur Unaufrichtigkeit zwinge. Während echte Erziehung den Menschen zu einer „integralen, geschlossenen“ Persönlichkeit heranbinden solle, der die Wirklichkeit anerkennt, tue hier die Welt das Gegenteil. Floris van Mechelen hob im Periodical Newsletter vom Oktober 1953 Schmitz’ Ansprache als „gefühlsbetont“ und „stilvoll“ hervor. Hans Weil hingegen kritisierte, dass Schmitz in seinem Vortrag die Homosexualität zwar nicht als Ursache, aber doch als Symptom der „Todesreife der Völker“ dargestellt habe.
Werner Schmitz schrieb unter Verwendung seines Pseudonyms „Larion Gyburc-Hall“ in der Zeitschrift Der Weg über sich selbst und seinen eigenen Vortrag: „Er geißelte in unmißverständlichen Worten die konventionelle Nötigung zur Lüge, die der Existenzkampf auferlege, und wies ihre seelischen, charakterlichen und sozialen Schäden auf“ – freilich ohne dabei sein Pseudonym preiszugeben. Nach „Gyburc-Halls“ Worten war eins der nachdrücklichsten Erlebnisse und Ergebnisse, die er von dem Kongress mitgenommen hatte, das Gefühl: „Ihr seid nicht allein. Wir sind auch noch da. Wir helfen euch“.
Der Redebeitrag von Werner Schmitz auf dem 1953er Kongress des ICSE in Amsterdam unter dem Titel „Moderner Gesellschaftszwang und seelische Volksgesundheit“ ist im Manuskript erhalten und kann auf Deutsch hier und auf Englisch hier eingesehen werden. Eine zweiseitige zeitgenössische Zusammenfassung des Vortrags auf Deutsch findet sich hier.
Veröffentlichungen (Auswahl)
Gyburg-Hall [sic]l, Larion [d.i. Schmitz, Werner] (1953): 25 Uhr. Betrachtungen zu den kommenden Wahlen zum Bundestag, in: Humanitas (Jg. 1), Nr. 2 (August), S. 4-5 [mit einer Stellungnahme der Redaktion].
Gyburc-Hall, Larion [d.i. Schmitz, Werner] (1953): Rüttelt die Müden wach!, in: Humanitas (Jg. 1), Nr. 3 (September), S. 4-5.
Gyburc-Hall, Larion [d.i. Schmitz, Werner] (1953): Zum 3. Internationalen Kongreß für sexuelle Gleichberechtigung, in: Humanitas (Jg. 1), Nr. 4 (Oktober), S. 2.
Gyburg-Hall [sic], Larion [d.i. Schmitz, Werner] (1953): Bindet den Helm fester! Bericht über den 3. Internationalen Kongreß für sexuelle Gleichberechtigung vom 12.–14. September 1953 zu Amsterdam, in: Der Weg zu Freundschaft und Toleranz (Jg. 3), Nr. 10 (Oktober), S. 4-7, hier S. 5 und 7.
Gyburc-Hall, Larion [d.i. Schmitz, Werner] (1953): Die fromme Entgleisung (Aus dem Alltag!), in: Humanitas (Jg. 1), Nr. 5 (November), [S. 8].
Schmitz, Werner (1953): Moderner Gesellschaftszwang und seelische Volksgesundheit, in: Bericht des dritten internationalen Kongresses fur sexuelle Gleichberechtigung (I.C.S.E.), 12-14 September 1953 Amsterdam, S. 9-11 [vgl. auch den Abdruck des Referats in: Humanitas 1953 (Jg. 1), Nr. 4 (Oktober), S. 1-2].
W.S. aus A. [d.i. Schmitz, Werner] (1954): Dr. Biederichs ausgezeichnete Abrechnung … [Leserzuschrift unter der Rubrik „Sie fragen – Wir antworten“], in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 2, S. 63.
Weiterführende LIteratur
Mechelen, Floris van [d.i. Methorst, Henri] (1953): Dritter internationaler Kongress für sexuelle Gleichberechtigung, in: Periodical Newsletter, [Nr. 13: Congress Issue, Kongresznummer, Numéro du congrès] (Oktober), S. 126-130, hier S. 127.
