Neue Masterarbeiten in unseren Beständen


Forschung ist ein ständiges Nehmen und Geben. Wir freuen uns, wenn immer wieder neue Generationen von Forschern und Forscherinnen unsere Bibliotheks- und Archivbestände nutzen, um interessanten Fragen zur Geschichte der Sexualreformbewegung und der verschiedenen Emanzipationsbewegungen nachzugehen. Meist werden wir dann auch mit den Abschlussarbeiten dieser Nutzer und Nutzerinnen unserer Materialien belohnt. In den letzten Wochen haben uns drei neue Masterarbeiten junger Wissenschaftlerinnen erreicht, die wir hier erwähnen möchten, da sie sich auf beeindruckende Weise mit den Lebenswegen und Gedankenwelten von zwei zentralen Frauen innerhalb der deutschsprachigen Sexualreformbewegung auseinandersetzen.
Stina Marie Metter hat sich in ihrer Masterarbeit an der Berliner Humboldt-Universität 2025 mit der Schriftstellerin Grete Meisel-Hess (1879–1922) zwischen Otto Weininger und Magnus Hirschfeld beschäftigt. Konzentriert hat sie sich dabei auf die beiden Erzählungen Meisel-Hess’ „Fanny Roth“ (1902) und „Neid“ (1912) sowie den Roman „Die Intellektuellen“ (1911), hat dabei aber auch Briefe ausgewertet, die Magnus Hirschfeld einst an Meisel-Hess geschrieben hat und die heute in der MHG aufbewahrt werden. Einer der Gutachter von Metters Arbeit hat lobend festgehalten: „Es ist großartig, dass schon durch diese Masterarbeit Grete Meisel-Hess wiederentdeckt worden ist. Wie schön wäre es, wenn man demnächst eine umfangreichere Monographie lesen könnte, mit der diese in so vielen Hinsichten bedeutende Schriftstellerin einem größeren, nicht nur fachwissenschaftlichen Publikum vorgestellt werden könnte.“ Dem schließen wir uns nur zu gerne an.
Nicht minder interessant sind die beiden anderen Hochschulschriften, von denen wir in den letzten Monaten Kopien erhalten haben und die sich der Sexualreformerin Maria Krische (1880–1945) widmen. So hat Dörte Zink mit ihrer Masterarbeit an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena 2024 eine vielschichtige „Rekonstruktion von Leben und Werk einer (Sexual-) Pädagogin der Goldenen Zwanziger“ vorgelegt, und Rahel Bueb hat in ihrer Masterarbeit an der Universität im Schweizerischen Basel 2025 eine „eheliche Kameradschaft zwischen bürgerlicher Männlichkeit, Gleichberechtigung und Eugenik“ am Beispiel von Paul und Maria Krische untersucht. Auch diese beiden Abschlussarbeiten sind absolut lesenswert und inspirierend, weil sie neue Wege der Annäherung an die Lebensbedingungen einer intellektuellen und sozial engagierten Frau in der ersten Hälfte des Zwanzigsten Jahrhunderts beschreiten und damit neue Einsichten ermöglichen. Sowohl Dörte Zink als auch Rahel Bueb haben ähnlich wie Stina Marie Metter für ihre Arbeiten unveröffentlichte Dokumente herangezogen, die sich in unserer Sammlung befinden – hier aus dem Nachlass von Maria und Paul Krische.
Unser Dank gilt an dieser Stelle Stina Marie Metter, Dörte Zink und Rahel Bueb für je ein Exemplar ihrer Masterarbeiten. Diese stehen für Interessierte ab sofort zur erhellenden Lektüre in unserer Geschäftsstelle bereit.