Weil, Hans (1953): Stockholm schreibt, in: Periodical Newsletter, [Nr. 14] (November/Dezember 1953), S. 166-168, hier S. 168
Wolfert, Raimund (2020): „Larion Gyburc-Hall“ alias Werner Schmitz (1919–1981): eine bio-bibliographische Skizze, in: Mitteilungen der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft Nr. 64, S. 39-48.
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Schramm, Erich (Dr.)
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Über die Identität des Autors Erich Schramm haben sich bislang keine gesicherten Angaben ermitteln lassen. In Humanitas veröffentlichte Schramm nur eine zweiteilige Rezension zu Hans Blühers autobiografischen Aufzeichnungen Werke und Tage, die 1953 in einer wesentlich erweiterten Auflage neu erschienen waren. Die Erstausgabe stammte von 1920. Erich Schramm veröffentlichte 1951 auch in der Schweizer „Homophilenzeitschrift“ Der Kreis einen Artikel, und hier wurde er mit dem Titel „Dr.“ ausgewiesen. Zusätzlich wurde lediglich festgehalten, Schramm wohne in Deutschland.
Möglicherweise handelte es sich bei Erich Schramm um jenen Autor, der bereits 1926 in der „Zeitschrift für Freundschaft und Freiheit, Liebe und Lebenskunst“ Eros einen „mutigen Brief“ zum 80. Geburtstag des Vorsitzenden des Strafrechtsausschusses im deutschen Reichstag Wilhelm Kahl (1849–1932) veröffentlicht hatte.
Ein Autor namens Erich Schramm, der 1932 und in der frühen Nachkriegszeit eine Schrift über „Goethes religiöse Deutung der Musik“ veröffentlicht hat, wurde nach Angaben der Deutschen Nationalbibliothek 1885 in Berlin geboren. Er war unter anderem als Lehrer, Krankenpfleger und Prediger tätig und starb 1965 in Bad Herrenalb (Schwarzwald). Ein Brief Erich Schramms aus dem Jahr 1924 findet sich samt Beilagen im Nachlass von Gerhart Hauptmann (1862–1946) in der Berliner Staatsbibliothek.
Veröffentlichungen
Schramm, Erich (1926): Ein mutiger Brief, in: Eros (Jg. 1), Nr. 9, S. 134.
Schramm, Erich (1949): Goethes religiöse Deutung der Musik. Mannheim: Freireligiöse Landesgemeinde Baden (erstmals erschienen 1932, Mainz: Verlag Freie Religion).
Schramm, Erich (1951): Recht und Gesetz, in: Der Kreis (Jg. 19), Nr. 10 (Oktober) , S. 25-26.
Schramm, Erich (1954): [Rezension zu:] Hans Blüher: Werke und Tage, in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 3 (März), S. 94-95.
Schramm, Erich (1954): [Rezension zu:] Hans Blüher: „Werke und Tage“, in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 4 (April), S. 126-127.
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Strix, Heinz (Schriftsteller, Werbetexter) geb. 21.2.1892 (Cammerau, heute Komorów, Polen) gest. 23.6.1964 (Stuttgart)
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In einem Nachruf in der Werbe-Rundschau hieß es über „Heinz Strix“, er sei „eben ein Einzelgänger“ gewesen, „ein erfolgreicher dazu, ihn scherte es gar nicht, wie andere ihre Bankkonten aufbauten. Sollten sie! Seine geistige Ausstrahlungskraft, sein unerschöpflicher Ideen-Reichtum blieben ihm bis zum Ende seines Wirkens erhalten.“
In den Beiträgen, die „Heinz Strix“ alias Heinz Müssig 1954 und 1955 in Humanitas veröffentlichen konnte, setzte er sich nicht mit dem Thema Homosexualität auseinander, sondern widmete sich der Remilitarisierung und drohenden Kriegsgefahr seiner Zeit. Wie aus einer Anmerkung der Redaktion hervorgeht, hatte diese „Strix“ ganz offiziell um die Erlaubnis für den Nachdruck einer seiner Texte gebeten. In der Folge hatte der Autor der Zeitschrift einen weiteren Beitrag und einen Briefwechsel zur Verfügung gestellt, was zu weiteren Veröffentlichungen von ihm in Humanitas führte.
Heinz Müssig war ab einem bislang unbekannten Zeitpunkt mit Elisabeth Helene Auguste Müssig (geb. Beyer) verheiratet, die vor ihm verstarb.
Veröffentlichungen
Strix, Heinz [d.i. Müssig, Heinz] (1954): Einstein und die Katzen [Nachdruck aus Verbandsmitteilungen des Deutschen Autoren-Verbandes, April 1954], in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 7 (Juli), S. 220-221.
Strix, Heinz [d.i. Müssig, Heinz] (1954): Der Heilige Vater und die Militärärzte, in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 8 (August), S. 248-250.
Strix, Heinz [d.i. Müssig, Heinz] (1954): Wo Fanatiker die Welt regieren! [Gedicht], in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 11 (November), S. 327.
Strix, Heinz [d.i. Müssig, Heinz] (1955): Angst vorm Keller, in: Humanitas (Jg. 3), Nr. 2 (Februar), S. 415-417.
Weiterführende Literatur
Biegel, Helmut (1964): Heinz Strix †, in: Werbe-Rundschau. Zeitschrift für die Freunde neuer Werbung (Jg. 23), Nr. 65 (September/Oktober), S. 61-65.
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Tillard, Frank
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Bislang haben sich keine weiteren Angaben zur Identität und zum Lebensweg von „Frank Tillard“ ermitteln lassen. Bei dem Namen handelt es sich offensichtlich um ein Pseudonym. „Tillard“ trat in Humanitas lediglich als Autor von Sinnsprüchen hervor. Er veröffentlichte jedoch zeitgleich auch Beiträge in Hellas, dem „Schwesterprojekt“ der Zeitschrift, in freond und in Bel ami. Künstlerische Fotos – zwei Publikationen, die ebenfalls im Verlag von Christian Hansen Schmidt (1909–1962) erschienen. Später tauchte sein Name als Autor eines Beitrags in Gerhard Preschas (1909–1996) Der Ring auf, der aus Anlass des einjährigen Bestehens der Zeitschrift entstanden war.
Veröffentlichungen
Tillard, Frank (1954): Unveräußerliche Liebe … eine Kritik, in: Hellas (Jg. 2), Nr. 2, S. 39-40.
Tillard, Frank (1954): FREOND [Geleitwort], in: freond, Nr. 1, [S. 3-5].
Tillard, Frank (1954/55): [Diverse Sinnsprüche], in: freond (Jg. 1), Nr. 2, [S. 5]; freond (Jg. 1), Nr. 3, [S. 16]; Hellas (Jg. 2), Nr. 3, [S. 82]; Humanitas (Jg. 2), Nr. 3 (März), S. 93; Humanitas (Jg. 2), Nr. 10 (Oktober), S. 314 und 319 sowie Humanitas (Jg. 3), Nr. 1 (Januar), S. 393.
Tillard, Frank (1956): Der erste Jahresring, in: Der Ring (Jg. 2), Nr. 4/5, S. 107.
Weiterführende Literatur
Anonym (o.J.): Bel ami. Künstlerische Fotos. Hamburg: Christian Hansen Schmidt.
Wolfert, Raimund (2020): Gerhard Prescha (1909–1996), ein Verleger der deutschen „Homophilenbewegung“, in: Mitteilungen der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft, Nr. 65/66, S. 59-69, hier S. 62-63.
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Weigmann, Wolfgang (Dr. med., Arzt)
Bislang haben sich keine näheren Angaben zur Identität und zum Lebensweg von Wolfgang Weigmann ermitteln lassen. In Humanitas wurde er als „Dr. med.“, also als Arzt, ausgewiesen. Weigmann hatte vor Humanitas auch schon in den Zeitschriften freond und Vox (Stimme freier Menschen) publiziert.
Veröffentlichungen
Weigmann, Wolfgang (1952): Eros und Sexualität des Mannes, in: freond. Halbmonatsschrift für ideale Freundschaft, Nr. 7 (vermutlich Juni), S. 8-10.
Weigmann, Wolfgang (1952): Homosexualität und Charakter, in: freond. Halbmonatsschrift für ideale Freundschaft, Nr. 11 (August), S. 4-6.
Weigmann, Wolfgang (1953): Gilles. Betrachtung eines Bildes, in: Vox. Stimme freier Menschen, Nr. 3 (April), S. 114-116.
Weigmann, Wolfgang (1954): Eltern im Schatten der Jugend, in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 3 (März), S. 92-93.
Weigmann, Wolfgang (1954): Die doppelgeschlechtliche Natur des Menschen, in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 6 (Juni), S. 191-193.
Weigmann, W[olfgang] (1954): Erotik und Kleidung, in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 10 (Oktober), S. 312-314.
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Wendheim, Klaus-Eberhard
Bislang haben sich keine weiteren Angaben zur Identität und zum Lebensweg von Klaus-Eberhard Wendheim ermitteln lassen. In Humanitas veröffentlichte Wendheim nur einen Artikel.
Veröffentlichungen
Wendheim, Klaus-Eberhard (1954): Die Kirche und wir (Die Betroffenen haben das Wort), in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 1 (Januar), S. 30-32.
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Wenker, Loy (Publizist)
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Bislang hat sich nicht ermitteln lassen, wer sich hinter dem Pseudonym „Loy Wenker“ verbarg. „Wenker“ schrieb in den 1950er Jahren nicht nur für Humanitas, sondern auch für andere Periodika der deutschsprachigen „Homophilenbewegung“, so für die Hamburger Zeitschrift Der Weg (zu Freundschaft und Toleranz) und den Schweizer Kreis.
Um den Jahreswechsel 1952/53 erschien zudem im Verlag von Rolf Putziger (1926–1977) eine Erzählung mit dem Titel „Die Strasse der Verlorenen“ von „Patrick G. Raymond“. Angekündigt worden war die Veröffentlichung ursprünglich als ein Werk von „Loy Wenker“. Möglicherweise lag nur ein redaktioneller Fehler vor, vielleicht handelt es sich bei der Namensverwechslung aber auch um einen Hinweis darauf, dass „Patrick G. Raymond“ und „Loy Wenker“ ein und dieselbe Person waren.
Veröffentlichungen
Wenker, Loy (Red.) [1951): Homosexualität. Laster, Krankheit oder Verbrechen (zusammengestellt von Loy Wenker) (Aktuelle Probleme, 1). Wiesbaden: Fortuna-Verlag [63 S.].
Wenker, Loy (1953): Ein Prozeß in Wiesbaden …, in: Humanitas (Jg. 1), Nr. 4 (Oktober), S. 4-5 [ebenfalls in Der Weg zu Freundschaft und Toleranz (Jg. 3), Nr. 10 (Oktober), S. 23-25].
Wenker, Loy (1953): Brief an einen Unbekannten, in: Der Kreis (Jg. 21), Nr. 12 (Dezember), S. 22-24.
Wenker, Loy (1954): Die schönsten Tage …, in: Der Kreis (Jg. 22), Nr. 5 (Mai), S. 12-15.
Wenker, Loy (1955): Dr. Botho Laserstein †, in: Der Kreis (Jg. 23), Nr. 4 (April), S. 3.
Wenker, Loy (1957): § 175 bleibt in Deutschland in Kraft, in: Der Kreis (Jg. 25), Nr. 6 (Juni), S. 7.
Weiterführende Literatur
Raymond, Patrick G. (1952): Toni (Auszug aus dem [wohl unveröffentlichten] Roman Bekenntnisse meines Freundes Eugen), in: Der Weg zu Freundschaft und Toleranz (Jg. 2), Nr. 8 (August), S. 7-15.
Raymond, Patrick G. [1952/53]: Die Strasse der Verlorenen, in: [Putziger, Rolf] (Hrsg.): Granand. Der Apache von Paris (Amicus). Hamburg: Rolf Putziger, S. 7-19.
Raymond, Patrick G. (1953): Professor Papernak (Auszug aus dem [wohl unveröffentlichten] Roman Die Bekenntnisse meines Freundes Eugen), in: Der Weg zu Freundschaft und Toleranz (Jg. 3), Nr. 3 (März), S. 6-10.
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Werres, Johannes (Journalist) geb. 23.9.1923 (Köln) gest. 19.5.1990 (Positano, Italien)
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Johannes Werres stammte aus einem streng katholischen Elternhaus. Offenbar nahm er als Soldat in Nord-Frankreich aktiv am Zweiten Weltkrieg teil und geriet in Kriegsgefangenschaft. Um 1945 schrieb er sich für katholische Theologie an der Universität in Bonn ein. Er wollte ursprünglich Priester werden, doch als er sich zu seinen homosexuellen bzw. päderastischen Neigungen bekannte, wurde er aus dem Konvikt und dem Studium verwiesen. Nachdem er dann auch sein Elternhaus verlassen musste, verlegte er sich aufs Schreiben und wurde Reporter und Redaktionsvolontär.
Um 1949 kam er beruflich zum ersten Mal nach Hamburg und so in Kontakt mit der dortigen „homosexuellen Szene“. In der Folge schrieb er auch für zeitgenössische „Homophilenzeitschriften“ wie Der Kreis, Die Gefährten und Zwischen den Andern – allerdings unter wechselnden Pseudonymen. Die bekanntesten waren und sind noch heute „Jack Argo“ und „Norbert Weissenhagen“. Nach Aufenthalten in Freiburg/Breisgau und Washington (USA) zog er nach Frankfurt am Main, wo er als Aushilfe für die Frankfurter Neue Presse tätig wurde und bald Wolfgang E. Bredtschneider (1916–1973), Hans Giese (1920–1970) und Heinz Meininger (1902–1983) vom Verein für humanitäre Lebensgestaltung (VhL) kennenlernte.
Zurück in Hamburg wurde Johannes Werres 1954 Sekretär des „Homophilenaktivisten“ Erwin Haarmann (1915–1972), der als Vorsitzender der Hamburger Gesellschaft für Menschenrechte (GfM) fungierte, und Mitarbeiter der „Homphilenzeitschrift“ Humanitas. Doch schon bald kam es zu unüberbrückbaren Spannungen zwischen Haarmann und Werres, und von 1956 bis 1958 arbeitete dieser dann für das niederländische Cultuur- en Ontspanningscentrum (dt. „Kultur- und Freizeitzentrum“, COC) und das International Committee for Sexual Equality (ICSE). Von Amsterdam aus redigierte er einen deutschsprachigen Pressedienst unter dem Titel „ICSE-Press“ sowie den mehrsprachigen ICSE-Newsletter. Werres übersetzte zunächst englischsprachige Presseberichte und Artikel aus amerikanischen Zeitschriften wie One und Mattachine Review, dann folgten auch Übersetzungen aus dem Niederländischen.
Auf den ICSE-Präsidenten „Floris van Mechelen“ (d.i. Henri Methorst, 1909–2007) war Johannes Werres später nicht gut zu sprechen. Er habe ihm mehrere Ämter im Vorstand des ICSE „aufgehalst“, so Werres 1990, und er selbst sei sich dabei wie ein „Prügelknabe“ vorgekommen, „mit dem man alles machen konnte“. Negativ waren im Rückblick aber überhaupt mehrere Urteile, die Werres über frühere „homophile“ Weggefährten fällte, so etwa die über Erwin Haarmann und Hans Giese.
Da er keine gültigen Aufenthaltspapiere für die Niederlande besaß, wurde Johannes Werres Anfang 1958 nach Deutschland abgeschoben. In der Folge galt er in den Niederlanden als „unerwünschte Person“. Über den Hamburger Arzt und Sexualforscher Willhart S. Schlegel (1912–2001) lernte Johannes Werres auf dem Brüsseler Kongress des ICSE seinen späteren Lebenspartner Heinz Liehr (1917–1990) kennen. Im Zuge seiner Freundschaft mit Schlegel und Liehr nahm Werres auch Abschied von seinen Tätigkeiten für homosexuelle Gruppen und Zeitschriften seiner Zeit und wurde wissenschaftlicher Mitarbeiter an Schlegels privat geführtem „Institut für Konstitutionsbiologie und menschliche Verhaltensforschung“.
Anfang der 1980er Jahre besuchte Ralf Dose Johannes Werres und Heinz Liehr in Kronberg, weil die beiden der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft ursprünglich einen Teil ihres Archivs verkaufen wollten. Dazu ist es dann aber aus finanziellen und anderen Gründen nicht mehr gekommen.
Johannes Werres und Heinz Liehr ließen sich 1984 in Positano bei Neapel (Italien) nieder. Sie bezogen eine Wohnung im Viertel Pastiniello und zogen wohl auch als Paar manche Blicke auf sich. Insbesondere an Heinz Liehr, der stets ein Haarnetz trug und sich als Autor erotischer Romane des Pseudonyms „Rico di Positano“ bediente, konnte man sich Jahre nach seinem Tod noch erinnern. Johannes Werres starb am 19. Mai 1990, sein Lebensgefährte Heinz Liehr wenige Monate später, am 11. September 1990. Ihre sterblichen Überreste wurden in zwei getrennten, aber benachbarten Ossarium-Nischen der Kapelle auf dem Friedhof in Positano beigesetzt.
Veröffentlichungen (Auswahl)
Argo, Jack [d.i. Werres, Johannes] (1953): Leben wir in einer Traumwelt?, in: Humanitas (Jg. 1), Nr. 3 (September), S. 3-4.
Argo, Jack [d.i. Werres, Johannes] (1953): Es gibt nicht zweierlei Liebe, in: Humanitas (Jg. 1), Nr. 4 (Oktober), S. 2-4.
Argo, Jack [d.i. Werres, Johannes] (1953): Wir verlangen Realismus (Die Betroffenen haben das Wort!), in: Humanitas (Jg. 1), Nr. 5 (November), [S. 9-10].
Argo, Jack [d.i. Werres, Johannes] (1954): Vom „Kult“ der Namenlosen, in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 1 (Januar), S. 32-33.
Argo, Jack [d.i. Werres, Johannes] (1954): Der Mann als theologisches Element, in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 2 (Februar), S. 52-54.
Argo, Jack [d.i. Werres, Johannes] (1954): Vorurteile (Beim Lesen entdeckt), in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 3 (März), S. 88.
A[rgo], J[ack] [d.i. Werres, Johannes] (1954): Filmsplitter, in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 3 (März), S. 100.
Argo, Jack [d.i. Werres, Johannes] (1954): [Rezension zu: Walter] Baxter: Blick gnädig herab, in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 4 (April), S. 125-126.
Argo, Jack [d.i. Werres, Johannes] (1954): USA: Thema Homosexualität im amerikanischen Fernsehen (Blick über die Grenze), in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 8 (August), S. 252.
Werres, Johannes (1954): Todesstrafe ist staatlich konzessionierter Mord! Bericht von einer öffentlichen Veranstaltung der GfM Hamburg, in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 6 (Juni), S. 208-209.
Werres, Johannes (1954): Frankreich: Resolution gegen die Todesstrafe – Großbritannien: Britischer Innenminister läßt Königliche Kommission bilden (Blick über die Grenze), in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 7 (Juli), S. 222-223.
Werres, Johannes (1954): Der Mensch – „nichts anderes als Material“, in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 9 (September), S. 289-290.
W[erres], J[ohannes] (1954): Ein beachtliches Referat: Recht und Menschlichkeit, in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 10 (Oktober), S. 309-311.
Werres, Johannes (1954): [Rezension zu:] Wolfgang Cordan: Tage mit Antonio (Ein außergewöhnliches Buch), in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 11 (November), S. 345.
Werres, Johannes (1982): „Alles zog sich ins Ghetto zurück“. Leben in deutschen Großstädten nach 1945. In: Hohmann, Joachim S. (Hrsg.): Keine Zeit für gute Freunde. Homosexuelle in Deutschland 1933–1969. Ein Lese- und Bilderbuch. Berlin: Foerster, S. 82-92.
Werres, Johannes (1990): Als Aktivist der ersten Stunde. Meine Begegnungen mit homosexuellen Gruppen und Zeitschriften, in: Capri. Zeitschrift für schwule Geschichte (Jg. 3), Nr. 1, S. 33-51.
Weiterführende Literatur
Argo, Jack [d.i. Johannes Werres] (1952): Kongress Impressionen, in: Periodical Newsletter, [Nr. 8] (Oktober 1952), S. 19-21 [siehe hier auch S. 8-10].
Pretzel, Andreas. Hrsg. (2002): NS-Opfer unter Vorbehalt. Homosexuelle Männer in Berlin nach 1945 (Berliner Schriften zur Sexualwissenschaft und Sexualpolitik, 3). Münster, Hamburg, London: Lit, S. 327-330 und weitere.
Hergemöller, Bernd-Ulrich (2010): Werres, Johannes, in: ders. (Hrsg.): Mann für Mann. Biographisches Lexikon zur Geschichte von Freundesliebe und mannmännlicher Sexualität im deutschen Sprachraum (Bd. 2). Berlin/Münster: Lit, S. 1255-1257.
Internetquellen
Scheda anagrafica sepolture [Registerblatt zur Beisetzung], auf der Website der Gemeinde Positano: positano.sa.it.
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Wirsig, Wolfgang [Eberhard Dietrich] (Schriftsteller)
Zur Biografie
Die Lebensdaten von Wolfgang Wirsig und nähere Angaben zu seinem Lebensweg haben sich noch nicht ermitteln lassen. Für die Zeitschrift Humanitas schrieb Wirsig 1954 nur einen Beitrag. Im Jahr zuvor hatte er in der Frankfurter Eremiten-Presse einen schmalen Band unter dem Titel „Tanz der Marionetten“ vorgelegt.
Wolfgang Wirsig stammte gebürtig aus dem niederschlesischen Jauer (heute Jawor, Polen) und war als Student Anfang der 1950er Jahre Mitglied der Bremer Internationalen Freundschaftsloge (IFLO), in der er mit Sekretärsaufgaben betraut war. In dieser Zeit veröffentlichte er auch Gedichte und Glossen in der Schweizer „Homophilenzeitschrift“ Der Kreis und in Rolf Putzigers Der Weg (zu Freundschaft und Toleranz) (Hamburg), wohl unter (bislang unbekanntem) Pseudonym. Noch 2001 stand die Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft kurzzeitig in Kontakt mit Wirsig und erhielt von ihm einen kurzen Erfahrungsbericht unter dem Titel „Erinnerungen an die Iflo“.
Anfang der 1960er Jahre wohnte Wolfgang Wirsig in Düsseldorf. Von hier aus trat er unter anderem als Schreiber eines Leserbriefs im Nachrichtenmagazin Der Spiegel hervor. Spätestens in den 1980er Jahren lebte Wirsig dann in Mönchengladbach, wo er sich als Mitglied der Partei Die Grünen politisch betätigte. Er war Gründer der Bundesarbeitsgemeinschaft „Mensch und Tier“ innerhalb der Partei und gab sich als entschiedener Gegner von sexuellen Beziehungen zwischen erwachsenen Männern und Minderjährigen sowie einer möglichen Absenkung der Schutzaltersgrenze zu erkennen.
Veröffentlichungen
Wirsig, Wolfgang (1953): Tanz der Marionetten. Frankfurt am Main: Eremiten-Presse.
Wirsig, Wolfgang (1954): Verstehen von Mensch zu Mensch, in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 8 (August), S. 244-245.
Wirsig, Wolfgang (1962): Leserbrief unter dem Schlagwort „Übergangslösung“ im Spiegel, online hier.
Wirsig, Wolfgang (1963): Unsere Freiheit verteidigen, in: Mitteilungen des Internationalen Zivildiensts, Deutscher Zweig des Service Civil International, Nr. 24 (Oktober/November), [S. 4-5].
[Wirsig, Wolfgang] (1985): Die Grünen in Nordrhein-Westfalen. Der Streit um die Pädophilie, in: Du & Ich, Nr. 6 (Juni), S. 18-20.
Wirsig, Wolfgang (1998): Nazivergangenheit, political correctness und Zuwanderung, in: Koschyk, Hartmut und Rolf Stolz (Hrsg.): 30 Jahre Zuwanderung. Eine kritische Bilanz. München: Olzog, S. 95-103.
Weiterführende Literatur
Beljan, Magdalena (2014): Rosa Zeiten? Eine Geschichte der Subjektivierung männlicher Homosexualität in den 1970er und 1980er Jahren in der BRD. Bielefeld: transcript, S. 136.
Pretzel, Andreas (2001): Berlin – „Vorposten im Kampf für die Gleichberechtigung der Homoeroten“. Die Geschichte der Gesellschaft für Reform des Sexualrechts e.V. 1948–1960 (Hefte des Schwulen Museums, 3). Berlin: Verlag rosa Winkel, S. 64.
Schwartz, Michael (2024): „Eine Schmach verschwindet“. Der lange Weg zur Beseitigung des Sonderstrafrechts für Homosexuelle in Deutschland 1968/69 bis 1989/94. Berlin: B & S Siebenhaar Verlag, S. 82, 86, online hier.
Weitere Archivalien
Wirsig, Wolfgang (2001): Erinnerung an die Iflo (unveröffentlichter Bericht im Archiv der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft, 3 Seiten).
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Weiterführende Literatur
Anonym (1954): Gesellschaft für Menschenrechte Hamburg, in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 1, S. 34.
J[ung], R[udolf] (1955): Offener Brief an meine deutschen Kameraden, in: Der Kreis (Jg. 23), Nr. 10 (Oktober), S. 15-16.
Lorenz, Gottfried (2010): Hamburg als Homosexuellenhauptstadt der 1950er Jahre. Die Homosexuellenszene und ihre Unterstützer für die Abschaffung des § 175 StGB, in: Pretzel, Andreas und Volker Weiß (Hrsg.): Ohnmacht und Aufbegehren. Homosexuelle Männer in der frühen Bundesrepublik (Edition Waldschlösschen, 9). Hamburg: Männerschwarm Verlag, S. 117-151.
Rosenkranz, Bernhard und Gottfried Lorenz (2005): Hamburg auf anderen Wegen. Die Geschichte des schwulen Lebens in der Hansestadt. Hamburg: lambda.
Wolfert, Raimund (2011): Mehr als tanzen, tunten, schwuchteln, sich bewundern lassen. Die Internationale Freundschaftsloge (IFLO) im Kampf gegen ein „törichtes“ Gesetz, in: Mitteilungen der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft, Nr. 48, S. 29-52.
Wolfert, Raimund (2012): Zur Geschichte der Internationalen Freundschaftsloge (IFLO). Ein Nachtrag, in: Mitteilungen der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft, Nr. 49, S. 38-51.
Wolfert, Raimund (2014): Zwischen den Stühlen – die deutsche Homophilenbewegung der 1950er Jahre, in: Bundesstiftung Magnus Hirschfeld (Hrsg.): Forschung im Queerformat. Aktuelle Beiträge der LSBTI*-, Queer- und Geschlechterforschung (Queer Studies, 6). Bielefeld: transcript Verlag, S. 87-104.
Wolfert, Raimund (2015): Homosexuellenpolitik in der jungen Bundesrepublik. Kurt Hiller, Hans Giese und das Frankfurter Wissenschaftlich-humanitäre Komitee (hirschfeld-lectures, 8). Göttingen: Wallstein Verlag.
Wolfert, Raimund (2019): Emanzipationsbestrebungen in der Tradition Magnus Hirschfelds nach 1945. Das Beispiel Ernst Ludwig Driess, in: Jahrbuch Sexualitäten. Herausgegeben im Auftrag der Initiative Queer Nations. Göttingen: Wallstein Verlag, S. 71-96.
Wolfert, Raimund (2020): „Larion Gyburc-Hall“ alias Werner Schmitz (1919–1981). Eine bio-bibliographische Skizze, in: Mitteilungen der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft, Nr. 64, S. 39-48.
Wolfert, Raimund (2024): Konstantin Ortloff (1913–2003), ein zwiespältiger Autor der deutschsprachigen Homophilenbewegung. Eine biografische Skizze, in: Mitteilungen der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft, Nr. 73/74, S. 39-51.
Wolfert, Raimund (2025): Erwin Haarmann (1915–1972). Annäherungen an einen „kämpferischen Typ“, den man zur Strecke bringen wollte, in: Mitteilungen der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft, Nr. 75/76, S. 78-103.
Ein Dokumentationsprojekt der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft
Beteiligte Mitarbeiter_innen: Raimund Wolfert
(work in progress)
Die Zeichnung auf der Titelseite der eingangs präsentierten Ausgabe von „Humanitas“ (Januar 1955)
hatte Charles Grieger entworfen und mit dem Kürzel „gri“ signiert.
Berlin, Juli 2026; letzter Stand: 13. Juli 2026.
